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05.09.2011 09:01

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Brasilianischer Real unter Abwertungsdruck


Die brasilianische Notenbank senkte in der vergangenen Woche überraschend den Leitzins von 12,50 auf 12,00 Prozent.

Damit ist der größte lateinamerikanische Staat nach der Türkei das zweite große Schwellenland, das die Geldpolitik lockert. Noch bis vor wenigen Monaten war für die meisten Emerging Markets die hohe Inflation das große Problem und die Zeichen standen auf Zinserhöhung. Das hat sich in überraschend kurzer Zeit geändert: Nun machen Wachstumsängste die Runde und überall wird darüber nachgedacht, ob die Geldpolitik nicht zu restriktiv ist. Die Aktion der brasilianischen Notenbank könnte der Startschuss für Zinssenkungen in weiteren Schwellenländern sein.

Die Notenbank riskiert viel

In Brasilien hat sich die Konjunktur jedenfalls abgekühlt: Die Industrieproduktion lag im Juli um 0,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres und auch andere Indikatoren zeigen nach unten. Trotzdem geht die Notenbank mit ihrer Lockerung der Geldpolitik ein großes Risiko ein. Vielleicht handelt es sich nur um eine kleine Konjunkturdelle. Das BIP stieg jedenfalls im zweiten Quartal überraschend stark um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und die Arbeitslosenquote liegt bei historisch niedrigen 6,0 Prozent. Vor allem aber ist die Gefahr für die Preisstabilität groß. Im August stieg die Inflationsrate erstmals seit dem Jahr 2005 wieder über 7,0 Prozent und das Kreditwachstum beträgt nach wie vor viel zu hohe 20 Prozent pro Jahr. Derzeit gehen die Notenbanker davon aus, dass sich die Inflationsrate von selbst zurückbildet, doch ob das so kommt, ist ungewiss. Es droht die Situation einer Wachstumsabschwächung bei gleichzeitig steigenden Inflationsraten.

Der Real bleibt langfristig attraktiv

Die Märkte jedenfalls freuten sich über die Zinssenkung, die Börse in Sao Paolo, die zuletzt deutlich nachgegeben hatte und auf den tiefsten Stand seit Anfang 2009 gefallen war, legte wieder kräftig zu. Dafür kam aber der Real etwas unter Druck – jedenfalls gegenüber dem US-Dollar. Gegenüber dem Euro legte der Real wegen der aktuellen Schwäche der europäischen Währung sogar zu. Kurzfristig gesehen könnte der Real etwas unter Abwertungsdruck kommen, zumal mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen ist, langfristig bleibt die Brasilianische Währung aber für Anleger attraktiv. Denn: Das Zinsniveau ist international gesehen immer noch sehr hoch und die Wirtschaft steht trotz der aktuellen Konjunkturdelle glänzend da.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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