19.02.2013 10:12
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Britisches Pfund weiter unter Abwertungsdruck!?

Devisen-Trader-Kolumne

Detlef Rettinger
Immer mehr wird in der Öffentlichkeit und auch in den Hinterzimmern der Regierungen und Notenbanken über einen drohenden Abwertungswettlauf diskutiert.
Vor allem Japan mit seiner rigorosen Abwertungspolitik hat dies provoziert. „Währungskrieg“ als Überschrift klingt martialisch, liest sich spannend und eignet sich daher als Aufmacher für die Wirtschaftsteile der großen Zeitungen. Doch das Thema wird übertrieben. Klar sind die meisten Länder daran interessiert, dass ihre Währungen nicht zu stark sind, damit der (mögliche) Aufschwung nicht ins Stocken kommt. Und klar ist auch, dass sich jeder selbst der Nächste ist. Aber einen echten Abwertungswettlauf wird es nicht geben. Darauf deutete die Erklärung nach dem G7-Treffen in der vergangenen Woche hin und das wird auch nach dem G20-Treffen an diesem Wochenende nicht anders sein. Die Initiative des französischen Präsidenten Hollande, mittelfristige Wechselkursziele für den Euro festzulegen, stieß in ganz Europa kaum auf Resonanz, nicht einmal in den staatlichen Interventionen traditionell nicht abgeneigten Krisenländern im Süden.

Pfund-Wechselkurse an wichtigen Marken

Ohnehin wird die immer noch sehr schwache wirtschaftliche Verfassung der Eurozone verhindern, dass der Euro zu stark aufwertet. Das hat sich bereits in dieser Woche gezeigt, als die Gemeinschaftswährung nach den enttäuschenden BIP-Zahlen für das vierte Quartal deutlich zurückfiel. Allerdings nicht gegenüber allen Währungen. Gegenüber dem Pfund konnte sich der Euro gut behaupten. Der Wechselkurs EUR/GBP blieb auf dem höchsten Stand seit Oktober 2011. Das liegt vor allem an der ebenfalls schwachen Verfassung der britischen Wirtschaft. Anfang trieb noch die Erleichterung über die Entspannung in der Eurokrise den Wechselkurs nach oben, inzwischen sind es aber auch die schlechten britischen Wirtschaftsdaten. Das wird durch die Kursentwicklung beim Wechselkurs des Pfunds zum US-Dollar bestätigt: GBP/USD fiel auf den tiefsten Stand seit Juli 2012 und hat dabei auch eine seit Anfang 2009 bestehende charttechnische Aufwärtstrendlinie gebrochen. Inzwischen steuert der Wechselkurs die wichtige Unterstützung bei 1,5350 USD an, die seit Mitte 2010 immer einen stärkeren Kursrückgang verhinderte.

Fazit

Äußerst enttäuschende Zahlen zur Entwicklung der Einzelhandelsumsätze auf der Insel setzten das Pfund am Freitag nochmals unter Druck. Beide Wechselkurse stehen aber an oder kurz vor wichtigen charttechnischen Marken: GBP/USD nimmt bald die Unterstützungszone bei 1,5400/1,5350 USD ins Visier und EUR/GBP ist bislang am Widerstand bei 0,8700 GBP gescheitert. Auf eine weitere Pfund-Abwertung zu setzen, bietet sich daher gegenwärtig nicht an.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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