26.11.2012 09:34
Bewerten
 (4)

EUR/TRY: Türkische Lira unter Abwertungsdruck!

Devisen-Trader-Kolumne

Detlef Rettinger
Das ist schon bemerkenswert: Die Agentur Fitch Ratings hat türkischen Anleihen Anfang November erstmals seit 1994 wieder ein Investment-Grade-Rating gegeben.
Andere Agenturen könnten nachziehen. Das macht türkische Bonds für internationale Fonds noch attraktiver. Anleihefonds dürfen häufig nur – oder müssen zumindest einen hohen Prozentsatz ihres Anlagevermögens – in Papiere mit Investment-Grade-Status investieren. Fitch führte als Begründung dafür vor allem die hervorragenden Wachstumsaussichten des Landes an. Sicherlich spielt auch die seit Jahren herrschende, vergleichsweise hohe politische Stabilität eine Rolle. Einen Militärputsch, wie es ihn häufig in der türkischen Geschichte gab, kann man sich kaum noch vorstellen.

Hohes Leistungsbilanzdefizit

Eine besondere Stabilität des Finanzsystems kann allerdings nicht der Grund für die Anhebung gewesen sein, denn mit der ist es nicht weit her. Die Inflationsrate hat sich zwar verringert, beträgt aber immer noch 7,8 Prozent. Auch das Kreditwachstum, das besonders ein Hort der Instabilität ist, beträgt 11 Prozent, lag aber vor Jahresfrist bei immensen 25 Prozent. Das Leistungsbilanzdefizit bildet sich ebenfalls zurück, wird aber 2012 immer noch knapp acht Prozent betragen. Die Verbesserung der Finanzkennzahlen ist allerdings weniger auf die Stabilitätspolitik von Regierung und Notenbank zurückzuführen als auf das geringere Wirtschaftswachstum. Auch das hat sich von 8,4 im Jahr 2011 auf unter drei Prozent zurückgebildet.

Notenbank fürchtet Lira-Aufwertung

Die hohe Inflation und das Defizit in der Leistungsbilanz gefährden nicht die Stabilität der Lira, sorgen aber immerhin für starke Schwankungen beim Wechselkurs. Nimmt die Risikoaversion an den Märkten zu, dann werden kurzfristige Gelder abgezogen und umgekehrt. Daher fürchtet die Notenbank – nicht zuletzt im Zuge des Rating-Upgrades – einen Zustrom kurzfristigen Anlagekapitals und eine Aufwertung der Lira. Die Notenbank hat daher das obere Ende des Zinskorridors von 9,50 auf 9,00 Prozent abgesenkt. Das ist mehr ein symbolischer Akt, da das untere Ende bei 5,75 Prozent die größere Rolle spielt. Aber es ist ein Wink darauf, dass die Zeichen auch in Zukunft eher auf eine Leitzinssenkung als auf eine Anhebung stehen.

EUR/TRY nimmt Widerstand ins Visier

Die Lira hat daher auch auf das Rating-Upgrade nur kurzfristig mit einer Aufwertung reagiert. Denn die Aussicht auf weitere Zinssenkungen sorgt gleichzeitig für Abwertungsdruck. Kurzfristig kann EUR/TRY erneut den Widerstand bei 2,36 TRY ins Visier nehmen und eventuell auch über diese Marke hinaus steigen. Mittelfristig wird die Lira aber als Anlagewährung gefragt bleiben.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Artikel empfehlen?
Kostenlosen Report anfordern

Devisenkurse

NameKurs+/-%
Dollarkurs1,0864-0,0011
-0,1012
Japanischer Yen129,1650-0,2350
-0,1816
Britische Pfund0,71610,0000
0,0007
Schweizer Franken1,03790,0051
0,4938
Russischer Rubel55,36670,3745
0,6809
Bitcoin201,0300-10,3000
-4,8739

Heute im Fokus

DAX schließt mit Gewinn -- Wer ist Martin Winterkorn? - Ein Qualitätsfanatiker will bei VW ganz nach oben --US-Börsen in der Gewinnzone -- Tesla, Biotest, Apple, METRO im Fokus

Venezuela will Goldreserven verpfänden. Karstadt-Tarifverhandlungen unterbrochen. IPO: Börsengang von Sixts Leasing-Tochter für 7. Mai geplant. ThyssenKrupp expandiert in Nordamerika. 45-Milliarden-Fusion gescheitert: Comcast bläst TWC-Übernahme ab. Draghi: Die Zeit für Griechenland-Rettung wird knapp.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Die schlechtesten Index-Performer

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Umfrage

Die Lokführergewerkschaft GDL hat nach den gescheiterten Tarifgesprächen am Sonntag offiziell beschlossen, erneut zu streiken. Haben Sie dafür Verständnis?