17.12.2012 09:59
Bewerten
 (1)

Euro: Geht die Erholung weiter?

Devisen-Trader-Kolumne

Detlef Rettinger
Der Euro hat sich seit Juli 2012 gegenüber vielen wichtigen Währungen deutlich erholt.
Grund dafür war das Bekenntnis der EZB, alle Mittel zu nutzen, um ein Auseinanderbrechen der Eurozone zu verhindern. In den folgenden Monaten konnten sich dann auch die europäischen Fiskalpolitiker – quälend langsam zwar, aber immerhin – zu wirksamen Maßnahmen durchringen. Das stärkte das arg angeschlagene Vertrauen in den Euro und bewegte viele Groß-Spekulanten dazu, ihre Euro-Short-Positionen nach und nach abzubauen.

EUR/JPY und EUR/USD legen kräftig zu

Am stärksten war der Kursanstieg des Euros gegenüber dem Yen. Der Wechselkurs EUR/JPY legte seit Juli um 17 Prozent zu und stieg auf den höchsten Stand seit April 2012. Der Grund dafür ist, dass der Yen seine Funktion als sicherer Anlagehafen einbüßte und auf breiter Basis unter Abwertungsdruck kam. Gegenüber dem US-Dollar wertete der Euro seit Juli immerhin um knapp acht Prozent auf. Aktuell testet EUR/USD erneut den charttechnisch wichtigen Widerstand bei 1,3130 USD. Auch gegenüber dem Pfund stieg der Euro um fast vier Prozent – und das obwohl das Pfund z.B. gegenüber dem US-Dollar zulegen konnte. Da liegen die Fragen nahe: Geht das im nächsten Jahr so weiter? Ist dieser Kursanstieg gerechtfertigt?

Die Eurozone stabilisiert sich

Blickt man auf die Wirtschaftsdaten aus der Eurozone, müsste die Antwort „nein“ lauten. Im laufenden Quartal verstärkt sich die Rezession noch. Doch das ist nicht auf neue Entwicklungen zurückzuführen, sondern auf die negative Konjunkturdynamik: Die europäischen Unternehmen fahren ihre Lagerbestände weiter zurück und das drückt zusätzlich auf die Nachfrage. Im nächsten Jahr wird die Abwärtsdynamik nachlassen und es wird zu einer leichten Erholung kommen. Und langfristig werden sich die Reformen in den europäischen Krisenländern und der Rückgang der Arbeitskosten ohnehin positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Doch wann das der Fall sein wird, das ist unsicher.

Fazit

Jedenfalls sind die Chancen dafür, dass der Euro weiter zulegen kann, mittelfristig gar nicht schlecht. Kurzfristig ist für EUR/USD der erwähnte Widerstand bei 1,3130 USD entscheidend. Wird der überwunden – und danach sieht es im Moment aus, dann geht es weiter nach oben. EUR/JPY wird nach dem starken Kursanstieg voraussichtlich erst einmal konsolidieren, kann dann aber ebenfalls weiter zulegen.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Artikel empfehlen?
Kostenlosen Report anfordern

Devisenkurse

NameKurs+/-%
Dollarkurs1,08750,0055
0,5037
Japanischer Yen129,40000,0000
0,0000
Britische Pfund0,7161-0,0027
-0,3680
Schweizer Franken1,03790,0051
0,4938
Russischer Rubel55,36670,3745
0,6809
Bitcoin209,0400-0,8700
-0,4145

Heute im Fokus

DAX schließt mit Gewinn -- Wer ist Martin Winterkorn? - Ein Qualitätsfanatiker will bei VW ganz nach oben --US-Börsen in der Gewinnzone -- Tesla, Biotest, Apple, METRO im Fokus

Venezuela will Goldreserven verpfänden. Karstadt-Tarifverhandlungen unterbrochen. IPO: Börsengang von Sixts Leasing-Tochter für 7. Mai geplant. ThyssenKrupp expandiert in Nordamerika. 45-Milliarden-Fusion gescheitert: Comcast bläst TWC-Übernahme ab. Draghi: Die Zeit für Griechenland-Rettung wird knapp.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Die schlechtesten Index-Performer

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Umfrage

Die Lokführergewerkschaft GDL hat nach den gescheiterten Tarifgesprächen am Sonntag offiziell beschlossen, erneut zu streiken. Haben Sie dafür Verständnis?