29.07.2013 10:05
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Ist die Aufwertung des Chinesischen Yuans gestoppt?

Devisen-Trader Kolumne: Ist die Aufwertung des Chinesischen Yuans gestoppt? | Nachricht | finanzen.net
Devisen-Trader-Kolumne

Detlef Rettinger

Peking hat eine Vision: Der Yuan (Renminbi) soll dem Dollar als Weltwährung Konkurrenz machen.

Dafür sind zwei Dinge nötig: Die Währung muss langfristig aufwerten, um dem hohen Wachstumstempo Chinas Tribut zu zollen und die Handelspartner nicht zu verärgern. Und der Yuan muss frei konvertierbar werden, was er bislang nicht ist. Seit 2005 hat Peking auch auf Druck der USA den Yuan gegenüber dem Dollar um 26 Prozent aufgewertet. Nach einer stabilen Zwischenphase nach der Finanzkrise 2008 gab es seit Mitte 2010 nochmals eine sukzessive Aufwertung. Diese konstante Aufwertung macht den Yuan als Anlagewährung für Carry Trades interessant, zumal das Zinsniveau über dem in den USA liegt. Bei Carry Trades investieren Profianleger in Währungen mit relativ hohen Zinsen, leihen sich dafür Geld in niedrig verzinsten Währungen und streichen die Zinsdifferenz ein. Die Geldschwemme durch die US-Notenbank hat dieses spekulative Verhalten zusätzlich befeuert. Da scheint es auch für Privatanleger eine sichere Sache, z.B. mit einem Put-Optionsschein auf den USD/CNY- oder auf den EUR/CNY-Wechselkurs von einer anhaltenden Aufwertung des Yuans zu profitieren. Solche Spekulationen brachten in den letzten drei Jahren schöne Gewinne, doch ob sie das auch in Zukunft tun, ist keineswegs sicher.

Chinas Wirtschaft zeigt ungewohnte Schwächen

Das hat mehrere Gründe: So hat das chinesische Wirtschaftswunder Kratzer bekommen, die BIP-Wachstumsrate nimmt seit einigen Quartal ab und es treten u.a. die Schwächen im Finanzsystem zutage. Speziell die Exporte schwächeln, was die Aufwertung des Yuans zu einem zusätzlichen Problem werden lässt. Darüber hinaus sorgt die in den nächsten Monaten bevorstehende Wende in der Geldpolitik der USA für Turbulenzen an den Märkten, denn die Liquidität wird knapper und viele Anleger ziehen Gelder aus den Schwellenländern ab. Das sorgt für Abwertungsdruck. Und nicht zuletzt sind Dollar/Yuan-Carry-Trades unattraktiver geworden, weil die Anleiherenditen in den USA wieder langsam steigen. Ein rasches Auflösen der sehr umfangreichen Carry Trades würde für heftige Turbulenzen an den Märkten sorgen, wie es in der Vergangenheit schon bei Carry Trades auf AUD/JPY und auf USD/JPY der Fall war.

Starker Yuan bleibt weiter das Ziel

Peking könnte sich in diesem Fall gezwungen sehen, von seiner langfristigen Strategie abzuweichen und den Yuan abzuwerten. Ob dies geschieht, können wir nicht vorhersehen, die Deutsche Bank hat jedenfalls in einer Studie vor dieser Gefahr gewarnt. Wer derzeit auf eine Aufwertung des Yuans spekuliert, sollte dies bedenken und Ausstiegsszenarien festlegen. Langfristig wird Peking aber an seiner Strategie der Yuan-Aufwertung festhalten – Konjunkturschwäche hin oder her – denn nur so kann die erhoffte Stärkung der Inlandsnachfrage und die Abkehr von der übermäßigen Exportorientierung gelingen.

Fazit

Die Aufwertung des Yuans ist in den letzten Monaten zum Stillstand gekommen, sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber dem Euro. Diese Phase wird voraussichtlich noch anhalten, ein Kursanstieg von EUR/CNY (entspricht einer Abwertung des Yuans) ist aber nur dann zu erwarten, wenn der Euro auch gegen den Dollar zulegt.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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