12.11.2012 08:23
Bewerten
 (0)

Polen senkt den Leitzins und der Zloty fällt

Nun hat sich auch die polnische Zentralbank dem Mainstream angeschlossen und wie die meisten Notenbanken der Industrieländer den Leitzins gesenkt, und zwar von 4,75 auf 4,50 Prozent.
Sie sehen schon: Hoch ist der Leitzins im Vergleich zu den 0,75 Prozent in der Eurozone und den quasi null Prozent in den USA und Japan immer noch. Der Zloty, der sich seit Jahresbeginn vergleichsweise stark zeigte, gab daraufhin nach. EUR/PLN stieg trotz der gleichzeitigen allgemeinen Schwäche des Euros in dieser Woche auf den höchsten Stand seit Mitte September.

Polen baut auf starke Binnenkonjunktur

Es war die erste Zinssenkung in Polen seit dem Krisenjahr 2009 und das erklärt gleichzeitig auch die Ausnahmestellung der polnischen Wirtschaft. 2009 war das Land eines der ganz wenigen, das eine Rezession vermeiden konnte. Zu verdanken war dies der starken Binnenkonjunktur, die Polen relativ unabhängig macht von äußeren Einflüssen, unabhängiger zumindest als die beiden vergleichbaren Nachbarstaaten Tschechien und Ungarn. Nun aber bekommt auch Polen die Krise in der Eurozone zu spüren. Die EU-Kommission kürzte ihre Wachstumsprognose für das Land im Jahr 2013 von 2,6 auf 1,8 Prozent. Das ist immer noch deutlich mehr als in der Eurozone, für die die Kommission als Ganzes nur mit einer Stagnation rechnet.

Zinsdifferenz spricht für den Zloty

Eigentlich müsste der Zloty angesichts der Zinsdifferenz von 3,75 Prozentpunkten zur Eurozone damit seine Anziehungskraft als Anlagewährung behalten. Doch so einfach ist das nicht. So hat Polens Notenbank eine Serie von Zinssenkungen angekündigt, die Maßnahme in dieser Woche war nur der erste Schritt. Und Währungen, bei denen Zinssenkungen erwartet werden, kommen in der Regel unter Verkaufsdruck, egal wie hoch das Zinsniveau absolut ist. Erst wenn das Ende des Zinssenkungszyklus abzusehen ist, nimmt der Abwertungsdruck ab. Trotzdem wird sich das Aufwärtspotenzial für EUR/PLN in Grenzen halten und das liegt vor allem am Euro. Denn auch die EZB könnte den Leitzins weiter senken und eine Eskalation der Wirtschafts- und Finanzlage in der Eurozone wird auch den Euro unter Druck setzen.

Fazit Kurzfristig orientierte Trader können daher auf einen weiteren Anstieg von EUR/PLN setzen. Langfristig orientierte Anleger sollten abwarten und höhere Kurse von EUR/PLN von 4,30 bis 4,40 PLN für einen Einstieg in den Zloty nutzen.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Devisenkurse

NameKurs+/-%
Dollarkurs1,22470,0026
0,2107
Japanischer Yen146,27500,2100
0,1438
Britische Pfund0,78280,0007
0,0914
Schweizer Franken1,2029-0,0001
-0,0042
Russischer Rubel72,10590,1004
0,1394
Bitcoin263,9300-1,1400
-0,4301

Heute im Fokus

DAX geht schwächer ins Wochenende -- MorphoSys-Aktie und Roche-Aktie fallen kräftig -- US-Börsen in der Gewinnzone -- GfK-Konsumklima auf höchstem Stand seit acht Jahren

BayernLB verklagt Ecclestone. Euro gibt leicht nach. Studio Babelsberg erwartet für 2014 Millionenverlust. Sartorius verkauft Sparte. Ölpreise deutlich gestiegen. Verdi ruft an vier Amazon-Standorten zu Streiks bis Heiligabend auf. Allianz stimmt Vergleich nach Amoklauf von Winnenden zu. Facebook will mehr über Datenschutz informieren.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Welche Unternehmen sind am attraktivsten für Informatiker?

Diese Flughäfen werden hoch frequentiert

Umfrage

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich mit Haut und Haar für das Freihandelsabkommen mit den USA stark machen. Was halten Sie von TTIP?

Anzeige