24.06.2013 11:04
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Was ist nur mit den Schwellenländern los?!

Was ist nur aus den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China geworden?
Die einstigen Erfolgsstorys scheinen sich ins Gegenteil zu verkehren. In Brasilien begehrt das Volk auf, Indien ächzt unter einer Investitionsschwäche und in China könnte sogar ein Kollaps des Finanzsystems drohen. Auch deswegen ziehen seit einigen Wochen immer mehr Anleger Gelder aus den Schwellenländern ab, das nahm teilweise sogar die Form einer Kapitalflucht an. Die Gründe dafür sind aber nicht nur hausgemacht, es spielt auch das Herdenverhalten der internationalen Anleger eine Rolle.

Die Risiken nehmen wieder zu

Die Aussicht auf ein Ende der Anleihekäufe durch die USA, die Zweifel an der neuen expansiven Strategie der Bank of Japan und nicht zuletzt die Sorgen um die Konjunktur in China haben die Risikobereitschaft der Anleger untergraben. Kurz gesagt: Es wird darüber spekuliert – mehr als Spekulationen sind es noch nicht – dass es weniger Liquidität gibt, um in lukrative, höher verzinste Anlagen wie z.B. Anleihen aus den Schwellenländern zu investieren. Sicher ist: Der Anreiz dafür sinkt, da die Anleiherenditen in den USA langsam wieder steigen. Gleichzeitig drückt das schwächere Wachstum in China auf die Konjunktur in vielen anderen Schwellenländern. Das Anlagerisiko scheint also zuzunehmen.

Kapitalflucht aus den Emerging Markets

Am Devisenmarkt führte dies zu einer Abwertung bei den Währungen der Schwellenländer. Nach der Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch wurde dieser Trend noch beschleunigt, scheint ein Ende der Liquiditätsspritzen der Fed doch näher als bisher gedacht. Der Abwertungsdruck macht Geldanlagen für ausländische Anleger in den Schwellenländern noch unattraktiver und verstärkte den Trend zur Kapitalflucht. Besonders stark ist der Abwertungsdruck dort, wo nationale Strukturprobleme, wie z.B. eine hohe Inflation, Leistungsbilanzdefizite oder politische Unsicherheit, hinzukommen. Das ist u.a. in Südafrika der Fall. Die Wechselkurse USD/ZAR und EUR/ZAR sind auf den höchsten Stand seit Ende 2008 gestiegen. Auch die Türkische Lira steht wegen der politischen Unruhen seit einigen Wochen unter starkem Abwertungsdruck. In den letzten beiden Wochen wurde daraus ein allgemeiner Trend, der sogar den Ungarischen Forint, den Polnischen Zloty und den Mexikanischen Peso erfasste. Doch die Abwertung könnte übertrieben sein.

Fazit

Die Marktturbulenzen und der Verkaufsdruck bei den Schwellenländer-Währungen können kurzfristig noch anhalten. Auf jeden Fall bleibt die Volatilität hoch. Das wird sich erst ändern, wenn sich bei den Anlegern die Erkenntnis durchsetzt, dass trotz des Zurückfahrens der Anleihekäufe durch die US-Notenbank der Leitzins noch lange sehr niedrig bleiben wird – das gilt auch für die Eurozone und Japan. Die Emerging Markets bieten daher auf Dauer die attraktiveren Renditen. Die starke Abwertung bei manchen Schwellenländer-Währungen wird sich langfristig als Kaufgelegenheit erweisen.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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