29.10.2012 10:53
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Yen: Sorgt die Bank of Japan für einen Paukenschlag?

Japans Wirtschaft kommt einfach nicht in Tritt. Das ist schon seit vielen Jahren so und liegt an den bekannten strukturellen Problemen.
Eines davon ist der anhaltende deflationäre Druck, der allerdings auch mit der geringen Wirtschaftsdynamik zusammenhängt. Verschlimmert wurde die Lage noch durch den Tsunami im März 2011 und die Probleme in der Energiewirtschaft. In jüngster Zeit kommt die Wachstumsschwäche in China hinzu, denn Japans Wirtschaft lebt zu einem nicht geringen Teil von den Exporten in die ostasiatischen Nachbarländer.

Yen-Stärke ist ein großes Problem

Den Yen kümmerte das aber wenig. Die japanische Währung legte in den letzten beiden Jahren dennoch kräftig zu, was vor allem an den Kapitalzuflüssen in den vermeintlich sicheren Anlagehafen Japan liegt. Der starke Yen verschärft die Probleme der Exportwirtschaft zusätzlich und ist daher der Notenbank ein großer Dorn im Auge. Genauer gesagt konzentriert sich die Geldpolitik mangels anderer Instrumente inzwischen hauptsächlich darauf, den Yen wieder schwächer zu machen. In den letzten Monaten wurde der Aufwertungsdruck jedenfalls zumindest beendet. Das lag aber nicht nur an den Maßnahmen der Bank of Japan, sondern auch an der Entspannung in der Eurokrise. Die Zuflüsse in die sicheren Anlagehäfen haben eben nachgelassen.

Japans Wirtschaft in der Rezession

Seit Anfang Oktober hat sich der Abwertungsdruck auf den Yen sogar verschärft. USD/JPY stieg auf den höchsten Stand seit Ende Juni und EUR/JPY sogar auf den höchsten Stand seit Anfang Mai. Hier und da gibt es nun Spekulationen, die Bank of Japan könnte bei ihrer Sitzung am 30. Oktober doch nicht zu den erwarteten energischen Lockerungsmaßnahmen greifen. Doch das ist falsch, denn der zuletzt zu beobachtende Abwertungsdruck ist in erster Linie auf die Erwartung einer neuen Liquiditätsschwemme zurückzuführen. Das geldpolitische Mittel der Wahl ist wie bei der US-Notenbank und der EZB der Aufkauf von Anleihen. Das bestehende Programm wird wahrscheinlich deutlich aufgestockt. Als Begründung werden Japans Notenbanker aller Voraussicht nach eine Abwärtsrevision ihrer Wachstums- und Inflationsprognosen liefern. Japans Wirtschaft wird nach einem Minus im dritten Quartal vermutlich auch im vierten Quartal schrumpfen. Das erfüllt die Definition einer Rezession.

EUR/JPY weiter im Aufwind

Aus fundamentaler Sicht wird folglich der Abwertungsdruck auf den Yen anhalten. Doch das wird sich nur auf den Kurs auswirken, wenn sich die allgemeine Risikoaversion an den Märkten nicht wieder deutlich verstärkt. Charttechnisch ist EUR/JPY jedenfalls erst einmal am Widerstand bei 104,40 JPY gescheitert und derzeit in einer Konsolidierungsphase. Der kurzfristige Aufwärtstrend ist aber intakt und der Wechselkurs wird voraussichtlich bald die Marken bei 106 und 108 Yen ins Visier nehmen. Ähnliches gilt auch für USD/JPY. Der Wechselkurs hat den wichtigen Widerstand bei 80,00 JPY zeitweise überwunden und dürfte nach einer Konsolidierung weiter zulegen.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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