US-Dollar: Geliebt, gehasst, aber nicht geschasst

Steven Englander von Barclays Capital und Christian Pohl von der Deutschen Bank haben zwei Gemeinsamkeiten: Nicht nur, dass sie beide als Währungsstrategen arbeiten. Beide nutzen die Urlaubszeit gern, um ihre Wohnorte London beziehungsweise Frankfurt zu verlassen und in die USA zu fliegen. In den kommenden Monaten dürfte das aus ihrer Sicht vor allem für Shoppingbegeisterte noch interessanter werden. „So einen Ausflug kann ich nur empfehlen“, sagt Pohl.
Denn er erwartet ebenso wie Englander, dass der Dollar gegenüber dem Euro noch schwächer werden wird. Mit dieser Meinung stehen Englander und Pohl nicht allein. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter 1851 Finanzexperten hat ergeben: Der Dollarstimmungsindex notierte im September bei 30,8 Punkten; im August waren es 38,8 Punkte. Werte unter 50 bedeuten, dass die Befragten in den kommenden Monaten einen schwächeren Dollar erwarten. „Der Dollar sieht so schrecklich aus wie das Britische Pfund Sterling nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagt David Bloom, leitender Währungsstratege bei der britischen Bank HSBC. Ihm und vielen seiner Kollegen zufolge sind die Aussichten noch schlechter.
Dafür nennen die Währungsstrategen vier Hauptgründe: Die anhaltend gute Investorenstimmung, dass die US-Notenbank die Zinsen später anheben wird als andere Zentralbanken, die Diskussion um ein Ende des Dollar als Reservewährung und das Ziel der G 20-Staaten, die weltweiten Handelsströme auszugleichen.


