Euro-Schwächeanfall hält an

"Dem Euro scheinen zusehends die Fans abhanden zu kommen, denn kaum ein Anleger möchte ihn offensichtlich noch im Portfolio haben", kommentierte Commerzbank-Expertin Antje Praefcke. Die Euphorie über die EU-Gipfelbeschlüsse sei zusehends in Skepsis gegenüber der Gemeinschaftswährung umgeschlagen, so dass der Euro gegenüber den großen Währungen seit gut zwei Wochen deutlich unter Druck stehe.
Dass der Euro im Vormittagshandel trotz des gestiegenen Misstrauens gegenüber dem Währungsraums leicht zulegen konnte, begründeten Händler mit Konjunkturdaten aus China, die besser als am Markt erwartet ausgefallen seien. Von der gestiegenen Risikofreude habe die Gemeinschaftswährung etwas profitieren können.
Dennoch bleiben die Aussichten trüb: Neben den schlechten Nachrichten aus der Eurozone belaste auch die Abkühlung der Weltkonjunktur zunehmend, sagte Harwig Wild, Experte vom Bankhaus Metzler. "Eine fundamentale Begründung für einen steigenden Euro sucht man derzeit vergeblich."
Exporteuren im Euroraum käme ein schwächerer Eurokurs zwar entgegen, da die Produkte dadurch günstiger im Ausland angeboten werden können. Solange sich die globalen Wirtschaftsaussichten jedoch weiter eintrüben, dürfte das ein schwacher Trost sein.
Einen weiteren Tiefschlag kassierten die Euro-Retter am Vorabend von der Ratingagentur Moody's, die trotz intensivierter Reformbemühungen den Daumen abermals den Daumen über Italien senkte. Mit Verweis auf die schwache Binnenkonjunktur, fiskalische Risiken und Ansteckungsgefahren aus Griechenland und Spanien reduzierte die Agentur die Bonität um zwei Noten auf "Baa2". Das ist nur zwei Noten über "Ramschniveau", mit dem Ratingagenturen spekulative Anlagen kennzeichnen. Unter den drei großen Agenturen kommt Italien bei Moody's am schlechtesten weg.
Dennoch konnte die drittgrößte Euro-Volkswirtschaft am Freitag problemlos Anleihen am Markt platzieren und so frisches Geld bei Anlegern besorgen. Gegenüber den letzten Auktionen gingen die Zinsen sogar zurück.
FRANKFURT (dpa-AFX)
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