PROF. OTTE-KOLUMNE
... nur einen Weg geben kann: nach unten. Die amerikanische Wirtschaft ist in Summe wesentlich maroder als die europäische. Das US-Haushaltsdefizit liegt bei elf Prozent, das der europäischen Staaten im Schnitt bei sechs Prozent. Etliche US-Bundesstaaten stehen vor dem Bankrott.
Dennoch diskutieren wir seit fast einem Jahr über den Euro. Komisch, nicht? Die Panik um die Eurozone wurde auch noch schnell nebenbei genutzt, um die Unabhängigkeit der Deutschen Bundesbank zu zerstören und Deutschland weiter anzuzapfen. Da könnte man schon auf den Gedanken kommen, dass da eine politische Dynamik hintersteckt. Keine „Verschwörung“ – aber für die Interessen der angelsächsischen Wirtschaftspresse und der angelsächsischen Ratingagenturen ist es sicher besser, wenn wir über den Euro diskutieren, als über den Dollar und die US-Wirtschaft. Am 19. Februar 2009 nannte der bekannte „Economist“ Österreich das „Argentinien an der Donau“. Grotesk! Eine funktionierende, bürgerliche Wirtschaft dermaßen schlecht zu reden.
Nun scheint die Realität die USA einzuholen. In den letzten Wochen ist der Dollar um acht Prozent gefallen. Keiner weiß, wie schnell sich der Wertverlust fortsetzen wird oder ob es vielleicht nochmal einen Gegenbewegung gibt. Ich spekuliere nicht mit Devisen. Aber die Richtung des Dollar ist fundamental richtig: nach unten. Aufgrund der Probleme der US-Bundesstaaten oder der anziehenden US-Inflation könnte der Dollar ohne weiteres noch mal zehn, 20 oder mehr Prozent nachgeben.
Als Folge werden schon jetzt viele US-Qualitätstitel sehr billig: Microsoft und Intel mit einem KGV von zehn, Cisco und Medtronic leicht darüber, Procter & Gamble bei 15, Johnson & Johnson bei zwölf. Viele dieser Titel sind so billig wie zuletzt vor zehn oder mehr Jahren. Da können Sie nicht viel verkehrt machen.
Denn so schlecht es der US-Wirtschaft auch gehen mag: Wenn Sie die Giganten der immer noch größten Volkswirtschaft der Welt zu diesen Preisen bekommen, ist das sicher eine Überlegung wert.
Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.