06.01.2012 09:49
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Tageskommentar zu EUR/USD

Kommentar 1:
Am gestrigen Donnerstag entwickelte sich der Euro in eine Richtung, die wir angesichts der technischen Ausgangslage der Vortage als das Szenario mit der geringsten Eintrittswahrscheinlichkeit für das laufende Fraktal eingeschätzt hatten, so dass wir auch aus praktischer Sicht nicht zum Zuge kamen: der Euro fiel nach unten hin durch. Konkret heißt das, Europas Leitwährung unterschritt ungeachtet der markttechnischen Ausgangslage die untere Begrenzung der jüngst ausgeformten Zwischenkonsolidierung / Stauzone, in welche das Währungspaar am Mittwoch zurückgefallen war, nachdem wir noch am Dienstag einen Ausbruch auf der Oberseite gesehen hatten.

Kommentar 2:
Im Tagestief gab Europas Leitwährung bis auf 1,2770 USD nach, heute Morgen sahen wir temporär die 1,2763 USD. In der Konsequenz hat diese Entwicklung folgende Implikationen auf die technische Ausgangslage im Wechselkursverhältnis EUR/USD: (a) uns liegt wieder ein intakter, dominanter Abwärtstrend vor, dessen Zwischenkonsolidierung im Sinne der Definition als beendet angesehen werden kann. (b) Eines unserer Hauptargumente der Vortage, mit dem wir die skizzierte Kursstabilisierung und optimistische Erwartungshaltung begründeten, war die Entwicklung der Schwungkraft und die sich ausformende positive Divergenz zwischen Schwungkraft und Kursverlauf. Diese ist im Zusammenhang mit dem jüngsten Kursabschlag hinfällig, bzw. hat sich insoweit eingeengt, als dass wir ihr keine analytische Bedeutung mehr beimessen. (c) Alle von uns eingesetzten markttechnischen Indikatoren bestätigen den übergeordnet laufenden Abwärtstrend. (d) Sinnvolle Unterstützungsniveaus lassen sich aktuell keine mehr herleiten. Hier arbeiten wir ausschließlich nur noch mit Orientierungsmarken auf der Unterseite: die 1,2588 USD (Impulswendepunkt vom August 2010) und die 1,1870 USD (Impulswendepunkt vom Juni 2010). Die fundamentalen Rahmendaten werden von Experten aktuell als klar Pro-USD interpretiert. Während sich die konjunkturelle Entwicklung in den USA zunehmend aufhellt ? hier sehen wir fast täglich gute bis besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten ? kommt Europa in der Eindämmung der Euro-Schuldenkrise nur langsam voran (optimistisch eingeschätzt). Auch gestern wurden aus den USA wieder überraschend positive Daten veröffentlicht. Der Bericht des privaten Dienstleisters ADP wies für den Monat Dezember fast doppelt so viel neu entstandene Arbeitsplätze aus, als von Volkswirten erwartet. Darüber hinaus meldete das US-Arbeitsministerium einen unerwartet deutlichen Rückgang bei den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. ?Man kann zwar nicht von einem gesunden Arbeitsmarkt sprechen, doch wir befinden uns eindeutig auf dem Weg der Besserung?, kommentierte gestern Abend ein Analyst diese Entwicklung gegenüber DJNW. Allerdings sei ein gesunder Arbeitsmarkt die Basis für eine konjunkturelle Erholung der USA, sagte er weiter. In einem Bericht der Nachrichten-Agentur hieß es dazu, dass der ISM-Index für den Service-Sektor zwar im Dezember nicht ganz so stark wie von Ökonomen erwartet gestiegen sei, ?doch wurde das Plus im Vergleich zum Vormonat wohlwollend zur Kenntnis genommen.?

Kommentar 3:
In Europa zogen sich dagegen die Wolken am Überschuldungshimmel erneut zu. Mit Blick auf Italien kletterten die Renditen für zehnjährige Anleihen wieder über die sieben Prozent-Marke, ein Niveau, welches für Italiens Volkswirtschaft auf Dauer als absolut untragbar angesehen wird. In Griechenland geht es mal wieder um Sein oder nicht Sein, nachdem die Troika-Kommission in Athen wissen ließ, dass Griechenland die eigentlich bereits im Dezember erwartete Hilfszahlung erst drei Monate später erhalten könne. Grund seien abermals mangelnde Fortschritte bei der Sanierung des Staatshaushaltes. Einen Schreck brachte die Platzierung ungarischer Staatsanleihen mit sich. Das Land hatte gestern zwölfmonatige Schatzwechsel platziert, die geforderten Renditen lagen bei fast zehn Prozent. Darüber hinaus konnte Ungarn das beabsichtigte Platzierungsvolumen nicht vollständig unterbringen.

Fazit:
Eine technische Signalgenerierung für eine Trading-Positionierung lässt sich aktuell aus der laufenden Ausgangslage kaum sinnvoll herleiten. Im Grunde sprechen die wichtigsten Beurteilungskriterien des aktuellen Trendverlaufes für weiter fallende Kurse im EUR/USD Wechselkursverhältnis und sinnvolle Ziele auf der Unterseite liegen uns derzeit kaum vor. Ebenso ist eine auffällige Überhitzung des Trendverlaufes, was eine Reaktion wahrscheinlich machen würde, kaum auszumachen. Das heißt konkret: mit der jüngsten Entwicklung hat sich jeder Abschwung erneut als klare Impulsbewegung etabliert, jede aufwärts ausgerichtete Kursbewegung ist lediglich eine Reaktion. Nachdem mit der gestrigen Kursentwicklung eine neue Ausgangslage geschaffen wurde, werden wir zunächst den heutigen Handelsverlauf abwarten, um eine mögliche, sinnvolle Handelsindikation ableiten zu können.

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