aktualisiert: 18.04.2012 15:24
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Devisen: Sag ja zu Pips und Lots

Schweizer Franken: Überteuerte Fluchtwährung
Trading-Know-how
Der Währungshandel zieht immer mehr Privatanleger in seinen Bann. Gewinne lassen sich aber nur bei gründlicher Vorbereitung und Einhaltung bewährter Handelsstrategien erzielen.
€uro am Sonntag

von Martin Ahlers, €uro am Sonntag

Rund vier Billionen US-Dollar — eine Zahl mit zwölf Nullen — werden an den internationalen Devisenmärkten tagtäglich umgesetzt. Das ist in etwa das Achtfache des weltweiten Aktienhandels. Zwar wird der äußerst liquide Handel zu über 95 Prozent von Profis bestimmt, die Zahl der Privatanleger, die sich in diesem Bereich tummeln, nimmt aber kontinuierlich zu.

Hierzulande sollen es laut Marktschätzungen derzeit 50.000 bis 70.000 sein. „Innerhalb der kommenden Jahre stehen die Chancen aber gut, dass ihre Anzahl auf bis zu eine Viertelmillion ansteigt“, glaubt Heiko Müller, Geschäftsführer von Alpari Deutschland.

Die Begründung liefert Müller gleich mit und verweist auf die hohe Transparenz des Foreign Exchange Market (Forex), auf die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag zu handeln, sowie insbesondere auf die Tatsache, dass schon bei geringem Einsatz vernünftige Gewinne zu erzielen sind.

Dies gilt zumindest, wenn zur Spekulation Contracts for Difference (CFDs) eingesetzt oder Währungen direkt bei einem der inzwischen zahlreichen am deutschen Markt aktiven Forex-Broker ge- und verkauft werden. Während CFDs den Kursverlauf des Basiswerts, auf den sie sich beziehen, nur abbilden und das gehandelte Underlying vom CFD-Besitzer nicht tatsächlich erworben wird, ermöglicht der FX-Broker seinen Kunden den direkten Zugang zum Devisenmarkt. Hier werden im Rahmen eines weltweit verbundenen Netzwerks, bestehend aus Kreditinstituten, Zentralbanken, institutionellen und privaten Anlegern, die verschiedenen Währungen getauscht. Gemeinsam ist beiden Varianten allerdings, dass mit hohen Hebeln agiert werden kann. So liegt das Verhältnis zwischen dem bewegten Währungsvolumen und der hinterlegten Sicherheitsleistung (Margin) typischerweise bei 100 : 1. Aber auch höhere Werte sind denkbar.

Eine Veränderung beim Wechselkurs von einem Prozent, also beispielsweise der Preisanstieg eines US-Dollars von 0,7600 Euro auf 0,7676, bedeutet damit die Verdoppelung des eingesetzten Kapitals. Zumindest, wenn der Investor tatsächlich auf einen steigenden Greenback gesetzt hat. Andernfalls ist das investierte Kapital verloren. Es droht somit bei jedem Geschäft der Totalverlust.

Im Extremfall kann es sogar zu einer Nachschusspflicht kommen, was allerdings nicht bei allen Brokern der Fall ist. „Da die meisten Kunden vor dem Einstieg in den Devisenhandel bereits umfangreiche Erfahrungen mit Optionsscheinen und Hebelzertifikaten gesammelt haben, sind sie sich des Risikos entsprechender Geschäfte jedoch durchaus bewusst“, sagt Torsten Gellert, Geschäftsführer der deutschen Zweigniederlassung von Forex Capital Markets (FXCM).

Aufwendig, aber günstig
Um aktiv werden zu können, müssen Interessenten allerdings zunächst ein Konto bei einem der diversen FX-Broker eröffnen. Dabei gestaltet sich die Auswahl keineswegs leicht. Als wichtigsten Punkt bezeichnet Gellert die Frage nach der Orderausführung: „Agiert der Anbieter als Market Maker, der praktisch seinen eigenen Markt macht, oder als No Dealing Desk, bei dem die Aufträge tatsächlich in den Forex-Markt gegeben werden und nicht die Gefahr besteht, dass der Dienstleister gegen den Kunden spekuliert?“

Wichtig sei auch die Regulierung des Brokers. „Wenn dieser in der Karibik sitzt, muss sich der Anleger im Zweifelsfall vor Ort einen Anwalt nehmen und in der Landessprache seine Ansprüche durchsetzen“, so Gellert. „Da bietet die Regulierung in Deutschland durch die Bafin oder auch in England durch die FSA doch ein erheblich höheres Maß an Sicherheit.“

Gebündelte Informationen über die verschiedenen Broker sowie Meinungen und Kommentare von Kunden, insbesondere auch über den Kundenservice, finden sich auf verschiedenen Vergleichsportalen im Internet.
Sinnvoll sei auch die Einrichtung von Demokonten bei einem oder mehreren Brokern, wie Müller ergänzt. „Zwar ist die Situation beim ,Trockentraining‘ immer noch anders als beim realen Handel, zum einen lassen sich aber wichtige Lerneffekte erzielen sowie Erfahrungen sammeln, und zum anderen kann überprüft werden, ob die Handelsplattform auch im Umfeld der Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten hinreichend stabil ist, und es bei der Ausführung von Aufträgen nicht zu Verzögerungen kommt.“

Insgesamt ist der zu betreibende Anfangsaufwand somit nicht unerheblich und sicherlich auch ein Nachteil gegenüber dem Währungshandel mittels entsprechender Hebelzertifikate, die direkt über den Discountbroker ge- und verkauft werden können. Dafür fallen die Kosten deutlich geringer aus. In aller Regel wird keine Kommission fällig, und auch die Handelssoftware sowie die benötigten Informationen, wie etwa Realtimekurse, Wirtschaftsnachrichten und Researchberichte, werden den Kunden kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Broker lebt allein vom Spread, der meist im Bereich von zwei Pips, zum Teil auch leicht darunter liegt. Dabei beschreibt ein Pip die vierte Nachkommastelle (beim Yen die zweite). Beim Handel eines Lots, der Standardkontraktgröße im Forex-Handel (etwa 100.000 US-Dollar), fallen bei Kauf und Verkauf somit indirekt jeweils zehn US-Dollar an. Viele Broker bieten übrigens auch Mini- und sogar Micro-Lots mit einem Volumen von beispielsweise 10.000 oder 1.000 US-Dollar an. Bei einem Hebel von 100 wäre die Spekulation theoretisch somit schon ab einem Kapitaleinsatz von zehn US-Dollar oder umgerechnet aktuell 7,60 Euro möglich.

Glossar

CFD
Der Hebelvertrag
Kurzform für Contract for Difference (Differenzkontrakt). CFDs sind Finanzprodukte, mit denen bei Hinterlegung einer Sicherheitsleistung (Margin) Basiswerte wie Aktien, Rohstoffe und Devisen gehandelt werden können – meist mit Hebel. CFDs ähneln Devisenhandel, sind aber eine eigene Produktklasse.

Forex/FX
Der Fachbegriff
Abkürzung für „Foreign Exchange Market“, zu deutsch Fremdwährungs- oder Devisenmarkt. Der Kauf einer Währung ist immer mit dem Verkauf der anderen Währung eines Devisenpaars verbunden.

Lot
Der Standardkontrakt
Ein Lot ist die Standardkontraktgröße im Devisenhandel. Sie entspricht 100.000 Einheiten einer Währung. Viele FX-Broker bieten auch Mini-Lots (10.000 Einheiten) und Micro-Lots (1.000 Einheiten) an.

Margin
Die Sicherheitsleistung
Die Margin, zu deutsch Marge, gibt den Betrag an, den ein Anleger für eine offene Position mindestens auf seinem Konto halten muss. Bei einer EUR/USD-Position im Wert von 100.000 Euro sind dies bei einem Hebel von 100 genau 1.000 Euro, die quasi eingefroren bleiben, bis die Position geschlossen wird.

Pip
Die Preiseinheit
Abkürzung für „Percentage in Point“. Ein Pip definiert die kleinste Preiseinheit im Devisenhandel. Meist handelt es sich dabei um die vierte Nachkommastelle. Ausnahme: Bei Währungspaaren, in den der Japanische Yen enthalten ist, handelt es sich um die zweite Stelle nach dem Komma.

Investor-Info

Strategie
Mit System und Technik

Privatanleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie beim Kauf und Verkauf von Währungen fast ausschließlich erfahrenen Profis gegenüberstehen. „Mit Zufallsentscheidungen ist, von kurzfristigen Ausnahmen einmal abgesehen, aus diesem Grund kein Geld zu verdienen“, sagt Alpari-Manager Heiko Müller. „Erfolgreiche Devisenhändler folgen stets ­einem System, bei dem Ein- und Ausstiegssignale während des Trades nicht hinterfragt werden.“ FX-Broker bieten ihren Kunden deshalb in aller Regel die Möglichkeit, auf vordefinierte gebräuchliche Tradingstrategien zurückzugreifen. Sinnvoll ist zudem der Einsatz technischer Indikatoren. Dabei handelt es sich vom Prinzip her um dieselben, die auch beim Aktienhandel eingesetzt werden. Gleitende Durchschnitte oder Widerstands- und Unterstützungs­zonen spielen also auch hier eine wichtige Rolle.

Social Trading
Völker, abonniert die Signale

Eine relativ junge Möglichkeit, an Ein- und Ausstiegssignale zu kommen, ist das sogenannte Social Trading. Dabei hängen sich Anleger, beispielsweise über die Plattform Ayondo, einfach an die Entscheidungen zertifizierter Händler, die in der Vergangenheit besonders erfolgreich am Markt agiert haben, dran. Zur automatischen Nachbildung der jeweiligen Tradingstrategie wird ein Brokerkonto bei einem der Partnerbroker von Ayondo (ActivTrades, Alpari und AvaFX) benötigt. Dieses wird dann mit Ayondo verbunden. Anschließend können bis zu fünf Trader für die automatische Ausführung aktiviert werden. Auch bei eToro lassen sich die Strategien anderer Trader kopieren, wobei hier keine Trennung zwischen der Signalplattform und dem Broker besteht.

Schweizer Franken
Überteuerte Fluchtwährung

Als das Vertrauen in den Euro im Sommer 2011 wegen der Schuldenkrise schwand, flüchteten Investoren in den Schweizer Franken. Die eidgenössische Wirtschaft drohte unter dem erstarkten Kurs zu ersticken. Plötzlich waren die Produkte auf dem Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig. Das zwang die Schweizer Nationalbank zum Handeln. Täglich stellt sie seitdem Ankaufkurse für zehn Milliarden Euro zum Kurs von 1,20 Franken. Diese festgelegte Barriere hat – abgesehen von einem kleinen Ausrutscher vor Ostern – bis heute gehalten. Allerdings ist der Franken gemessen an der Kaufpreisparität klar überbewertet. Sollte sich die Lage in der Eurozone entspannen, besteht Abwertungspotenzial. Möglicherweise schon in Kürze, wenn mit der Ratifizierung des Steuerabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz mit einem Mal Milliardenbeträge ­legalisiert werden, die zurück in den Euroraum wandern könnten. Risikobereite Anleger können also auf einen schwächeren Franken spekulieren.

Bildquellen: Keystone
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