"Das Sommerloch ist vorbei, der Risikoappetit wieder da",
kommentiert Andreas Bartels von der Commerzbank und meldet ein sehr gutes
Handelsaufkommen. "Vor und nach der EZB-Sitzung am vergangenen
Donnerstag haben sich viele Investoren positioniert." Mark
Schönbrodt von der DekaBank berichtet von einem sehr lebhaften
Geschäft mit klarem Käuferüberhang. "Wir hatten in der
vergangenen Woche zwei Drittel Käufe zu einem Drittel
Verkäufe."
Kurs auf 7.000 Punkte macht Mut
Roelofs
Nach den Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi vor knapp zwei
Wochen, alles zur Euro-Rettung Erforderliche tun zu wollen, hatten die
Märkte das Stillhalten der EZB und der US-amerikanischen Federal
Reserve Bank in der vergangenen Woche zuerst verschnupft aufgenommen. Am
Freitag setzte sich, unter anderem aufgrund besserer US-Arbeitsmarktdaten,
aber wieder die Zuversicht durch. "Auch die Hoffnung auf
Unterstützung der Zentralbanken ist zurück", erklärt
Bernardus Roelofs von Flow Traders. Am heutigen Dienstag nähert sich
der Dax sogar der wichtigen 7.000 Punkte-Marke.
US-Aktien überzeugen
Bartels
Aktien-ETFs sind wieder in, das ist keine Frage. Ob man dabei lieber auf
Nummer sicher gehen und das krisengeschüttelte Europa meiden oder
gerade hier wieder einsteigen sollte - darüber gehen die
Meinungen aber auseinander: Die Commerzbank meint, einen Trend heraus aus
Europa- und hinein in US-Tracker ausmachen zu können. Andere
Händler sehen auch reges Interesse an US-Aktien, es gebe aber ebenso
zahlreiche Anhänger von Old Europe.
"Besonders MSCI USA und S&P 500-Indexfonds waren gefragt",
meint Bartels (WKN 794358, 264388), abgestoßen worden sei etwa der
MSCI EMU (WKN 633611), der die Entwicklung der Aktienmärkte von
Währungsunionsländern nachzeichnet. "Bei DAX-ETFs (WKN
ETF001, 593393) war das Verhältnis noch ausgeglichen." Sehr rege
umgesetzt worden seien auch Short-DAX-Produkte (WKN ETF004, DBX1DS), wobei
auch hier beide Richtungen gespielt worden seien.
Glaube an Europa
Die Deutsche Bank hat Zuflüsse in MSCI World-, S&P 500- und
Emerging Markets-ETFs (WKN DBX1MW, DBX0F2, DBX1EM) sowie Abflüsse aus
DAX- (WKN DBX1DA) und MSCI Europe-Indexfonds (WKN DBX1ME) registriert.
Allerdings hätten Anleger auch bei Euro Stoxx 50-Trackern (WKN DBX1EU)
zugegriffen, die im Gegensatz zu MSCI Europe-Indexfonds nur die Entwicklung
von Aktien aus Euro-Ländern abbilden.
Dass Europa trotz Krise nicht bei allen Anlegern verbrannte Erde ist,
bestätigen auch die Zahlen von Flow Traders: Roelofs meldet Käufe
im iShares Stoxx Europe 600 (WKN 263530), daneben aber auch im US-ETF
iShares S&P 500 Monthly Euro Hedged (WKN A1H53N). Laut DekaBank finden
vor allem DAX- und Euro Stoxx 50-ETFs viele Fans (WKN ETFL02, ETFL01).
Banken im Fokus
Im Bereich der Branchen-ETFs stehen weiterhin besonders Banken-Indexfonds im
Mittelpunkt des Interesses. "Ansonsten ist hier wenig los",
findet Bartels. Flow Traders beobachtet in Banken-Trackern vor allem
Abflüsse (WKN 628930), die DekaBank sieht hingegen überwiegend
Zuflüsse. Kuppler zufolge legen sich Anleger Versorger- (WKN DBX1SU)
und Industriegüter-ETFs (WKN DBX1F0, LYX0AT) ins Portfolio,
während sie sich von Indexfonds mit Telekommunikations- (WKN DBX1ST)
und Chemiewerten (WKN A0H08E) verabschiedeten.
Weg mit deutschen Staatsanleihen
Aufgrund der Optimismuswelle sind Produkte mit deutschen Staatsanleihen in
der Gunst der Anleger nach unten gerutscht, die DekaBank meldet jedenfalls
Abflüsse über alle Laufzeiten hinweg (WKN ETFL20, ETFL18, 628946,
628947). Auch der Deutschen Bank zufolge werden Produkte mit deutschen
Kurzläufern (WKN DBX0C9) verkauft, gesucht seien hingegen weiter
Unternehmensanleihen-Indexfonds. Das bestätigt auch Flow Traders:
Anleger positionierten sich in Corporate Bond-Produkten wie etwa dem iShares
Markit iBoxx Euro Corporate Bond (WKN 251124). ETFs mit Staatsanleihen der
Eurozone (WKN DBX0AC) seien aber ebenfalls gefragt, ebenso Indexfonds
mit US-Staatsanleihen (WKN A0LGQB).
Bund-Future: Setzen auf Rückgang
Stark beachtet wird unterdessen weiterhin die Entwicklung des
Euro-Bund-Future, der als richtungsweisend für Bundesanleihen gilt. Der
hat zuletzt nachgegeben und notiert aktuell mit weniger als 143 Prozent
deutlich unter den vor zweieinhalb Wochen erreichten 146,26 Punkten. Das
wird einerseits als Zeichen für Entspannung am Markt angesehen,
andererseits aber auch als Signal für nachlassenden Glauben an
Deutschland. "Hier standen Short-Produkte auf den Bund-Future auf den
Einkaufslisten, Anleger setzten also auf fallende Kurse und steigende
Zinsen", erklärt Bartels (WKN ETF562).
© 7. August 2012 / Anna-Maria Borse
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August 07, 2012 09:10 ET (13:10 GMT)- - 09 10 AM EDT 08-07-12 7. August 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt).
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