02.07.2013 15:11
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ETFs: Euphorie geht anders

Börse Frankfurt
Die Erholung der Aktienmärkte in der vergangenen Woche hat den ETF-Handel etwas belebt.
"Im Vergleich zur Vorwoche ist das Volumen um 75 Prozent gestiegen. Das lag allerdings nicht an der Anzahl der Trades - die nahmen nur leicht zu - sondern vielmehr an dem Volumen der einzelnen Orders", berichtet Martina Schröttle aus dem Londoner Handelsraum der Commerzbank und spricht von einem leichten Kaufüberhang im Aktienbereich. "Vor allem der Dax sowie breite Indizes wie der MSCI World oder der S&P 500 sind gesucht", ergänzt die Market Makerin.

Jörg Sengfelder von Flow Traders in Amsterdam meldet zwar weiterhin einen leichten Abgabeüberhang bei Aktien-ETFs, kann aber auch eine Fokussierung der Anleger auf breite Indizes beobachten. "Gerade MSCI World-Tracker (WKNs LYX0AG, A0RPWH, BDX1MW) waren in den zurückliegenden Handelstagen sehr gefragt, genauso wie Indexfonds, die den DAX (WKN 593393) oder den Stoxx Europe 600 (WKN 263530) abbilden", erklärt der Händler. Einen Ausstieg aus der Konsolidierungsphase der vergangenen Wochen markiert dies aus Sicht von Sengfelder aber noch nicht. "Die Portfolio-Manager scheinen dem Braten noch nicht zu trauen und warten auf ein eindeutiges Signal."

Gregor Hamme von der Unicredit bestätigt: "Investoren sind offenbar noch unsicher, ob es jetzt weiter hoch geht oder ob die Gewinne in der vergangenen Woche nur eine technische Gegenreaktion auf die vorangegangenen Verluste waren", meldet der Händler und berichtet von Umschichtungen von spezielleren Sektoren-ETFs in Tracker des breit aufgestellten Stoxx 600 (WKN DBX1A7). DAX-ETFs seien tendenziell auch eher gekauft worden, aber auf niedrigerem Niveau.

Die Deutsche Bank verzeichnet bei Euro Stoxx 50- und MSCI World-ETFs zwar auch vereinzelte Käufe. Insgesamt sei aber mehr zurückgekommen, berichtet Market Maker Sidi Kleefeld.

Kein Interesse an Emerging Markets

Sengfelder

Tracker von Schwellenländer-Aktien sind bei Anlegern wie schon in den zurückliegenden Wochen eher unbeliebt. "Gerade der breitere MSCI Emerging Markets (WKNs DBX1EM, A0HGZT) kommt weiterhin deutlich zurück, aber auch regionalere Indizes wie der MSCI Brazil (WKN A0HG2M9) oder der chinesische CSI 300 (WKN DBX0M2) werden abgestoßen", weiß Sengfelder. Eine Ausnahme bilde der türkische Aktienmarkt. "Hier kommen wieder einige Käufer zurück, wenn auch nicht übermäßig viele." Einen Kaufüberhang beobachtet Sengfelder etwa im iShares MSCI Turkey (WKN A0LEW5), der im Zuge der Unruhen und Proteste gegen die türkische Regierung zuletzt stark verkauft worden war.

Auch Kleefeld beobachtet weiterhin einen Abgabeüberhang bei Emerging Market-ETFs - allerdings sei das Volumen nicht mehr ganz so hoch wie in den zurückliegenden Wochen, ergänzt der Händler. "Außerdem werden vor allem die breiten Indizes wie der MSCI Emerging Markets verkauft, während bei smarteren Produkten wie dem iShares MSCI Emerging Markets Minimum Volatility UCITS ETF (WKN A1KB2B) oder dem iShares Emerging Markets Dividend UCITS ETF (WKN A1JXDN) durchaus auch einige Käufer im Markt sind."

Bundesanleihen hui, Hochzinsanleihen pfui

Eine klare Tendenz zeigt sich im Bond-Segment: Mündelsichere Anlagen sind gesucht, Hochzinspapiere und Corporate-Bonds stehen hingegen auf den Verkaufslisten. "Wir sehen einen klaren Kaufüberhang deutscher Staatsanleihen (WKN 628946) und US-Treasuries (WKNs A0LGP8, A1JE9L), während High-Yield Corporate Bonds (WKN A1C8QT) und Schwellenländeranleihen (WKNs A1JJTV, A0RFFT) in großem Stil zurückkommen", meldet Sengfelder.

Auch die Commerzbank spricht von regem Anlegerinteresse aneuropäischen Staatsanleihen (WKNs A0LGQD, A0J21A), genauso wie die Deutsche Bank. Kleefeld meldet etwa reges Interesse am db x-trackers II Eonia UCITS ETF (WKN DBX0AN) oder dem iShares eb.rexx Government Germany 1,5-2,5 (DE) (WKN 628947).

Laut Ciriaco Carrozino von der Unicredit war in der vergangenen Woche gar ein regelrechter Ausverkauf im Segment der Hochzins-Anleihen und Corporate Bonds zu beobachten. "Das restliche Geschäft im Rentensegment war dagegen eher ruhig", ergänzt der Market Maker.

Handel mit Branchen-ETFs uneinheitlich

Schröttle beobachte starke Abgaben in den zyklischen Branchen Automobilindustrie (WKN ETF061) und Technologie (WKN ETF076). Hamme verzeichnet zwar ebenfalls Rückflüsse im konjunktursensiblen Chemiesektor (WKN LYX0AY), weist aber darauf hin, dass kein eindeutiger Trends auszumachen sei. "Auch defensive Branchen wie Lebensmittel und Getränke (WKN LYX0AR) sowie Gesundheit (WKN LYX0AS) stehen auf den Verkaufslisten", meldet der Händler.

© 2. Juli 2013/Karoline Kopp

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FRANKFURT (Börse Frankfurt)

Bildquellen: Monkey Business Images / Shutterstock.com
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