29. November 2011. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Von überraschend aktiv und
handelsfreudig bis vergleichbar ruhig reichen die Beobachtungen der Market
Maker zum ETF-Handel der vergangenen Woche. "An diesem Montag wurde zwar
rege gekauft, bis Freitag vergangener Woche überwogen aber die Abgaben",
berichtet Marco Salaorno von der Société Générale. Selbst bei niedrigen
Kursen seien viele Anleger noch ausgestiegen.
Als bemerkenswert bezeichnet die Commerzbank das große Interesse an
Renten-ETFs. "Rund 42 Prozent des Handelsvolumen macht dieser Bereich aus",
berechnet Andreas Bartels, der das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen über
alle Anlageklassen hinweg mit 54 zu 46 Prozent beziffert. "Anleger waren
zuletzt überdurchschnittlich aktiv und haben tendenziell mehr gekauft",
meldet der Händler.
Von einem deutlichen Verkaufsüberhang im ETF-Handel auf einem eher
verhaltenen Niveau spricht Mark Schönbrodt von der DekaBank. "Die
Weihnachtszeit naht und rückt das Thema Weihnachtsgeschenke in den
Vordergrund", begründet der Händler die Zurückhaltung der ETF-Investoren.
Weihnachtlicher Konsum stützt Aktienmärkte
"Die hohen Umsätze des US-Einzelhandels am vergangenen
Thanksgiving-Wochenende hätten den Richtungswechsel an den Aktienbörsen mit
ausgelöst. "Dazu beigetragen haben zudem ein überraschend fester deutscher
ifo-Geschäftsklimaindex", ist Florian Perini von Flow Traders überzeugt.
Untermauert worden sei dies durch vorweihnachtliche Kauffreude am ersten
Adventswochenende in Deutschland. "Der Konsum scheint nun endlich die
ersehnte Stütze zu sein", glaubt der Händler. Negative Schlagzeilen
bezüglich der Eurokrise rückten deshalb etwas in den Hintergrund. "Nachdem
die ETF-Umsätze in der vergangenen Woche uneinheitlich waren, sind nun
mehrheitlich Käufer unterwegs."
Bluechip-Tracker im Fokus
Auch deshalb wäre der Handel mit Bluechip-Trackern unterm Strich eher
ausgewogen. Eine Vorliebe erkennt Bartels für deutsche Basiswerte wie Dax
(ETF001), ShortDAX oder LevDAX. "Die zweite und dritte Reihe werden meist
links liegen gelassen", berichtet der Händler. Flow Traders spricht von
gleichermaßen Käufen und Verkäufen etwa bei DAX-ETFs (WKNs 593393, DBX1DA,
LYX0AC) sowie bei Indexfonds auf den Stoxx 600 (WKN 263530), den MSCI North
America (WKN A0J206), den MSCI World (WKN A0HGZR) und den Eurostoxx 50 (WKN
935927), 593395). Beide Seiten gespielt würden zudem bei Trackern des
japanischen Nikkei (WKN A0H08D), des Dow Jones (WKN 541779) und des S&P
500 (WKN 264388).
Short- und Hebelprodukte vorn mit dabei
Durch die nach wie vor hohe Volatilität an den Aktienmärkten agierten
ETF-Investoren vermehrt taktisch mit teilweise verringertem Anlagehorizont.
ETFs mit inverser Wertentwicklung oder mit Hebel gehörten laut Bartels zu
den größten Umsatzträgern im ETF-Handel. "Durch die deutlichen Verluste an
den Börsen in der vergangenen Woche überwogen hier die Käufe", erklärt der
Händler. Anleger interessierten sich zum Beispiel für den db x-trackers
ShortDAX (WKN DBX1DS) und den ComStage ETF EURO STOXX 50 Daily Short (WKN
ETF052). Gesucht sei zudem der Lyxor ETF EURO STOXX 50 Daily Double Short
(WKN A0MNT7), mit dem Investoren mit doppeltem Hebel auf fallende Kurse
setzen.
Wenig los bei Sektor-ETFs
Vergleichsweise ruhig geht es laut Salaorno bei Sektor-ETFs zu. Auf
niedrigem Niveau überwögen die Abgaben etwa bei Roh- und Grundstoffen (WKN
LYX0AX); den Energieträgern Gas und Öl (WKN A0H08M) und im
Lebensmittelsektor (WKN A0H08H). Mehr Rückflüsse als Zuflüsse gebe es zudem
für iShares STOXX Europe 600 Personal & Household Goods (WKN A0H08N).
Reges Interesse an Festverzinslichem
Die Handelsaktivitäten rund um Renten-ETFs hätten zuletzt deutlich
zugenommen, wie Bartels berichtet. Käufe und Verkäufe hielten sich dabei in
etwa die Waage. "Ein kleiner Trend ist die Vorliebe für kurzlaufende
Staatsanleihen zulasten der mittleren und längeren Laufzeiten", erkennt der
Händler. Gekauft worden sei beispielsweise ein Tracker deutscher Bonds mit
Restlaufzeiten zwischen 1,5 und 2,5 Jahren (WKN 628947). Bundesanleihen-ETFs
mit Fälligkeiten zwischen 2,5-5,5 und 5,5-10,5 Jahren (WKNs 628948, 628949)
seien dagegen tendenziell abgestoßen worden. Abgaben registriert Schönbrodt
zudem für Tracker europäischer Rentenwerte (WKN ETFL14). Von einem
Kaufüberhang spricht Salaorno auch beim iShares eb.rexx Government Germany
(WKN 628946) und beim db x-trackers II iBoxx EUR Germany 1-3 TR (WKN
DBX0L9).
Liquide Unternehmensanleihen gefragt
Bei Unternehmensanleihen punkten Schönbrodt zufolge vor allem ETFs, die
keine Finanzwerte enthalten. Ins Depot legten Anleger sich beispielsweise
den ETFlab iBoxx EUR Liquid Non-Financials Diversified (WKN ETFL38). Der
zugrunde liegende Index bildet den Markt für in Euro denominierte Corporate
Bonds ab und enthält bis zu 40 liquide Anleihen von Unternehmen, die nicht
aus der Finanzbranche sind.
Geldmarkt-ETFs ausgewogen
Bei Geldmarktfonds haben Anleger den Händlern zufolge keine einheitliche
Meinung. Abgaben beobachtet Schönbrodt etwa für den db x-trackers US Dollar
Money Market (WKN DBX0AM). Von Verkäufen spricht Perini zudem beim db
x-trackers II Eonia (WKN DBX0AN) und beim ComStage ETF Commerzbank EONIA
(WKN ETF100), während Bartels für letzeren Kaufinteresse verbucht. Der
Tracker knüpft an die Wertentwicklung des Commerzbank EONIA Index an.
© 29. November 2011 / Iris Merker
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November 29, 2011 09:30 ET (14:30 GMT)- - 09 30 AM EST 11-29-11