"Bis Mitte der Woche waren
die Anleger noch in einer Art 'Obama-Schockstarre'. Als der Markt nach den
Wahlergebnissen dann nach unten drehte, kam auch das ETF-Geschäft
wieder in Gang", kommentiert Jörg Sengfelder von der DekaBank.
Das bestätigt auch Gregor Hamme von der Unicredit: "Nach der Wahl
sind die Umsätze deutlich angezogen." Martina Schröttle,
Händlerin bei der Commerzbank spricht von einer Steigerung der
Trades um gut 20 Prozent. "Vor allem im Aktiensegment war sehr viel
los, dieser Bereich machte in der vergangenen Woche gut 80 Prozent des
gesamten Handels aus - normalerweise ist der Anteil mit rund drei
Vierteln deutlich geringer."
Uneinheitliche Tendenz
Perini
Eine einheitliche Tendenz lässt sich dabei allerdings nicht ausmachen:
Während die DekaBank im Bluechip-Bereich ein weitestgehend
ausgeglichenes Verhältnis von Käufen zu Verkäufen beobachtet,
berichtet die Commerzbank mit 54 Prozent von einem deutlichen
Kaufüberhang. Laut Flow Traders hingegen wurden DAX- und Euro
Stoxx-Tracker in der abgelaufenen Handelswoche überwiegend abgegeben.
So beobachtet Florian Perini eine anhaltende Verunsicherung der Anleger:
"Gleich nach der Wiederwahl Obamas ist der seit Monaten schwelende
Haushaltsstreit zwischen der Partei des Präsidenten und den
Republikanern wieder in den Vordergrund gerückt", erklärt
der Händler von Flow Traders mit Blick auf die automatischen
Ausgabenkürzungen, die den USA zum Jahreswechsel drohen, sollten sich
die Parteien nicht auf eine Lösung einigen. Die geplanten
Kürzungen und Steuererhöhungen könnten zu diesem Zeitpunkt
das Wirtschaftswachstum wieder abwürgen und eventuell die USA
zurück in die Rezession schicken. Die Stimmung der Investoren sei
dementsprechend verhalten: "In den vergangenen fünf Handelstagen
waren zwar vereinzelt Käufer unterwegs, jedoch standen die meisten der
aktiven Teilnehmer auf der Verkäuferseite", berichtet Perini und
spricht von einem Verkaufsüberhang bei Trackern der europäischen
sowie der US-Aktienindizes (WKNs u. a. 593393, 593395, 628939, 264388).
Schröttle verzeichnet im Aktienbereich indes lediglich bei den
US-Indizes Abgaben, etwa im iShares S&P 500 (WKN 264388). Vor allem aber
die breiteren europäischen Indizes wie der Euro Stoxx 50, der MSCI
Europe oder auch der Stoxx 600 würden stark nachgefragt (WKNs 778188,
A0X978, 263530), berichtet die Händlerin.
Deutsche Staatsanleihen auf der Abschussliste
Ein gemischtes Bild bietet sich auch bei den Festverzinslichen: Während
der vermeintlich sichere deutsche Rentenhafen laut DekaBank und Commerzbank
gemieden wird, engagieren sich die Anleger in hochverzinslichen Bonds,
inflationsindexierten Papieren und Coroporate Bonds. "Deutsche
Staatsanleihen mit den unterschiedlichsten Laufzeitbändern werden
verkauft (WKNs RX2TEX, ETFL17), während exotischere Produkte, wie etwa
der iShares Markit iBoxx Euro High Yield Bond (WKN A1C8QT) oder der iShares
Barclays Capital Global Inflation-Linked Bond (WKN A0RFED) gesucht
sind", meint Sengfelder.
Schröttle berichtet zudem von Abgaben im Geldmarktsegment. Hier
trennten sich die Anleger etwa vom ComStage ETF Commerzbank Eonia Index TR
(WKN ETF100).
Flow Traders beobachtet im Gegensatz dazu fast ausschließlich
Käufe im Rentensegment - sowohl bei deutschen Staatsanleihen, als
bei Emerging Market-Bonds (WKNs u. a. 628946, 628949, A0RFFT, A1JJTV).
Von den Corporate Bond-ETFs sind laut Schröttle vor allem der iShares
Barclays Capital EURO Corporate Bond ETF (WKN A0RM45) und der iShares
Barclays Capital EURO Corporate Bond ex-Financials 1-5 (WKN A0YEEY) gesucht.
Teilweise Umschichtungen in defensive Sektoren
Hamme
Mit Blick auf die Sektoren spricht Hamme von Umschichtungen raus aus
zyklischen und rein in defensivere Branchen. "Deutliche Zuflüsse
haben wir in den Sektoren Gesundheit und Lebensmittel gesehen (WKNs 550884,
LYX0AR), während der Bankensektor (WKN LYX0AP) verkauft wurde",
berichtet der Market Maker. Schröttle beobachtet indes einen leichten
Kaufüberhang im zyklischen Rohstoffsektor (WKN ETF063): "Basic
Resources ist schon seit einigen Wochen der mit Abstand stärkste Sektor
bei uns, in der vergangenen Woche machte die Branche allein 44 Prozent der
gesamten Sektorenumsätze aus." Hohe Umsätze verzeichnet
Schröttle auch im Sektor Industriegüter und -dienstleistungen (WKN
ETF069). Hier überwiegen allerdings die Abgaben.
© 13. November 2012 / Karoline Kopp
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(END) Dow Jones Newswires November 13, 2012 09:10 ET (14:10 GMT)- - 09 10 AM EST 11-13-12
13. November 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt).
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