18. Dezember 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Ein DAX-Plus von rund
10 Prozent in nur vier Wochen sowie ein neues Fünfjahreshoch -
das lockt auch bislang skeptische Anleger aus der Reserve. "Von
vorweihnachtlicher Ruhe kann nicht die Rede sein", bemerkt Frank Mohr
von der Commerzbank. Sowohl private als auch institutionelle Investoren
seien noch sehr aktiv. Das Interesse gelte dabei fast ausschließlich
Aktien-ETFs. "Diese machten rund 80 Prozent unserer Umsätze
aus."
Auch Florian Perini von Flow Traders berichtet von einem regen Handel. Laut
Mark Schönbrodt von der DekaBank ist das Handelsaufkommen im Vergleich
zur Vorwoche zwar etwas zurückgegangen, beklagen über mangelndes
Geschäft kann er sich aber auch nicht.
US-Märkte im Hintertreffen
Mohr
Kaufen, aber bitte nicht alles - so lautet derzeit das Credo.
"Die Zuflüsse überwiegen im Aktienbereich zwar
deutlich", erklärt Mohr. Allerdings seien ETFs auf US-Aktien eher
abgegeben worden, etwa S&P 500-Tracker (WKN ETF012) und auch
Dividendenstrategiefonds (WKN A1JKS0). Das ist kaum verwunderlich:
US-Indizes wie der Dow Jones Industrial oder der S&P 500 sind zwar in
den vergangenen Wochen ebenfalls stark angestiegen, konnten die Verluste vom
Herbst aber noch nicht ganz ausbügeln. Grund ist der immer noch
ungelöste US-Haushaltskonflikt.
Alte Welt gesucht
Perini
ETFs auf europäische Dividendentitel standen Mohr zufolge im Gegenzug
fast ausschließlich auf den Einkaufslisten (WKN ETF050). Zugegriffen
worden sei auch in ETFs mit Hebel, etwa Leveraged DAX-Produkten,
während Short DAX-ETFs (WKN ETF004) verkauft worden seien. Auch Perini
sieht US-Aktien (WKN 264388, 628939) eher auf den Abgabelisten, in Euro
Stoxx 50- (WKN 593395, 935927) und MSCI World-ETFs (WKN A0HGZR, DBX1MW) sei
aber in beide Richtungen gehandelt worden. "Gekauft wurden DAX-ETFs
(WKN 593393), der sich auf italienische Aktien beziehende FTSE MIB- (WKN
DBX1MB) und währungsgesicherte MSCI Japan-Indexfonds (WKN
A1H53P)."
Schönbrodt sieht DAX-ETFs (WKN ETFL01) in der Gunst der Anleger weit
oben, anders als die übrigen Händler hat er bei seinen Kunden aber
durchaus auch Interesse an S&P 500-Indexfonds ausgemacht.
Gemischtes Bild bei Emerging Markets-ETFs
Schönbrodt
Nicht ganz eindeutig ist der Trend in Schwellenländeraktien.
"Nachdem in der Vorwoche eher Käufer unterwegs waren, zeigten
sich in den vergangenen fünf Handelstagen eher Verkäufer (WKN
DBX1EM, A0HGZT)", bemerkt Perini. Auch Schönbrodt berichtet von
Abflüssen. Der Commerzbank zufolge waren Emerging Markets-Werte
hingegen weiter gesucht - aber nur breit aufgestellt Portfolios (WKN
ETF127).
Banken-Indexfonds mit Kurssprung
Im Bereich der Sektoren-ETFs ziehen nach wie vor insbesondere
Banken-Indexfonds (WKN 628930, ETF062) viel Aufmerksamkeit auf sich.
"Hier hatten wir die meisten Umsätze, allerdings dominierten
Abgaben", berichtet Mohr. Eingestiegen seien Anleger zum Beispiel in
ETFs auf die Technologiebranche (WKN ETF076). Im Fall der Banken-ETFs
könnte es sich um erste Gewinnmitnahmen handeln: Die Kurse haben sich
seit Sommer nämlich stark erholt, etwa verzeichnet der Comstage Stoxx
Europe 600 Banks auf Sicht von sechs Monaten ein Plus von knapp 28 Prozent.
Die DekaBank hat ebenfalls Abflüsse aus Banken-Indexfonds (WKN A0F5UJ)
beobachtet, auch von Versorger-Indexfonds (WKN DBX1SU) hätten sich
Anleger getrennt. Gut angekommen seien hingegen ETFs, die an die Entwicklung
der Telekommunikationsbranche (WKN DBX1ST) gekoppelt sind.
Sicherheit: kein Bedarf mehr
Keine so hohe Beachtung finden unterdessen Renten-ETFs. "Hier gibt es
deutlich weniger Aktivität", erklärt Mohr. Allerdings ist
eines klar: Die lange extrem beliebten deutschen Staatsanleihen werden aus
den Portfolios geworfen. Das berichten die Händler unisono. "ETFs
auf deutsche Staatsanleihen (WKN 628946, 628947, 628948) wurden eher
verkauft", meldet etwa Perini. Auch Schönbrodt und Mohr
bestätigen das (WKN ETFL20, 628949, ETFL21).
Wenn überhaupt Renten-ETFs gekauft werden, dann sind es meist die etwas
riskanteren Produkte. "Zuflüsse gibt es in ETFs auf
Unternehmensanleihen wie im iShares Markit iBoxx Euro Corporate Bond (WKN
251124)", erklärt Schönbrodt. Der ETF kannte in diesem Jahr
übrigens nur eine Richtung: nach oben. Mit einem Kursplus von 10,55
Prozent ist das Jahr 2012 damit weit überdurchschnittlich. Auf Sicht
von sechs Jahren wurden mit dem ETF Renditen von 6,55 Prozent im Jahr
erzielt.
© 18. Dezember 2012 / Anna-Maria Borse
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December 18, 2012 11:01 ET (16:01 GMT)- - 11 01 AM EST 12-18-12