22.05.2012 16:00
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Börse Frankfurt/ETFs: Lieber die Neue Welt

22. Mai 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wieder einmal bestimmt Griechenland die Schlagzeilen - und auch den ETF-Handel. "Wir hatten mit 63 zu 37 Prozent eine deutliche Dominanz der Verkäufe", erklärt Bernardus Roelofs von Flow Traders. "Die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone und die damit verbundenen Ansteckungsängste sowie die Herabstufung von 16 spanischen Banken durch Moody`s belasten die Märkte."

"Die Stimmung ist nicht gerade euphorisch", meint auch Frank Mohr von der Commerzbank. Von einem "Sell in May" könne man aber auch nicht sprechen. Laut Alexander Kuppler von der Deutschen Bank hat sich der Trend der Vorwochen fortgesetzt: "Aktien-ETFs werden abgegeben, statt dessen Geldmarkt- und Bundesanleihen-Indexfonds gekauft." Auch im Bereich der Sektoren-ETFs zeige sich: Defensiv aufstellen sei wieder das Credo.

US-Indizes kommen gut an

Roelofs

Unter dem Strich fließen Gelder aus Aktien-ETFs ab, wie Händler einhellig berichten. Einige sehen vor allem DAX-Tracker (WKN DBX1DA, ETF001) auf den Verkaufslisten, andere besonders Euro Stoxx 50-ETFs (WKN DBX1EU, ETF050). Ein Trend ist aber klar abzulesen: Wenn überhaupt investiert wird, dann meist in US-Werte. "Die Alte Welt und Asien werden verkauft, die Neue Welt gekauft", fasst Kuppler zusammen. Wie schon in den Vorwochen griffen Investoren bei S&P 500- und MSCI USA-Produkten (WKN DBX1MU, DBX0F2) zu, wenn auch zaghaft. Bernardus Roelofs von Flow Traders sowie Mark Schönbrodt von der DekaBank bestätigen das.

Flucht auf die Insel?

Schoenbrodt

Auffällig umsatzstark präsentieren sich Mohr zufolge die den britischen Leitindex abbildenden FTSE 100-Indexfonds (WKN ETF081, 628940) - mit einer klaren Käuferdominanz. "Offenbar führen die Probleme in der Eurozone zu einer Flucht in andere Länder, etwa Großbritannien." Japanische Aktien (WKN A0DPMW) taugen als Alternative aber wohl nicht: Mohr berichtet von Abflüssen aus ETFs mit japanischen Dividendentiteln.

Auch Emerging Markets-Indexfonds (WKN A0HGZT, DBX1EM) sind derzeit eher unbeliebt. Bei einzelnen Ländern wie Taiwan oder Korea sehen Anleger aber offenbar durchaus Chancen, wie Schönbrodt registriert hat (WKN LYX0CT, DBX1K2). Indexfonds mit russischen Dividendentiteln träfen hingegen nicht mehr den Geschmack, wie der Händler ergänzt. Viel Freude haben Investoren an Russland-Anlagen zuletzt auch nicht gehabt: Der Lyxor Russia (WKN LYX0AF) hat seit dem Jahreshoch Mitte März über 20 Prozent an Wert verloren, beim db x-trackers MSCI Russia Capped (WKN DBX1RC) sieht es ähnlich trübe aus.

Banken-ETFs lassen weiter Federn

Mohr

Angesichts anhaltender Sorgen um die Verfassung der Banken - noch geschürt durch die Herabstufung der spanischen Institute am vergangenen Donnerstag - überrascht nicht, dass sich Anleger von Banken-ETFs (WKN ETF062) trennen, wie die Commerzbank beobachtet hat. Die kräftigen Gewinne der Banken-Indexfonds aus den ersten zwei Monaten diesen Jahres sind mittlerweile vollständig aufgezehrt. ETFs mit Aktien von Finanzdienstleistern (WKN ETF066), konkret Börsenbetreibern und Asset Managern, landen Mohr zufolge hingegen in den Portfolios. "Hier könnte eine Rolle gespielt haben, dass es sich meist um britische Asset Manager handelt", mutmaßt der Händler.

Abgesehen davon wird im Allgemeinen auf defensive Branchen gesetzt, etwa Grundstoffe (WKN DBX1SB, ETF063) und Gesundheitswerte (WKN DBX1SH), wie die Händler berichten. Die DekaBank sieht auch Interesse an Telekommunikations- und Versorgerwerten (WKN A0H08R, A0HQ4RO) - ebenfalls typische Antizykliker. Zykliker wie die Bau- oder die Automobilbranche (WKN A0H08F, A0RPR0) würden unterdessen abgestoßen. Ob der Immobiliensektor als sicherer Hafen taugt oder nicht, darüber gibt es offenbar unterschiedliche Ansichten: Während die Commerzbank von Abgaben aus Immobilien-ETFs berichtet, hat die Deutsche Bank Zuflüsse ausgemacht.

Deutsche Kurzläufer gesucht

Vergleichsweise wenig los ist im Bereich Renten-ETFs. Mohr zufolge werden deutsche Kurzläufer eher gekauft und Langläufer verkauft. "Vor allem bei kurz laufenden deutschen Staatsanleihen gab es Zuflüsse", meint auch Alexander Kuppler. In Geldmarkt-Indexfonds (WKN A0Q4RZ) sehen einige Händler einen Verkaufs-, einige einen Kaufüberhang.

Gemischt ist das Bild auch bei ETFs mit Unternehmensanleihen, die in diesem Jahr zwischenzeitlich sehr beliebt waren: Roelofs hat Handel in beide Richtungen im iShares Markit iBoxx Euro Corporate Bond (WKN 251124) registriert, während im Lyxor Euro Corporate Bond (WKN LYX0EE) noch die Zuflüsse überwögen. Indexfonds mit Schwellenländeranleihen, etwa der iShares JPMorgan US-Dollar Emerging Markets Bond (WKN A0RFFT), ziehen Roelofs zufolge aktuell nicht.

© 22. Mai 2012 / Anna-Maria Borse

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(END) Dow Jones Newswires

   May 22, 2012 09:30 ET (13:30 GMT)- - 09 30 AM EDT 05-22-12

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