10. Januar 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die feiertagsbedingte Ruhe an
den Märkten ist vorbei, der Handel nimmt wieder an Fahrt auf. ETF-Händler
berichten von einem sehr guten Start ins neue Jahr. "Die Umsätze sind mehr
als überdurchschnittlich", erklärt etwa Andreas Bartels von der Commerzbank.
Allerdings überwögen die Abgaben etwas.
Auch Alexander Kuppler von der Deutschen Bank meldet "solide Volumina" im
Geschäft mit Indexfonds, Florian Perini von Flow Traders spricht von
"deutlich anziehenden Umsätzen".
Im Handel mit aktiv gemanagten Fonds geht es hingegen eher ruhig zu: "Das
neue Jahr fängt so an, wie das alte aufgehört hat. Das Handelsaufkommen ist
überschaubar", fasst Matthias Präger von der Baader Bank die Lage zusammen.
Kauffreude bei nordamerikanischen Aktien
Bei den passiven Fonds, den ETFs, liegt der Fokus weiter auf
Aktienprodukten. Dabei stehen DAX- und Euro Stoxx-Indexfonds laut
Commerzbank eher auf den Abgabelisten (WKN 593393, ETF001), während bei
S&P 500-ETFs die Käufe dominieren würden (WKN ETF012). Auch die Deutsche
Bank hat ein reges Interesse an US-Indexfonds, konkret S&P-Trackern,
festgestellt. "Hier gibt es vor allem Zuflüsse", bemerkt Kuppler.
"Investoren kehren Europa den Rücken zu und investieren in Nordamerika",
meint auch Perini. Neben den USA stehe auch Kanada hoch im Kurs.
Durststrecke bei Schwellenländer scheint beendet
Bereits in der Vorwoche hatte es sich abgezeichnet: An den lange links
liegen gelassenen Emerging Market-ETFs (WKN DBX1EM, ETF127, A0HGZT) finden
Investoren allmählich wieder Gefallen. "Der Trend geht hin Schwellenländern",
meint etwa Bartels. Das bestätigt auch Florian Perini: "Es wird auf
Nordamerika und die Schwellenländer gesetzt.".
Mischfonds punkten
Bei aktiv verwalteten Fonds sind unverändert die großen Mischfonds
Schwerpunkt. Gut nachgefragt werden laut Ivo Orlemann von ICF Kursmakler
etwa der Flossbach von Storch SICAV Multiple Opportunities (WKN A0M430) und
der Carmignac Patrimoine (WKN A0DPW0). Auch der zuletzt sehr begehrte
Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen (WKN A0M8HD), der auf deutsche
Nebenwerte setzt, sei weiter angesagt.
Daneben ist im Geschäft mit Publikumsfonds keine eindeutige Richtung
auszumachen. Bei den deutschen, europäischen und internationalen Fonds gibt
es zum Teil Zu-, zum Teil aber auch Abflüsse, wie die Baader Bank
registriert hat. Matthias Präger meldet etwa Käufe beim DWS Select-Invest
(WKN 847656) und beim DWS Deutschland (WKN 849096) sowie Verkäufe beim Uni
Deutschland (WKN 975011), beim Fidelity Funds European Growth (WKN 973270)
und beim Allianz RCM Nebenwerte Deutschland (WKN 848176).
Dividendenstrategiefond überzeugt
Umsatzrenner ist der Baader Bank zufolge derzeit der DWS Top Dividende (WKN
984811), hier griffen Anleger beherzt zu. Das Management investiert weltweit
in Aktien, die eine bessere Ausschüttung versprechen als der
Marktdurchschnitt. In den vergangenen drei Jahren erzielte der Fonds damit
eine Rendite von jeweils knapp 15 Prozent. Auch der Carmignac Investissement
(WKN A0DT5W) komme gut an, ergänzt Präger, während sich Investoren von den
internationalen Aktienfonds Lingohr-Systematic-LBB-Invest (WKN 977479) und
M&G Global Basics (WKN 797735) eher verabschiedeten.
Meist Abflüsse bei Immobilienfonds
Daneben zeigen sich Immobilienfonds weiterhin umsatzstark. "Die Verkäufe
überwiegen hier etwas", konkretisiert Orlemann mit Blick auf den SEB
ImmoInvest (WKN 980230) und den CS Euroreal (WKN 980500). Der
Immobiliendachfonds DJE Real Estate (WKN A0B9GC), der Ende 2011 geschlossen
wurde und nun aufgelöst werden soll, werde hingegen in beide Richtungen
gehandelt.
Weiter Finger weg von Banken-ETFs
Für die großen Verlierer des vergangenen Jahres, die Banken-ETFs, heißt es
unterdessen: Neues Jahr, alte Probleme. Die schwierige Kapitalerhöhung der
italienischen Unicredit Group in der vergangenen Woche machte den Anlegern
offenbar nochmals deutlich, wie kritisch die Lage in der Branche ist. Die
Deutsche Bank meldet umfangreiche Abflüsse (WKN 628930, DBX1SF), Flow
Traders weiß aber auch von Eindeckungen. Der iShares Euro Stoxx Banks liegt
mittlerweile wieder nahe seinem historischen Tief.
Abgesehen davon dominieren bei Sektoren-ETFs die üblichen Umschichtungen:
Etwa hat die Commerzbank Zuflüsse bei Grundstoff- (WKN ETF063) sowie
Tourismus- und Freizeit-ETFs (WKN ETF078) registriert, während die Deutsche
Bank von Abgaben bei Indexfonds mit Dividendentiteln aus dem
Gesundheitswesen (WKN DBX1SH) und Zukäufen bei solchen mit Lebensmittel- und
Getränke-Aktien (WKN DBX1FB) berichtet.
Sicherheit nicht mehr oberstes Gebot
Bei Renten-ETFs werden laut Bartels weiter besonders Indexfonds mit
deutschen Staatsanleihen gehandelt (WKN ETF540, ETF541, ETF542). "Es sind
aber vor allem Abgaben", erklärt der Händler. Eindeutig unbeliebt seien zum
Jahresauftakt aber Geldmarkt-Indexfonds, die lange zum Parken von Liquidität
genutzt wurden. "Hier sehen wir fast nur Abgaben." Dagegen positionieren
sich Anleger Bartels zufolge beim iShares Barclays Capital Euro Corporate
Bond ex-Financials (WKN A0YEEX), einem ETF mit Unternehmensanleihen, der
Bankanleihen ausschließt.
© 10. Januar 2012 /Anna-Maria Borse
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January 10, 2012 10:00 ET (15:00 GMT)- - 10 00 AM EST 01-10-12