"Alles wartet auf morgen", kommentiert
Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank, daher seien die Umsätze "sehr sehr
dünn". Das sei auch in der vergangenen Woche nicht viel anders gewesen,
größere Positionen würden derzeit nicht eingegangen. Allerdings registriert
Kleefeld leicht anziehende Risikofreude in einer Tendenz hin zu volatileren
Aktien, weg von Renten. Außerdem würden die zuletzt beliebten Short-Produkte
verkauft, Anleger gingen eher wieder long.
"Die steigenden Aktienkurse werden nicht von entsprechenden Volumen im
ETF-Handel begleitet", meint Frank Mohr von der Commerzbank. Von der Tendenz
her überwögen aber die Käufe. Hohe Nervosität, niedriges Handelsaufkommen -
das ist auch der Tenor anderer Händler. "Es ist zwar wieder etwas Optimismus
aufgekeimt, großen Appetit bei Aktien-Indexfonds sehen wir aber nicht",
erklärt etwa Marco Salaorno von der Société Générale.
Einen Befreiungsschlag durch die Lösungsvorschläge zur Euro-Schuldenkrise
erwartet Mohr im Übrigen nicht. "Wir werden uns auf schwierige Zeiten
einstellen müssen. Die Maßnahmen werden in jedem Fall schmerzhaft sein." Bei
DAX-Ständen von 6.000 Punkten werde die Luft nach oben dünn. Kleefeld hält
das fundamentale Umfeld zwar derzeit für gar nicht so schlecht. "70 Prozent
der S&P-Unternehmen, die bisher ihre Quartalszahlen vorlegten,
überraschten positiv." Allerdings spiele dies angesichts der politischen
Unsicherheiten im Moment keine Rolle.
Gedämpfte Kauffreude bei Dax & Co
Wie üblich in hochvolatilen Zeiten konzentriert sich der Handel auf
Bluechips-Tracker, und hier überwiegen den meisten Händlern zufolge im
Moment die Zuflüsse. Laut Commerzbank werden vor allem DAX- (WKN 593393,
ETF001) und Euro Stoxx 50-Tracker (WKN 593395) gekauft, doch auch bei
weniger umsatzstarken Produkten wie MSCI World- (WKN A0HGZR) oder
Dividendenstrategie-Fonds (WKN 263527) griffen Anleger zu. Nicht mehr so
gefragt seien Short-ETFs, mit denen Investoren auf fallende Kurse setzen
können. Das bestätigt auch die Deutsche Bank, Kleefeld meldet Abgaben beim
db x-trackers ShortDAX (WKN DBX1DA). Die Unicredit Group berichtet darüber
hinaus von Zuflüssen bei marktbreiten Stoxx 600-ETFs, etwa dem iShares Stoxx
600 (WKN 263530). Der Stoxx Europe 600-Index umfasst die Aktien von 600
Unternehmen aus europäischen Ländern inner- und außerhalb der EU, so etwa
auch aus Großbritannien und der Schweiz.
Umsätze bei Branchen-ETFs auf Sparflamme
Spezialthemen interessieren unterdessen weniger. "Nicht mal bei den
Banken-ETFs sehen wir hohe Umsätze", fasst Gregor Hamme von der Unicredit
Group die Lage zusammen. Die Commerzbank berichtet von Käufen bei ETFs mit
Aktien aus der Telekommunikationsbranche (WKN ETF077). "Es gab hier zuletzt
eine positive Berichterstattung", erklärt Mohr. Daneben seien Indexfonds zum
Lebensmittel- und Getränkesektor (WKN ETF067) sowie der Technologie-Branche
(WKN ETF076) einigermaßen rege gehandelt worden. Bei den ersteren hätten die
Abflüsse überwogen, bei den letzteren hätten sich Käufe und Verkäufe die
Waage gehalten.
Die Deutsche Bank meldet durchaus Positionierungen bei Banken-ETFs,
allerdings nur wenige. Der db x-trackers Stoxx 600 Banks (WKN DBX1SF) hat in
den vergangenen Wochen etwas an Boden gut machen können und verzeichnet auf
Sicht von einem Monat ein Plus von fast 14 Prozent, auf Sicht von sechs
Monaten liegt er mit Einbußen von 21 Prozent aber immer noch tief in der
Verlustzone.
Erste Neuengagements in Emerging Markets-Fonds
Schwellenländer-ETFs, die zuletzt wenig Beachtung fanden, sind mittlerweile
auf den Radarschirmen einiger Anleger wieder aufgetaucht, meint zumindest
die DekaBank. "Emerging Markets sind wieder ein Thema, wenn auch ein
kleines", erklärt Aysun Cifsi. Marktbreite ETFs wie der db x-trackers MSCI
Emerging Markets (WKN DBX1EM) oder das Pendant von iShares (WKN A0HGZT)
würden gesucht. "Doch auch bei einzelnen Ländern ist der Zuspruch größer
geworden", erklärt die Händlerin mit Verweis auf ETFs mit mexikanischen,
indischen oder indonesischen Aktien. Auf den Umsatzlisten der Börse
Frankfurt tummeln sich Schwellenländer-Indexfonds aber nach wie vor ziemlich
weit unten, umsatzstärkstes Produkt in den vergangenen fünf Handelstagen war
der db x-trackers Emerging Markets auf dem vierundzwanzigsten Platz.
Gemischtes Bild bei Fixed Income
Entsprechend dem wachsenden Interesse an Risikoanlagen ist der Deutschen
Bank zufolge die Nachfrage nach vermeintlich sicheren Renten-Indexfonds
zuletzt zurückgegangen. "ETFs mit europäischen Anleihen werden abgestoßen",
meldet Kleefeld. Laut Commerzbank werden beide Seiten gespielt, Mohr
berichtet von tendenziell mehr Käufen bei den kurzfristigen Renten-ETFs mit
deutschen und europäischen Staatsanleihen und mehr Verkäufen bei längeren
Laufzeiten.
Laut Unicredit Group positionieren sich Anleger gerne in
Unternehmensanleihen wie dem iShares Barclays Capital Euro Corporate Bond
ex-Financials 1-5 (WKN A0YEEY) und dem Amundi ex AAA Government Bonds (WKN
A1C0B7), der die Entwicklung von nicht mit der Bestnote AAA versehenen
europäischen Staatsanleihen nachzeichnet. Von Risikofreude will ETF-Händler
Ciriaco Carrozino aber nicht sprechen, er bezeichnet die Investments als
lediglich "less safe", als weniger sicher.
© 25. Oktober 2011 / Anna-Maria Borse
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October 25, 2011 10:30 ET (14:30 GMT)- - 10 30 AM EDT 10-25-11
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Bildquellen: Julian Mezger