Doch der sich am gestrigen Montag fortsetzende
Renditeanstieg für spanische Staatsanleihen zeigt, dass die
Zitterpartie noch nicht zu Ende ist und die Sorgen um die Eurozone bleiben.
Dass Anleger jetzt in Scharen in den Markt zurückkehren, kann also
nicht behauptet werden. "Wir haben am gestrigen Montag kaum Reaktionen
gesehen", meldet Frank Mohr von der Commerzbank. Umgekehrt habe es vor
den Wahlen auch keine Panik oder Ausverkaufsstimmung gegeben. "Anleger
hatten sich schon vorab positioniert."
Die ETF-Experten berichten daher durchweg von ruhigen Handelstagen, nach
einer von regen Umsätzen geprägten Vorwoche. "Aktivität
war da, doch die Breite fehlte", erklärt Mohr. "Im
Vergleich zu den Vorwochen ist es ruhiger geworden", meint auch
Alexander Kuppler von der Deutschen Bank. "Vom Volumen her war es
etwas weniger, aber immer noch sehr gut", findet Bernardus Roelofs von
Flow Traders.
Lieber in die Ferne schweifen
Favoriten der Anleger waren aber keine Indexfonds mit europäischen
Dividendentiteln. "Bei uns gab es fast nur Zuflüsse, aber meist
in außereuropäische Indexfonds wie S&P 500-, MSCI World-,
Russell 2000-, MSCI Japan- oder MSCI Asia ex Japan-ETFs", berichtet
Kuppler mit Blick auf die vergangene Woche (WKN DBX0F2, DBX1MW, DBX1AB,
DBX1MJ, DBX1AE). Aktien des alten Kontinents sei eher gemieden worden.
"Es gab allenfalls vorsichtige Käufe im Stoxx Europe 600."
Am gestrigen Montag seien, bei überdurchschnittlichen Umsätzen,
eher Gewinne mitgenommen worden. "Das Kursplus wurde genutzt, um
auszusteigen."
Japan beliebt
Roelofs
Der Commerzbank zufolge gab es in DAX-Trackern (WKN ETF001) zwar noch einen
kleinen Käuferüberhang, der Trend sei aber in Richtung
Investitionen in andere Regionen gegangen. Ungewöhnlich weit oben auf
den Käuferlisten habe der MSCI Japan (WKN A0DPMW) gestanden.
"Generell ist die Region Asien/Pazifik gefragt." Von Euro Stoxx
50-Indexfonds (WKN ETF050) hätten sich Anleger getrennt und stattdessen
auf Stoxx Europe 600-ETFs (WKN ETF060) gesetzt. "Das hat wohl mit der
Bankenlastigkeit des Euro Stoxx 50 zu tun."
Roelofs zeichnet unterdessen ein durch und durch gemischtes Bild. "Wir
hatten 56 Prozent Verkäufe und 44 Prozent Käufe, ohne klare
Trends", meint der Händler. Er meldet etwas mehr Käufe in
Euro Stoxx 50- (WKN DBX1EU, 935927, 593395), Stoxx Europe 600- (WKN 263530),
MSCI Europe- (WKN A0JDGC) und MSCI World-Trackern (WKN LYX0AG) sowie etwas
mehr Abgaben bei S&P 500- (WKN 264388) und MSCI Asia ex Japan-ETFs (WKN
DBX1AE). Die in der Vorwoche noch sehr begehrten Produkte mit Hebel wurden
im Übrigen meist verkauft, wie Roelofs berichtet, etwa der Lyxor
Leveraged Euro Stoxx 50 (WKN LYX0BZ).
Nur Banken-ETFs im Fokus
Für Anlagen in spezifische Branchen interessieren sich Anleger derzeit
weniger. "In Sektor-ETFs ist nicht viel los", meint Mohr.
"Die Umsätze sind dünn", erklärt auch Kuppler.
Ihm zufolge fanden allenfalls Bankaktien (WKN DBX1SF) Zuspruch, zum Teil
auch Telekommunikationswerte (WKN DBX1ST). Roelofs hat allerdings Zu- und
Abflüsse aus Banken-ETFs registriert, etwa hätten im iShares Euro
Stoxx Banks (WKN 628930) die Verkäufe und im Lyxor Stoxx Europe 600
Banks (WKN LYX0AP) die Käufe dominiert. Die Bankaktien konnten sich im
Juni etwas erholen, der Lyxor Stoxx Europe Banks hat - im Gegensatz
zum iShares Euro Stoxx Banks - sein Niveau vom Jahresanfang sogar in
etwa wieder erreicht.
Buntes Bild bei Renten-Indexfonds
Mohr
Anders als in der Vorwoche spielten Fixed Income-ETFs jetzt keine
große Rolle mehr. "Wir hatten wieder den üblichen
Umsatzanteil von 18 Prozent für Renten-ETFs", erklärt Mohr.
Anleger fahren hier offenbar ganz unterschiedliche Strategien. Beliebt waren
Mohr zufolge vor allem lang laufende Bundesanleihen, etwa der ComStage iBoxx
Euro Sovereigns Germany Capped 10+ (WKN ETF523).
Kuppler meldet unterdessen Zuflüsse in Geldmarkt-Produkte. Laut Flow
Traders griffen Anleger im Staatsanleihen-ETF iShares Citigroup Global
Government Bond (WKN A0RM43) zu, während der ComStage Bund-Future (WKN
ETF560) und der ETFlab Deutsche Börse EuroGov Germany Money Market (WKN
ETFL22), ein Geldmarktfonds, abgestoßen worden seien.
Bund-Future im Rückwärtsgang
Der ComStage Bund-Future zeichnet die Entwicklung des Euro-Bund-Futures
nach, der vor dem Hintergrund der Eurokrise seit Mitte März immer neue
Höchstkurse erreicht hatte, zuletzt aber wieder nachgab. Grund
dafür ist weniger eine gestiegene Zuversicht, die die Flucht in
Bundesanleihen überflüssig machen würde. Vielmehr ist das
makellose Image Deutschlands mittlerweile etwas angekratzt. Der Grund: Die
immer konkreter werdenden Diskussionen um Euro-Bonds, Euro-Bills oder
Bankenunion lassen Anleger fürchten, dass Deutschland für die
Schulden der anderen Länder doch zunehmend in Haftung genommen werden
könnte.
© 19. Juni 2012 / Anna-Maria Borse
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June 19, 2012 09:00 ET (13:00 GMT)- - 09 00 AM EDT 06-19-12
19. Juni 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt).
Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum