26.10.2012 14:48
Bewerten
(0)

Preiskrieg bei ETFs: Gebühren unter Druck

ETF-Spezial: Preiskrieg bei ETFs: Gebühren unter Druck | Nachricht | finanzen.net
Kosten: Unter den ETF-Emittenten tobt eine Preisschlacht
ETF-Spezial
Unter den großen ETF-Emittenten BlackRock und Vanguard tobt eine Preisschlacht. In Europa herrscht Ruhe - noch. Auf was es beim ETF-Kauf ankommt.
€uro am Sonntag
von Wolfgang Hagl, Euro am Sonntag

Es ist eine gigantische Zahl: 1,16 Billionen Dollar waren per 30. September in den USA in Exchange Traded Funds (ETFs) investiert. Allein seit dem Jahreswechsel zog der Markt für passive Indexfonds in den Staaten 124 Milliarden Dollar an frischem Kapital an — laut Angaben der Deutschen Bank. Und dieser gewaltige ETF-Kuchen ist heiß umkämpft. „Die großen Anbieter liefern sich in den USA gerade einen regelrechten Preiskampf.“ Das berichtet Detlef Glow, Fondsanalyst beim Informationsdienstleister Lipper. Die Nummer 1, BlackRock, läutet dieser Tage die nächste Runde ein. Wie der US-Finanzkonzern ankündigte, sollen die Gebühren für eine Reihe seiner ETFs, die unter der Marke iShares laufen, nach unten geschraubt werden.

Kampf um Prozentpunkte
BlackRock stemmt sich damit gegen den Verlust von Marktanteilen. Zuletzt hatte insbesondere Vanguard dem Branchen­krösus das Wasser abgegraben. Hinter diesem Anbieter steht eine Art Genossenschaft, bei der Profit nicht über alles geht. „Den daraus resultierenden Kostenvorteil gibt Vanguard direkt an die Kunden weiter“, erläutert Glow.

Zum Ausdruck kommt der harte Konkurrenzkampf insbesondere in Schwellenländerfonds. Vanguard bietet beispielsweise das passive Investment in den MSCI Emerging Markets Index für eine jährliche Gebühr von 0,2 Prozent an. BlackRock veranschlagt für ein vergleichbares Produkt mehr als das Dreifache. Die Folge: Während Vanguard mit seinem Emerging-Market-Fonds in den vergangenen drei Jahren knapp 40 Milliarden Dollar einsammeln konnte, zogen die Investoren aus dem iShares-Produkt Kapital ab.

Mit einem neuen Schwellenländer-ETF, der mit einer Gebühr von 0,18 Prozent pro Jahr auskommt, will der globale Marktführer diesen Trend stoppen. Insgesamt senkt BlackRock die Kostenquote für sechs bestehende ETFs und legt zusätzlich vier neue, preisgünstige Fonds auf. Ob sich die Aktion lohnt, muss sich zeigen. Schließlich dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Vanguard die Attacke mit weiteren Preissenkungen kontert.

Relativ gelassen beobachtet die Finanzbranche diesseits des Atlantiks die Geschehnisse in den USA. „Der europäische Markt ist noch viel zu klein für einen solchen Preiskampf“, meint Thorsten Michalik, Leiter von db x-trackers. Obwohl sich das Volumen des ETF-Geschäfts in Europa seit 2004 mehr als verzehnfacht hat, kommt der Alte Kontinent mit 241 Milliarden Euro gerade einmal auf gut ein Viertel der US-Summe. Noch lohnt es sich also selbst für große Investoren scheinbar kaum, wegen einer etwas geringeren Gebühr den Fonds zu wechseln. „Im Vordergrund stehen vielmehr Service und Produktauswahl“, berichtet Michalik.

Sascha Specketer, Head of Institutional Sales Deutschland beim ETF-Haus Source, stößt in dasselbe Horn: „Aus unserer Sicht ist derzeit kein Preiskampf im europä­ischen Markt erkennbar.“ Er verweist darauf, dass die Gebühren mit durchschnittlich 0,36 Prozent bereits sehr gering seien. Specketer zählt die Liste an fixen Kosten auf, welche die Emittenten damit abdecken müssen: „Neben der Jahresabschlussprüfung und der Verwaltung des Fonds fallen Aufwendungen für Marketing und Vertrieb, Index- und Swap-Gebühren sowie das Börsenlisting an.“

Preisoffensive abgeblockt
Trotz der mageren Einnahmen gab es auch in Europa diverse Versuche, den Markt mit noch niedrigeren Preisen zu erobern. Doch „billig“ allein reicht scheinbar nicht. Das zeigt nicht zuletzt der Fall Amundi. Anfang 2010 listete die Emittentin erstmals ETFs an der Deutschen Börse und setzte vor allem auf geringe Gebühren. Obwohl die Franzosen beispielsweise einen Indexfonds auf den Euro Stoxx 50 für 0,15 Prozent pro Jahr anbieten, verharrt das verwaltete Vermögen dieses ETFs bis heute unter der Schwelle von einer Mil­liarde Euro. Bei Lyxor fallen die Kosten für das Bluechip-Barometer der Eurozone zehn Basispunkte höher aus. Und doch liegen 3,8 Milliarden Euro in diesem ETF. Selbst der deutsche Marktführer kommt nicht auf diese Summe — dabei bietet db x-trackers den Euro-Stoxx-50-ETF seit mehr als drei Jahren sogar gebührenfrei an.

Die Karten völlig neu mischen könnte Vanguard: Der US-Anbieter hat seine Fühler bereits nach Europa ausgestreckt und fünf Exchange Traded Funds lanciert. In der jüngsten Marktstatistik spielt die weltweite Nummer 3 aber noch keine Rolle, das verwaltete Vermögen beträgt nur 95 Millionen Euro. Eine große Offensive des US-Instituts müssen die ETF-Emittenten zumindest hierzulande vorerst nicht befürchten. „Wir haben derzeit keine Expansionspläne für Deutschland“, erklärt auf Anfrage Paul Griffin, für Europa zuständiger PR-Manager von Vanguard.

Anleger können also nicht darauf hoffen, dass ETFs bald noch günstiger zu haben sind. Zumal die Anbieter mit so manchem Produkt schon heute kaum Geld verdienen dürften. Eine Analyse von Lipper hat ergeben, dass bei knapp 300 in Europa gelisteten ETFs, die seit mehr als drei Jahren am Markt sind, das verwaltete Vermögen weniger als 100 Millionen Euro beträgt. „Diese Fonds könnten ihre Anbieter aus Gründen der Profitabilität auf den Prüfstand stellen“, meint Detlef Glow. Dem Boom des Marktes würden Schließungen seines Erachtens keinen Abbruch tun. Wachstum sieht Glow bei passiven Rentenfonds und ETFs auf bestimmte Strategien — Themen, die im US-Markt bereits allgegenwärtig sind.

Investor-Info

ETF-Kauf
Auf was es ankommt

Wenn von den Kosten eines ETFs die Rede ist, fällt meistens das Kürzel TER. Es steht für Total Expense Ratio. Neben den Aufwendungen des Emittenten für die Verwaltung und den Betrieb eines passiven Indexfonds sind darin die Ausgaben für die Einhaltung gesetzlicher Pflichten enthalten. „Die TER spielt im Vertrieb eine wichtige Rolle, sie ist jedoch nicht die einzige Kostenkomponente“, erklärt Source-Manager Sascha Specketer. Er rät Anlegern, zusätzlich einen Blick auf die Wertentwicklung des ETFs zu werfen. Hier hilft der sogenannte Tracking Error weiter, der die Standardabweichung der Differenz zwischen der täglichen Entwicklung des Fonds und derjenigen seiner Benchmark zeigt. Neben den Kosten wirken sich hier der steuerliche Umgang mit Dividenden sowie der Zeitpunkt ihrer Ausschüttung aus.
Ein ETF kann auch Einnahmen erzielen, etwa aus der Wertpapierleihe. Diesem Umstand trägt die Tracking-Differenz Rechnung. Sie steht für die absolute Abweichung eines Fonds vom Basiswert und kann auch positiv ausfallen.
Specketer nennt ein weiteres Kriterium: „Auch die Geld-Brief-Spanne hat einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtkosten.“ Dabei gilt: Je größer die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, desto unattraktiver ist ein Produkt. Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob der ETF tatsächlich die Wertpapiere eines bestimmten Index (voll replizierend) abbildet oder die Indexwertentwicklung mithilfe von sogenannten Swapgeschäften nachvollzieht. Einige Anleger bevorzugen wegen des zum Teil etwas geringeren Risikos die voll replizierenden Indexfonds.

Bildquellen: istock/Ulf Gähme

ETF-Finder

Was sind ETFs?

Exchange Traded Funds sind an der Börse gehandelte Investmentfonds. ETFs haben keine Laufzeitbegrenzung und können daher wie Aktien permanent zum aktuellen Börsenpreis gehandelt werden. Beim Kauf eines Fondsanteils wird der Anleger zum Anteilseigner der im Fonds enthaltenen Bestandteile. Zugleich beteiligt sich der Investor damit auch an der Entwicklung der im Fonds befindlichen Papiere.
Suchen

Heute im Fokus

DAX schließt deutlich leichter -- Dow verliert -- VW-, Daimler-, BMW-Aktien verlieren kräftig: Deutsche Autoindustrie soll sich abgesprochen haben -- BYD, Tesla, Microsoft, eBay im Fokus

Siemens und Bombardier verhandeln über Eisenbahn-Joint Venture. Gazprom darf mehr Gas nach Deutschland pumpen. S&P stellt Griechenland bessere Bonität in Aussicht. Apple will mit Chinesen Autobatterien bauen: Unerwartete Konkurrenz für Tesla? Bill Gross warnt vor einem möglichen Wirtschaftskollaps. Warum Exxon jetzt plötzlich zum Umweltfreund wird. Bitcoin zurück auf Rekordkurs. General Electric verdient im zweiten Quartal weniger. Erneuter Ether-Diebstahl schreckt die Branche auf.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die Top 5 der Medizin- und Pharmakonzerne mit großen Wachstumschancen!

Aktien aus dem Medizin- und Pharmabereich gehören neben den hochtechnologischen Konzernen wohl zu den schwierigsten Wertpapieren, die man an der Börse spielen kann. Die meisten Unternehmen, die auf diesem Feld unterwegs sind, bleiben über Jahre hin unprofitabel. Wir stellen im aktuellen Anlegermagazin fünf Aktien vor, bei denen große Wachstumschancen lauern könnten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Top-Rankings

KW 29: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 29: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Sorglos die Koffer packen
In diesen europäischen Ländern kommt man voll auf seine Kosten

Umfrage

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine Obergrenze für Flüchtlinge weiter ab. Sind Sie für eine solche Grenze?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln

Willkommen bei finanzen.net Brokerage

Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus finanzen.net

Weitere Informationen finden Sie hier.

Jetzt informieren


Sie haben bereits ein Depot? Dann verknüpfen Sie es jetzt mit Ihrem finanzen.net-Account!

Jetzt mit finanzen.net-Account verknüpfen

Top News
Altersvorsorge
14:47 Uhr
Wie berechnet sich meine Rente?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
BMW AG519000
Scout24 AGA12DM8
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Apple Inc.865985
BASFBASF11
Allianz840400
Siemens AG723610
E.ON SEENAG99
CommerzbankCBK100
TeslaA1CX3T
Coca-Cola Co.850663
adidas AGA1EWWW
Greiffenberger AG589730