26.03.2013 14:38
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Unentschlossene Anleger

ETFs
Die Zypernkrise hat einigen ETF-Anlegern die Lust an europäischen Bluechips verdorben und stattdessen in US-amerikanische gelockt.
Insgesamt wirken die Investoren jedoch unentschieden, nur der Abzug aus Indexfonds mit europäischen Bankwerten ist unübersehbar.

Als eher "frostig" beschreibt Frank Mohr von der Commerzbank die Stimmung im ETF-Handel. Der Market Maker berichtet von 54 Prozent Verkäufen gegenüber 46 Prozent Käufen. Anfang des Monats war das Verhältnis noch genau umgekehrt. Frostig mit Bewegung, denn die Umsätze sind Mohr zufolge immer noch sehr hoch und liegen etwa ein Drittel über dem langfristigen Mittel.

"Wir beobachten im Moment die übliche Reaktion auf schwerwiegende politische Ereignisse", fasst Mohr zusammen.  In solchen Marktsituationen würden vor allem an die großen Indizes DAX und Euro Stoxx 50 gekoppelte ETFs umgeschichtet.

Das ist auch die "größte Idee? in den Orderbüchern von Daniele Sabato, Market Maker bei Flow Traders. Seine Kunden verkaufen ETF s mit den europäischen Bluechips in DAX und Euro Stoxx 50 und kaufen ETFs mit US-amerikanischen Unternehmen etwa in S&P 500 oder MSCI North America. Der Händler verweist auch auf die Performance seit Jahresbeginn: Während der Dow Jones über 10 Prozent Plus gemacht hat, tritt der Euro Stoxx 50 auf der Stelle.

Anders ist das Bild für Mark Schönbrodt, der bei der DekaBank ETFs betreut. Er findet die Umsätze durchschnittlich mit einem leichten Käuferüberhang, zum Beispiel von Anteilen an DAX- und Euro Stoxx 50-Trackers.

Bei Gregor Hamme von Unicredit geht im Vergleich zu den Vormonaten jetzt relativ ruhig zu. "Anleger nehmen mit Verkäufen Risiken aus den Portfolios." Auch Anteile an ETFs mit italienischen Aktien würden abgegeben.

Schönbrodt erklärt diese Trendlosigkeit im Handel mit unentschlossenen Anlegern, die sich angesichts der seit längerem guten Performance großer Indizes und dem hohen Kursniveau nicht entscheiden könnten, wohin die Reise gehen soll.

Raus aus europäischen Banken

In einem sind sich die Market Maker allerdings einig: Von den Branchen-ETFs werden vor allem Anteile an Bankwerten gehandelt. Der Sektor mache ein Drittel des Umsatzes mit Branchen ETFs aus, was bemerkenswert hoch sei, weiß Mohr einzuordnen. Ebenso eindeutig ist auch die Richtung: Die Anteile würden im Verhältnis 70 zu 30 verkauft. Mohrs Kollegen berichten von derselben Tendenz, was angesichts der Zypern-Krise auch nicht überrasche. Insbesondere Anteile an Branchen-Fonds der europäischen Stoxx-Familie würden abgegeben.

Kaum Esprit im Handel mit Renten-ETFs

Sabato berichtet von zurückhaltendem Handel mit Renten-ETFs. Trotz der guten Performance von Corporate Bonds sei es scheinbar für seine Kunden noch nicht an der Zeit, Gewinne mitzunehmen.

Für die Commerzbank ist die Aktivität  in Staatsanleihen und Pfandbriefen bemerkenswert, anders als noch vor zwei Wochen dominierten nun die Verkäufe. Mohr beobachtet dagegen Investments in Geldmarkt-ETFs und vermutet, dass die mehrheitlichen Verkäufer im Markt ihre Liquidität parken.

Im Windschatten: Emerging Markets-Aktien

Den Orderbüchern der Schwellenländer-ETFs  konstatiert Mohr extreme Ruhe, was meist mit dem Fokus auf Umschichtungen von Bluechip-ETF einherginge. Nur in Trackers des MSCI World sei Handel, allerdings ohne Tendenz.

Ebenso wenig gefragt: Rohstoff-ETFs

Bei ETFs mit Rohstoff-Unternehmen berichtet Sabato Verkäufe von Gold. Sei es bislang ein begehrtes Instrument zur Absicherung gegen Inflation und ganz allgemeinen Risiken gewesen, so scheint dieses Bedürfnis der Anleger jetzt geringe zu werden. Gleichzeitig würden allerdings auch Industriemetalle und breiter gestreute Rohstoff-ETFs verkauft, den Grund hierfür sieht der Händler in wachsender Skepsis gegenüber der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Anleger seien nicht mehr so optimistisch, was die Konjunktur angeht.

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© 26. März 2013/Edda Vogt

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 26. März 2013.

Bildquellen: cholder / Shutterstock.com
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