18.09.2012 17:30
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Privatanleger entdecken ETFs

Leitindex DAX ist auch bei ETF-Anbietern sehr beliebt
Exchange Traded Funds
Kurz nach der Jahrtausendwende begannen ETFs ihren Siegeszug in Deutschland. Doch noch sind sie hauptsächlich ein Anlagevehikel für institutionelle Investoren. Warum sich das ändert und wieso aktiv gemanagte Fonds weiter gefragt sind.
€uro am Sonntag

von Tobias Schmidt, Gastautor von Euro am Sonntag

Die Statistiken sprechen scheinbar eine eindeutige Sprache: Passive Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF), gewinnen seit Jahren an Beliebtheit — auf Kosten der aktiv gemanagten Fonds. Der Erfolg der passiven Indexfonds geht jedoch ganz überwiegend auf das Konto institutioneller Investoren. Private Anleger beginnen eben erst, diese Anlageklasse zu entdecken, sind jedoch bislang nur wenig in diesen Fonds investiert.

Dies belegt eine jüngst durchgeführte Befragung von Feri EuroRating, bei der sich herausstellte, dass die Hälfte der Privatanleger überhaupt keine ETFs in ihrem Wertpapierdepot hat und bei weiteren 28 Prozent der ­Anteil geringer ist als zehn Prozent. Fast kein privater Anleger erklärte, dass er das Wertpapierportfolio ganz überwiegend oder gar ausschließlich durch ETFs umsetzt.

Die Gründe dafür, dass passive Indexfonds in den Wertpapierdepots weniger stark vertreten sind, liegen auf der Hand: Private Anleger folgen meist den Vorschlägen von Beratern — häufig in Banken und Sparkassen —, die diese Produkte selten auf ihrer Verkaufsliste haben und sie meist nur auf aktive Kundennachfrage verkaufen. Der Vorteil der ETFs aus Sicht der Anleger, nämlich die meist deutlich niedrigeren Gebühren und Kosten, ist für den Vertrieb eher ein Nachteil, weil die Fonds — anders als aktiv gemanagte Produkte  — mit keinem oder nur einem sehr geringen Ausgabeaufschlag verkauft werden.

Jeder Dritte plant, den Anteil der ETFs
im Depot zu erhöhen

Allerdings ergab die Umfrage auch, dass sich bei jedem vierten Befragten der Anteil der ETFs in seinem privaten Portfolio in den vergangenen Jahren bereits erhöht hat. Und jeder dritte private Anleger plant den Anteil der passiven Indexfonds in seinem Portfolio in den kommenden Jahren zu erhöhen. Fast zwei Drittel der Befragten erwarten, dass sich die Summe der in ETFs angelegten Gelder insgesamt in den kommenden fünf Jahren erhöhen wird.

Ein Vorteil ebenso wie ein Nachteil von passiven Indexfonds gegenüber aktiv gemanagten Fonds ist bekanntlich, dass der Anleger mit ETFs nicht schlechter abschneidet als der zugrunde liegende Index (der ja nur nach­gebildet wird), während er gleichzeitig aber auch nicht die Chance hat, besser abzuschneiden, wie dies bei aktiv gemanagten Investmentfonds möglich ist.

Manchmal wird als Grund für den Erfolg der ETFs das Argument ins Feld geführt, Anleger seien von den mit aktiv gemanagten Fonds erzielten Ergebnissen insgesamt stark enttäuscht. Zumindest in Bezug auf private Anleger kann diese Erklärung jedoch nicht überzeugen, wie die Befragung zeigt: Wie, so wollten wir wissen, sind die Erfahrungen, die private Anleger mit beiden Produktgattungen gemacht haben? 62 Prozent gaben an, die Erfahrungen mit aktiv gemanagten Fonds und mit ETFs hätten sich die Waage gehalten. 22 Prozent berichteten, sie hätten mit ETFs bessere Erfahrungen gesammelt, und 17 Prozent sagten, sie hätten im Durchschnitt mit aktiv gemanagten Fonds bessere Ergebnisse erzielt.

Offenbar hängt die Art der gesammelten Erfahrungen entscheidend davon ab, ob der Anleger in der Lage ist, die richtigen unter den aktiv gemanagten Fonds auszuwählen beziehungsweise die aussichtsreichen von den weniger aussichtsreichen Fonds zu un­terscheiden. Für den einzelnen privaten ­Anleger ist dies sehr schwierig, häufig sogar unmöglich.

Oft trifft die Auswahl für ihn der Bankberater, der nicht selten die Produkte von Tochtergesellschaften der Bank favorisiert. Andere Anleger wiederum vertrauen auf sogenannte Performance-Rankings, die jedoch nur die Wertentwicklung der Vergangenheit abbilden und wenig über die Zukunftsaussichten eines Fonds sagen. Letzteres ist nur durch Ratingverfahren möglich, die nach quantitativen und qualitativen Methoden Aussagen darüber treffen können, welche ­aktiv gemanagten Fonds Chancen haben, in Zukunft besser als die jeweilige Peergroup ­abzuschneiden.

Wenn die bessere Performance also nicht der Grund für die steigende Beliebtheit von ETFs auch bei Privatanlegern ist, was sind dann die Gründe für den zunehmenden Zuspruch? Die Befragung brachte ein eindeu­tiges Ergebnis: Die Mehrheit der Anleger nannte zwei aus ihrer Sicht entscheidende Vorteile von ETFs, nämlich die im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds oftmals geringeren Kosten und Gebühren (78 Prozent) sowie die Flexibilität im Börsenhandel (77 Prozent).

Kritisch wurde in den letzten Monaten und Jahren in der Fondsbranche und auch in den Medien darüber diskutiert, wie die Index­nachbildung bei ETFs technisch am besten und sichersten zu bewerkstelligen sei. Unterschieden wird zwischen physisch replizierenden Fonds, bei denen der Index durch direkte Investitionen in die betreffenden Wertpapiere abgebildet wird, und synthetischen ETFs, bei denen diese Nachbildung durch Swaps erfolgt. Für beide Verfahren gibt es gute Argumente.

Die kritische Berichterstattung zu synthetischen ETFs sowie die für den Laien schwerer verständliche Methode der Indexnachbildung mit Swaps haben dazu beigetragen, dass bei der Befragung eine deutliche Mehrheit der Anleger (62 Prozent) erklärte, man gebe physisch replizierenden Fonds den Vorzug.

Unterschiedliche Strategien
der Anbieter gleichauf

In einem gewissen Gegensatz dazu steht allerdings, dass bei der Frage, welchen ETF-Anbietern man die höchste Kompetenz zuschreibe, die beiden am besten bewerteten Anbieter entgegengesetzte Methoden der Indexnachbildung verfolgen. Am besten bewertet wurde mit der Note 1,6 iShares (BlackRock), die eher auf physisch replizierende Fonds setzen, jedoch fast gleichauf (Note 1,7) db X-trackers (Deutsche Bank), die bei ihren ETFs den Index durch Swaps nachbilden. Möglicherweise ist vielen Anlegern auch nicht bekannt, welche Gesellschaften welche Methoden der Indexnachbildung umsetzen.

Wir wollten bei der Befragung auch wissen, welche Rolle die teilweise kritische Berichterstattung in Medien über ETFs — hier wurden oftmals Nachteile der Swap-basierten Nachbildung thematisiert — spielt. 41 Prozent der Befragten erklärten, sie hätten solche Berichte nicht so häufig wahrgenommen. Weitere 29 Prozent sagten, sie hätten entsprechende Berichte zwar gelesen, aber die darin geäußerte Kritik habe für ihre Anlageentscheidung keine wichtige Rolle gespielt. Etwas weniger als ein Drittel (30 Prozent) erklärten, entsprechende Berichte zu ETFs hätten sie nachdenklich gemacht. Hier besteht also seitens der Fondsanbieter durchaus noch Aufklärungsbedarf.

ETFs werden auch bei privaten Anlegern künftig also eine wichtigere Rolle spielen. Jedoch werden sie in dieser Gruppe vermutlich nie im gleichen Ausmaß erfolgreich sein, wie dies heute bei institutionellen Investoren der Fall ist.
Mehr passive Fonds (pdf)

zur Person:

Tobias Schmidt, Vorstandssprecher der
Feri EuroRating Services AG

Der promovierte Diplom-Wirtschaftsingenieur ist seit 1999 für Feri in verschiedenen Funktionen in den Bereichen Research, Produktentwicklung und Business Development tätig. Zuvor war Schmidt wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Die Feri EuroRating Services ist eine der führenden europäischen Ratingagenturen für die Analyse und Bewertung von ­Anlagemärkten und ­Anlageprodukten sowie ein ­bedeutendes Wirtschaftsforschungs- und Prognose-Institut. Feri ­erstellt Analysen und ­Ratings für Branchen, Länder, ­Kapital- und ­Immobilienmärkte.

Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum
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