Alexandra Hartmann, Fidelity: "Bei VW gibt es zehn Gründe, die Aktie nicht zu kaufen"
"Ich suche Unternehmen, die von innen wachsen"
Ob Aktiencrash, Bankenkrise oder Rezession. Wenn Alexandra Hartmann derzeit die Zeitung aufschlägt, stößt sie auf eine geballte Ladung schlechter Nachrichten. Dabei droht weiteres Ungemach: "Die Gewinnerwartungen für die Unternehmen sind noch zu hoch", sagt die Fidelity-Fondsmanagerin. Hartmann managt seit 1996 Aktienfonds bei Fidelity.
Derzeit betreut sie den Fidelity Germany, den Fidelity Euro Blue Chip sowie den Aktienanteil des Mischfonds Fidelity Euro Balanced Fund (siehe unten). Soweit die Anlagevorgaben es erlauben, hat sie ihre Portfolios für die Rezession fit gemacht. Doch ihre generelle Anlagephilosophie bleibt: "Ich suche Unternehmen, die von innen wachsen", sagt sie.
Alexandra Hartmann favorisiert defensive Titel wie Fresenius oder Fielmann
Insgesamt muss ein Unternehmen mindestens fünf Kriterien erfüllen, damit Hartmann die Aktie kauft. "Erstens: Unsere Gewinnschätzung muß über dem Konsens des Marktes liegen. Zweitens: Das Management muss glaubwürdig sein und eine Strategie haben, wie es von A nach B kommt. Drittens: Das Unternehmen muss freien Kapitalfluss generieren und diesen sinnvoll einsetzen. Viertens: Die von uns erwartete Nachrichten für das Unternehmen müßen positiv sein. Und fünftens muss die Bewertung für mich interessant sein", erläutert die Fidelity-Fondsmanagerin.
Diese Kriterien erfüllen momentan defensive Titel wie Fresenius, Gerresheimer Glas oder Fielmann mit ihrem Bezug zur Gesundheitsbranche. Bayer zählt ebenfalls zu ihren Favoriten. "Durch einen Kurssturz bei gewissen Aktien, die durch gezwungene Verkäufe von Hedgefonds erfolgen, ist unsere Unternehmensanalyse ja nicht obsolet geworden", begründet sie.
"Bei VW gibt es zehn Gründe, die Aktie nicht zu kaufen"
Schwieriger ist die Lage bei Banken. "Dort trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei BNP Paribas zahlt sich die konservative Politik aus. Bei vielen anderen Banken wird die Erholung aber einige Zeit dauern", erklärt sie. Bei zyklischen Maschinenbau- und Stahlwerten ist sie vorsichtig.
Autowerte hat sie untergewichtet, weil dort die Nachfrage wegbricht. Die Spezial-Hausse bei VW hat sie ausgelassen. "Ich suche fünf Gründe, um eine Aktie zu kaufen. Bei VW gibt es zehn Gründe, die Aktie nicht zu kaufen", sagt sie.
"Es geht nun darum, Aktien zu finden, bei denen sich das Warten auszahlt"
Gedanklich bereitet sich die gebürtige Bremerin schon auf die Zeit nach der Rezession vor. "Es geht nun darum, Aktien zu finden, bei denen sich das Warten auszahlt." Ihre Grundthese: "Aktien sind ein Frühindikator, die eine Erholung der Konjunktur und die Tendenz der Unternehmensgewinne mit einigen Monaten Vorlauf anzeigen."
Im Jahr 2010 könne die Erholung der Konjunktur einsetzen, vermutet sie. Demnach könnten die Aktienkurse ab Mitte 2009 wieder anspringen. Die günstigen Bewertungen würden dann stärker beachtet als die schlechten Nachrichten.
"Mit 5% bis 7% als langfristige Durchschnittsrendite sollte man zufrieden sein"
Ihr Tipp für Privatanleger: Keinen extremen Renditeversprechen hinterherlaufen, die von vornherein unrealistisch sind. "Mit fünf bis sieben Prozent als langfristige Durchschnittsrendite sollte man zufrieden sein", sagt sie.
Auch bei Aktien. "Unternehmensgewinne wachsen mit dem Wachstum des Bruttoinlandprodukts und Aktienkurse schwanken darum herum", erklärt sie. Die Aktienkurse würden bisweilen aber nach oben und unten übertreiben. "Keine Einzelaktien kaufen!", lautet daher ihr Rat an Privatanleger. "Das ist zu kompliziert."
Hier verweist sie auf Peter Lynch. Der legendäre amerikanische Fidelity-Fondsmanager hatte einst gesagt: "Die meisten Anleger betreiben mehr Research beim Kauf einer Waschmaschine als beim Kauf ihrer Aktien."
Die Aktien- und Mischfonds von Alexandra Hartmann:
Aktienfonds Deutschland / WKN: Performance seit 1.1.2008 (in %)
1. iShares Dax (DE) ETF / 593393: -46.8
2. Fidelity Germany A EUR / 973283: -47.2
3. DWS Investa / 847400: -53.3
Aktienfonds Europa ex UK / WKN: Performance seit 1.1.2008 (in %)
1. Threadneedle Europ. Growth 1 / 987661: -42.2
2. Fidelity Euro Blue Chip A EUR / 988525: -43.2
3. iShares DJ Euro Stoxx 50 / 935927: -46.8
Mischfonds überwiegend Aktien / WKN: Performance seit 1.1.2008 (in %)
1. carmignac euro-patrimoine / A0DP5Y: -10.8
2. DJE Alpha Global / 164317: -23.8
3. Fidelity Euro Balanced A EUR* / 973811: -29.1
*Beim Mischfonds Fidelity Euro Balanced A EUR betreut Alexandra Hartmann den Aktienanteil.
Quelle: €uro fondsxpress. Quelle Performancedaten: FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 27.10.2008.
Ob Aktiencrash, Bankenkrise oder Rezession. Wenn Alexandra Hartmann derzeit die Zeitung aufschlägt, stößt sie auf eine geballte Ladung schlechter Nachrichten. Dabei droht weiteres Ungemach: "Die Gewinnerwartungen für die Unternehmen sind noch zu hoch", sagt die Fidelity-Fondsmanagerin. Hartmann managt seit 1996 Aktienfonds bei Fidelity.
Derzeit betreut sie den Fidelity Germany, den Fidelity Euro Blue Chip sowie den Aktienanteil des Mischfonds Fidelity Euro Balanced Fund (siehe unten). Soweit die Anlagevorgaben es erlauben, hat sie ihre Portfolios für die Rezession fit gemacht. Doch ihre generelle Anlagephilosophie bleibt: "Ich suche Unternehmen, die von innen wachsen", sagt sie.
Alexandra Hartmann favorisiert defensive Titel wie Fresenius oder Fielmann
Insgesamt muss ein Unternehmen mindestens fünf Kriterien erfüllen, damit Hartmann die Aktie kauft. "Erstens: Unsere Gewinnschätzung muß über dem Konsens des Marktes liegen. Zweitens: Das Management muss glaubwürdig sein und eine Strategie haben, wie es von A nach B kommt. Drittens: Das Unternehmen muss freien Kapitalfluss generieren und diesen sinnvoll einsetzen. Viertens: Die von uns erwartete Nachrichten für das Unternehmen müßen positiv sein. Und fünftens muss die Bewertung für mich interessant sein", erläutert die Fidelity-Fondsmanagerin.
Diese Kriterien erfüllen momentan defensive Titel wie Fresenius, Gerresheimer Glas oder Fielmann mit ihrem Bezug zur Gesundheitsbranche. Bayer zählt ebenfalls zu ihren Favoriten. "Durch einen Kurssturz bei gewissen Aktien, die durch gezwungene Verkäufe von Hedgefonds erfolgen, ist unsere Unternehmensanalyse ja nicht obsolet geworden", begründet sie.
"Bei VW gibt es zehn Gründe, die Aktie nicht zu kaufen"
Schwieriger ist die Lage bei Banken. "Dort trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei BNP Paribas zahlt sich die konservative Politik aus. Bei vielen anderen Banken wird die Erholung aber einige Zeit dauern", erklärt sie. Bei zyklischen Maschinenbau- und Stahlwerten ist sie vorsichtig.
Autowerte hat sie untergewichtet, weil dort die Nachfrage wegbricht. Die Spezial-Hausse bei VW hat sie ausgelassen. "Ich suche fünf Gründe, um eine Aktie zu kaufen. Bei VW gibt es zehn Gründe, die Aktie nicht zu kaufen", sagt sie.
"Es geht nun darum, Aktien zu finden, bei denen sich das Warten auszahlt"
Gedanklich bereitet sich die gebürtige Bremerin schon auf die Zeit nach der Rezession vor. "Es geht nun darum, Aktien zu finden, bei denen sich das Warten auszahlt." Ihre Grundthese: "Aktien sind ein Frühindikator, die eine Erholung der Konjunktur und die Tendenz der Unternehmensgewinne mit einigen Monaten Vorlauf anzeigen."
Im Jahr 2010 könne die Erholung der Konjunktur einsetzen, vermutet sie. Demnach könnten die Aktienkurse ab Mitte 2009 wieder anspringen. Die günstigen Bewertungen würden dann stärker beachtet als die schlechten Nachrichten.
"Mit 5% bis 7% als langfristige Durchschnittsrendite sollte man zufrieden sein"
Ihr Tipp für Privatanleger: Keinen extremen Renditeversprechen hinterherlaufen, die von vornherein unrealistisch sind. "Mit fünf bis sieben Prozent als langfristige Durchschnittsrendite sollte man zufrieden sein", sagt sie.
Auch bei Aktien. "Unternehmensgewinne wachsen mit dem Wachstum des Bruttoinlandprodukts und Aktienkurse schwanken darum herum", erklärt sie. Die Aktienkurse würden bisweilen aber nach oben und unten übertreiben. "Keine Einzelaktien kaufen!", lautet daher ihr Rat an Privatanleger. "Das ist zu kompliziert."
Hier verweist sie auf Peter Lynch. Der legendäre amerikanische Fidelity-Fondsmanager hatte einst gesagt: "Die meisten Anleger betreiben mehr Research beim Kauf einer Waschmaschine als beim Kauf ihrer Aktien."
Die Aktien- und Mischfonds von Alexandra Hartmann:
Aktienfonds Deutschland / WKN: Performance seit 1.1.2008 (in %)
1. iShares Dax (DE) ETF / 593393: -46.8
2. Fidelity Germany A EUR / 973283: -47.2
3. DWS Investa / 847400: -53.3
Aktienfonds Europa ex UK / WKN: Performance seit 1.1.2008 (in %)
1. Threadneedle Europ. Growth 1 / 987661: -42.2
2. Fidelity Euro Blue Chip A EUR / 988525: -43.2
3. iShares DJ Euro Stoxx 50 / 935927: -46.8
Mischfonds überwiegend Aktien / WKN: Performance seit 1.1.2008 (in %)
1. carmignac euro-patrimoine / A0DP5Y: -10.8
2. DJE Alpha Global / 164317: -23.8
3. Fidelity Euro Balanced A EUR* / 973811: -29.1
*Beim Mischfonds Fidelity Euro Balanced A EUR betreut Alexandra Hartmann den Aktienanteil.
Quelle: €uro fondsxpress. Quelle Performancedaten: FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 27.10.2008.


