28.02.2013 17:30
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Mehr Finanzbildung für Schüler

Mehr Finanzbildung für Schüler
Altersvorsorge
Vorsorgen ist für viele Sparer leichter gesagt als getan. Die Zinsen sind auf einem historischen Tief, die Inflationsgefahren steigen, und auch die Risiken von Staatsanleihen werden immer deutlicher.
€uro am Sonntag

von Thomas Richter, Gastautor von Euro am Sonntag

Viele Sparer setzen bei ihrer privaten Vorsorge bisher stark auf festverzinsliche Anlagen. Zehnjährige Bundesanleihen bringen allerdings heute weniger als 1,5 Prozent jährlich. Anleihen mit kürzeren Laufzeiten sind noch unattraktiver. Auch Fest- und Termingelder bieten kaum höhere Erträge. Gleichzeitig liegt die Inflation bei rund zwei Prozent. Wer festverzinslich anlegt, verliert Jahr für Jahr an Kaufkraft.

Dazu kommen höhere Risiken: Selbst Staatsanleihen sind in Zeiten der Eurokrise kein sicherer Anlagehafen mehr. Denn nach dem Schuldenschnitt griechischer Anleihen sind auch die Rückzahlungen anderer europäischer Staatsanleihen unsicherer geworden. Vorsorgesparer stehen damit vor einem Dilemma: Wählen sie niedrig verzinste Anleihen von Staaten mit solidem Finanzhaushalt, schmilzt ihr Anlagevermögen allein durch die Inflation. Entscheiden sie sich dagegen für attraktiver verzinste Staatspapiere, zahlen sie den Preis eines höheren Verlustrisikos. Für die Altersvorsorge ist keine der Varianten mehr geeignet.

Vor diesem Hintergrund verhält sich der Staat widersprüchlich. Einerseits propagiert er die private Vorsorge. Zugleich forciert er mit seinen Vorgaben den Kauf von Anleihen. Das bekommt der Vorsorgesparer direkt zu spüren, etwa über die Abgeltungsteuer, die Aktienanleger bestraft und Investments in Anleihen begünstigt hat. Es trifft ihn aber auch auf Umwegen — beispielsweise, wenn er in eine Kapitallebensversicherung einzahlt. Die Portfolios der Versicherer bestehen derzeit zu über 90 Prozent aus festverzinslichen Anlagen. Die Aktienquoten liegen nur bei drei bis vier Prozent, der Anteil der Immobilien ist genauso niedrig.

Der Grund: Versicherer sollen zum einen künftig für ihre Aktien- und Immobilienanlagen mehr Eigenkapital vorhalten müssen und scheuen deshalb eine Erhöhung der Quoten. Zum anderen werden sie durch staatliche Vorgaben gezwungen, in „risikolose“ Papiere wie Staatsanleihen zu investieren. Damit sind die Portfolios steigenden Inflationsrisiken fast schutzlos ausgeliefert — zum Nachteil der Versicherungskunden, deren Geld eigentlich vermehrt werden soll.

Schleichende Enteignung,
fehlende Anlagekenntnisse

Die Deutschen sind fleißige Sparer. Pro 1.000 Euro Haushaltseinkommen legen die Bundesbürger im Schnitt 110 Euro auf die hohe Kante, etwa doppelt so viel wie die Sparer in Frankreich oder den USA. Aber wer langfristig vorsorgen will, muss die laufende Geldentwertung in Schach halten. Wird die hohe Spar­leistung bei der derzeitigen Inflation nur mit einem Prozent verzinst, wird der Sparer jährlich schleichend um ein Prozent enteignet.

Früher oder später werden die Sparer erkennen, dass sie die Garantie zum Geldverlieren umgehen müssen. Dann werden sie zwangsläufig stärker in Sachwerte wie Aktien und Aktienfonds investieren. Breit streuende Aktienfonds sollten das Fundament einer sachwertorientierten Altersvorsorge sein. Sie bieten langfristig gute Renditechancen, können verschiedenen Lebensphasen flexibel angepasst werden und sind als Sondervermögen konkurssicher.

Damit die Sparer solche Zusammenhänge besser verstehen können, sollte die finanzielle Allgemeinbildung gefördert werden. Und zwar möglichst früh. Deshalb engagiert sich der BVI mit dem Projekt „Hoch im Kurs“ seit über fünf Jahren bundesweit für die schulische Bildung. Das Projekt hat Schulmaterialien für die Klassen 10 bis 12 an Gymnasien, Realschulen sowie Berufsschulen entwickelt. Seither haben die Lehrer insgesamt rund 1,1 Millionen Schülerbroschüren angefordert. Zudem sind seit etwa zwei Jahren über 150 ­Finanzexperten aus den BVI-Gesellschaften an Schulen unterwegs, um zum Beispiel über richtiges Geldmanagement sowie die Funktionsweise der Märkte und des Wirtschaftskreislaufs zu informieren.

Im Frühjahr 2013 werden die Finanzexperten in einer Schwerpunktaktion mit Vorträgen an über 200 Schulen auftreten. Das kann aber nur eine Behelfslösung sein. Denn Finanzbildung ist ein öffentlicher Auftrag und sollte vom Staat im Rahmen eines Schulfachs vermittelt werden. Dies wäre auch die wirksamste Maßnahme für den Verbraucherschutz. Nichts schützt die Verbraucher besser als eigenes Wissen. Würden die Verbraucher Fehler beim Sparen vermeiden, hätten nicht nur die Anleger etwas davon, sondern auch der Staat. Denn je mehr der Einzelne vorgesorgt hat, desto weniger muss der Staat über Transferleistungen zuschießen.

zur Person:

Thomas Richter, Hauptgeschäfts­führer
des Deutschen Fondsverbands BVI

Der Autor ist Rechts­anwalt, geprüfter ­Börsenhändler und ­Finanzanalyst. 1995 bis 1998 arbeitete Richter für die Deutsche Börse, ­danach für die Fonds­gesellschaft DWS ­Investment, seit 2007 als Mitglied der Geschäftsführung. Seit 2010 ist er Geschäftsführer des BVI, seit 2011 Hauptgeschäftsführer. Der deutsche Fondsverband BVI wurde 1970 gegründet. Er ­vertritt die ­Interessen der deutschen Investment­industrie. Seine 78 ­Mitglieder ­verwalten rund zwei ­Billionen Euro in Publikums­fonds, Spezialfonds und Vermögens­verwaltungsmandaten.

Bildquellen: Mark III Photonics / Shutterstock.com
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