11.12.2012 17:30
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Nicht ohne den Kapitalmarkt

Anlagestrategie: Nicht ohne den Kapitalmarkt | Nachricht | finanzen.net
Dieter Wolf, MEAG
Anlagestrategie
Die Euro- und Verschuldungskrise sowie die niedrigen Zinsen haben zu einer paradoxen Situation geführt: Die Anleger suchen Sicherheit, fragen aber Risiko nach.
€uro am Sonntag
von Dieter Wolf, Gastautor von Euro am Sonntag

Wir sehen bei den privaten Anlegern einen Verzicht auf breite Streuung, professionelles Vermögensmana­gement, Transparenz, Flexibilität und Verfügbarkeit. Damit werden genau die Vorteile außer Acht gelassen, die Investmentfonds bieten und die — unabhängig vom Kapitalmarktumfeld — zu den wichtigsten Kriterien der Kapitalanlage gehören. Zeit für eine Aufarbeitung: Woran soll sich der Anleger, nicht nur in der Krise, halten:
1. Diversifikation ist Trumpf. Die eigengenutzte Immobilie vermittelt Sicherheit, doch oftmals steckt fast das gesamte Vermögen in der Immobilie, und die ist obendrein mit Schulden belastet. Wichtig ist eine möglichst ausgewogene Vermögensanlage: Anleihen und Aktien gehören mit dazu. Gerade Aktien werden derzeit unterschätzt: Sie sind sub­stanzstark, bieten als Sachwert einen gewissen Inflationsschutz und zahlen überdies häufig eine attraktive laufende Dividende.

Der private Investor tritt gegen
die professionellen Anleger an

2. Mehr Rendite gibt es nur mit mehr Risiko. Das Niedrigzinsumfeld wird uns noch ­einige Zeit begleiten. Wir müssen uns darauf einstellen. Die hohen Zinsen der Vergangenheit gibt es nicht mehr, und wenn, dann werden höhere Zinsen durch höheres Risiko erkauft. Unter Berücksichtigung der niedrigen Inflationsraten ist das reale Renditeniveau bei langfristiger Betrachtung gar nicht so schlecht. Der Gedanke, man könnte dem Kapitalmarkt ein Schnippchen schlagen, es gäbe unentdeckte Perlen oder Geheimtipps, ist irre­führend.

3. Professionalität zahlt sich aus. Mit der Finanzmarktkrise hat das Vertrauen in die Banken gelitten. Statt professionellen Vermögens­managern zu vertrauen, nehmen die Anleger die Anlage selbst in die Hand. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden, aber der Anleger sollte die Risiken sehen. Dem Privatanleger sollte bewusst sein, dass er auf den Kapitalmärkten gegen die professionellen Anleger antritt und dass die überdurchschnittliche Performance des einen die Unterperformance des anderen ist. Es ist nicht so einfach, gegen Profis zu gewinnen. Das ist im Sport nicht anders als im Anlagegeschäft.

4. Der Euro ist unsere Heimat. Krisenszenarien mit Blick auf eine weitere Verschärfung der Euroverschuldungskrise legen dem Anleger nahe, außerhalb des Euro zu diversifizieren. Denn so kann sich der Anleger mit Blick auf Break-up-Szenarien absichern. Doch Anleger, die sich im Euro bewegen, sollten wissen, dass kaum etwas so schlecht eingeschätzt werden kann wie Wechselkursrisiken. Es ist überdies ein Irrglaube, dass ein Investment außerhalb der Eurozone einen möglichen Eurozerfall unbeschadet übersteht. Deswegen spricht vieles für den Euro als Anlagewährung.

5. Emerging Markets bieten neben Rendite auch Risiken. Renditen winken, wo das Wachstum noch stimmt. Deswegen halten Anleger verstärkt Ausschau nach Investments in den Schwellenländern und deren Kapitalmärkten. Wenn auch noch die öffentliche Verschuldung moderat und die demografische Entwicklung günstig ist, dann gibt es kein Halten mehr. Doch kann die politische Stabilität in diesen Ländern ein hohes Risiko darstellen und eine erratische Regulierung der Kapitalmärkte die Renditeträume schnell platzen lassen. Kenne deine Risiken.

6. Rohstoffe sind eine unsichere Krisenwährung. Bei drohender Inflation oder anderen Krisensymptomen lenkt der Anleger sein Vermögen gern in den sicheren Hafen. Rohstoffe und Gold stehen hoch im Kurs. Doch der Inflationsschutz ist keineswegs sicher. In den 70er- und 80er-Jahren war Gold kein Inflationsschutz. Auch in den letzten Jahren gab es keinen positiven Zusammenhang zwischen Inflation und Goldpreis. Zudem sind Edelmetalle wie andere Rohstoffe sehr spekulativ und bieten keinen laufenden Ertrag.

7. Geschlossene Fonds auch in erneuerbare Energien und Infrastruktur sind riskant. Versicherungen investieren nicht erst seit der Energiewende verstärkt in erneuerbare Energien wie Fotovoltaik- und Windkraftanlagen sowie die zugehörige Infrastruktur, zum Beispiel Gas- und Stromnetze. Was liegt da näher, als es den sicherheitsorientierten An­legern gleichzutun? Dem Privatanleger werden diese Anlagen aber meist in Form von Geschlossenen Fonds angeboten. Diese bieten das volle unternehmerische Risiko, im guten Fall auskömmliche Renditen bei allerdings sehr hohen Kosten, im schlechten Fall unbegrenzte Verluste. Keine Frage, es gibt attraktive Investments, aber der Privatanleger sollte mit den Risiken vertraut sein.

8. Bargeld bietet keine Zinsen. Wir haben uns an die virtuelle Realität gewöhnt, doch in der Krise vertrauen wir gern Dingen, die man anfassen kann. Dazu gehört auch das Bargeld. Die Zahlen der Bundesbank sprechen eine deutliche Sprache: Die Bargeldhaltung ist derzeit hoch. Mit ein Grund dafür ist, dass die Kapitalmärkte angeblich nur niedrige Zinsen böten, der entgangene Gewinn also gering sei. Zu beachten ist dabei allerdings, dass über längere Zeiträume auch bei niedrigen Zinsen stattliche Summen zusammenkommen können. Eine hohe Bargeldhaltung kostet Geld und ist nicht sicherer.

9. Immobilien sind nicht absolut sicher. Die Preise nicht nur in den deutschen Ballungszentren haben ungeahnte Höhen erreicht. Von einer Blase zu sprechen erscheint verfrüht, aber auch Immobilienpreise kennen nicht nur eine Richtung. Das ist vor allem deshalb wichtig zu wissen, weil die Investition in eine Immobilie mit einer sehr langfristigen Verpflichtung und nicht unbeträchtlichen Schulden einherzugehen pflegt. Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden verdrängt bisweilen den ungetrübten Blick auf die Risiken. Auch hier gilt: Kenne deine Risiken.

Deutsche und europäische
Aktien sind erste Wahl

10. Nicht ohne die Aktie. Aus Gründen der Diversifikation und Renditeoptimierung sollten Anleger auf die Aktie nicht verzichten. Die Höhe der Dividenden ist mit Blick auf Anleiherenditen attraktiv. Die Bewertung der Aktien kann sich im Vergleich mit den Dividenden sehen lassen — da ist Luft nach oben. Zwar tauchen von einigen Seiten dunkle Wolken auf, doch die sogenannte Realwirtschaft zeigt sich robust. Deutsche und europäische Aktien sind erste Wahl, und wer sich nicht auf Einzeltitel festlegen möchte, der greift zu renommierten Aktienfonds.

Sein Vermögen langfristig sicher und ertragreich anzulegen ist keine einfache Aufgabe. Dem Anleger sollte bewusst sein, dass die Vermeidung des einen Risikos ein anderes zur Folge haben kann. Auch in der aktuellen Marktphase zeigt sich, dass das magische Dreieck aus Liquidität, Rendite, Risiko/Bonität unverändert seine Gültigkeit besitzt. Wer in diesem Umfeld eine stete positive Wert­entwicklung erzielen möchte, beachte die Chancen der Kapitalmärkte und wende sich an den professionellen Asset-Manager, getreu dem Motto: „Kenne deine Risiken und stelle die Ertragschancen dagegen.“
es4912_068.pdf

Zur Person:

Dieter Wolf,
Geschäftsführer der MEAG

Der Autor legte sein ­Examen in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Würzburg ab. Während seines Studiums (unter anderem der Mathematik) absolvierte er verschiedene Praktika in Deutschland, Großbritannien und den USA. Seine berufliche Laufbahn startete er 1976 in der Wertpapieranalyse der Bayerischen Vereinsbank. 1995 übernahm er die ­Geschäftsführung des ­Institutionellen Asset-Managements der Bayerischen Vereinsbank. Im August 1999 trat Wolf als Geschäftsführer in die MEAG ein. Er trägt die Portfolioverantwortung für ein Vermögen von mehr als 200 Milliarden Euro in Anleihen, Aktien und alternativen Investments. Die MEAG ist der Vermögensverwalter der Versicherungen Munich Re und Ergo.

Bildquellen: Vadim Balantsev / Shutterstock.com
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