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09.12.2010 06:00

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Sündige Fonds: Geldverdienen mit dem Bösen

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Bei den Todsünden Gier und Geiz spielt Geld die Hauptrolle
Ethische Investments sind gut fürs Gewissen. Manchmal bringen sie auch Rendite. Mehr Geld aber wird mit den sieben Todsünden verdient. Warum Böse an der Börse oft besser ist.

von Andreas Pilmes, Euro am Sonntag

”Edel sei der Mensch, hilfreich und gut”, notierte weiland ­Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), „denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen.“ Schon zu Zeiten des Geheimrats war das Sprüchlein nicht mehr als ein frommer Wunsch. Und besser geworden ist der Mensch per se seither wohl nicht. Aber er bemüht sich immer wieder. Seit einiger Zeit auch im finanziellen Umfeld: ethische Investments sind mehr und mehr gefragt. Dabei wäre sündhaft doch viel lukrativer.

Das zumindest ist die Überzeugung von Conrad Mattern. Der ist mitnichten hauptberuflicher Ketzer, sondern Vermögensverwalter und Spezialist für Behavioral Finance, also die Psychologie der Finanzmarkt­teilnehmer. In früheren Stationen war er unter anderem Chefvolkswirt der Activest oder Fondsmanager bei der Deka. Die Attribute „nachhaltig“ oder „ethisch korrekt“ sind für ihn nicht viel mehr als ein Marketinginstrument. „Sie sind zwar dazu geeignet, das Gewissen zu beruhigen, nicht ­jedoch zum Geldverdienen“, so Matterns Überzeugung.

Fakten stützen seine These: Auf Sicht von drei Jahren haben in Deutschland zugelassene Ethik- und Nachhaltigkeitsfonds im Schnitt fast 30 Prozent verloren, 25 Prozent ­waren es, in Euro gerechnet, beim marktbreiten Index MSCI World. Überzeugend ist beides nicht. Vermögensverwalter Mattern ist einer, der gern anders denkt und sich gegen den Strom stemmt. So ist er zum Anhänger der sieben Todsünden geworden – rein finanziell gesehen, versteht sich. Auf die hat er eine Strategie aufgebaut, die bald von dem Emissionshaus Prosperia in Form eines Geschlossenen Fonds umgesetzt wird, dem Prosperia Mephisto 1. Der ist von der Finanzaufsicht Bafin bereits zum Vertrieb zugelassen. Neben dem amerikanischen Vice Fund, der auf Alkohol, Zigaretten, Glücksspiel und Rüstung setzt, ist dies dann eines der ersten Investments, die bewusst das Sündhafte bevorzugen.

Stolz, Habgier, Neid, Zorn, Wollust, Maßlosigkeit und Trägheit – der Mönch Evagrius Ponticus formulierte im 4. Jahrhundert n. Chr. erstmals das Konzept der Todsünden, die dann kurze Zeit später von Papst Gregor I. (540–604 n. Chr.) auf die sieben ganz üblen reduziert wurde. Seien wir ehrlich, ein bisschen was davon steckt in jedem Menschen, natürlich auch in Börsianern. Wer nun welche Dosis abbekommen hat, ist egal. Der springende Punkt ist, dass die sieben Todsünden zutiefst menschliche Verhaltensweisen widerspiegeln. Die Nachfrage nach entsprechenden Produkten der „sündigen“ Unternehmen, so das Kalkül, ist also vorhanden – und zwar wenig von allgemeinen Konjunkturzyklen abhängig.

Zu jeder Todsünde gibt es eine Reihe von Wirtschaftssektoren mit dazugehörigen Investmentmöglichkeiten, die sich für eine entsprechende Strategie eignen. Und da hört das Ganze dann auf, wie eine amüsante Spielart aus der Finanzmarkttheorie zu wirken. Denn es ergibt sich ein Portfolio, das zumindest die Grundlage hat, dass es – anders etwa als bei der Nachhaltigkeit – massiv diversifiziert ist, sprich: breit über alle möglichen Branchen und Märkte gestreut. Zudem sind die Unternehmen häufig global aktiv und in ihren Märkten etabliert, das heißt, es bestehen Eintrittsbarrieren für neue Mitbewerber. Daneben erzielen diese Unternehmen hohe Gewinnmargen, besitzen teilweise sogar eine Monopolstellung. Und der Staat verdient gut an ihnen, sodass er kein großes Interesse hat, sie in ihrer Tätigkeit wesentlich einzuschränken. Dazu kommt der negative Affekt, den Todsündenaktien in der öffentlichen Wahrnehmung auslösen: Sie haben oft ein schlechtes Image, das durch ordentliche Renditen kompensiert werden muss.


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Konkret: Die Todsünde Stolz manifestiert sich in der Luxusindustrie, der Schmuck- und Kosmetikbranche sowie den Herstellern von Accessoires. So illustre Unternehmen wie LVMH, Bulgari, Hugo Boss, Tod’s oder Tiffany zählen dazu. Todsünde Nummer 2 besteht eigentlich aus zwei Teilsünden, nämlich Geiz und Habgier. Bei Geiz kommen alle Billiganbieter ins Spiel – das Modeunternehmen H & M, der Elektronikspezialist Medion oder das Reiseportal Priceline. Und in Sachen Habgier sind Investmentbanken wie Goldman Sachs ohne Zweifel die erste Adresse.

Der Neid ist eng mit dem Stolz verbunden und teilt sich in drei Bereiche auf: Automobile wie BMW und Motorradhersteller wie Harley-Davidson, gehobene Lifestyleprodukte wie Jachten oder Privatflugzeuge und schließlich High-End-Technologie wie die Produkte von Apple.Für die vierte Todsünde, den Zorn, bieten sich Rüstungsunternehmen wie Lockheed Martin oder Rockwell an, dazu Feuerwaffen von Smith & Wesson. Aber auch private Gefängnisbetreiber fallen in diese Sparte.

Kommen wir zur Spaßabteilung, der Wollust. Sie wird durch sämtliche Facetten der Erwachsenenunter­haltung abgedeckt – von Nachtklubbetreibern (Rick’s Cabaret), Dessousproduzenten (Wolford) und, nicht zu vergessen, den Herstellern und Versendern von Medien speziell für Erwachsene („Playboy“, Netflix). Die Wollust hat freilich noch einen medizinischen – und vermutlich lukrativeren – Aspekt in Gestalt von Kondomherstellern (SSL International) und Potenzmittelproduzenten (Pfizer). Auch für die Maßlosigkeit respektive Völlerei bietet sich eine Vielzahl an Branchen an. Das fängt bei Alkohol- und Tabakproduzenten an, dem Bierkonzern Carlsberg etwa oder British American Tobacco und dem Marlboro-Hersteller Altria. Weiter geht es über den Nahrungs­mittelbereich mit der Fast-Food-Kette McDonald’s bis zu den Rohstoffproduzenten wie Medusa Mining, die häufig ohne weitere Rücksicht Ressourcen abschöpfen. „Im weiteren Sinn“, so Mattern, „kommen sogar Gentechnik- und Chemieunternehmen in Betracht.“

Die siebte Todsünde ist die Trägheit, also der Umstand, dass man etwas ohne großen eigenen Beitrag erhalten möchte. Da treten Kasinos und Onlinewettanbieter in den Vordergrund, aber auch die gesamte Freizeit- und Unterhaltungsindustrie mit Unternehmen wie Time Warner oder Vail Resorts. Das ergibt unterm Strich also ein buntes Portfolio mit keineswegs abseitigen Unternehmen. Dazu entwickelte Mattern die „Ponticus-­Strategie“, die er in der Simulation für den Zeitraum von 2001 bis 2010 testete, und zwar für 500 Portfolios.

Die gleiche Strategie wandte er auf 500 Portfolios mit beliebigen globalen Aktien sowie auf nachhaltige Investments an. Ergebnis: Der MSCI World machte im Testzeitraum beinahe 33 Prozent minus, die nachhaltigen Aktien kamen auf minus 26 Prozent. Die beliebig ausgewählten Aktien landeten im Schnitt bei einem Wert leicht über null. Und die „bösen sündigen“ Aktien? Laut Mattern brachten die Simulationen im Durchschnitt über 200 Prozent plus. Selbst im schlechtesten Fall sei die Performance der sündigen Aktien noch besser gewesen als bei allen anderen Depots. Und das Ergebnis sei keineswegs von wenigen Ausreißern verzerrt worden, sondern biete im Ganzen nur einen Rückschluss: Wer ethisch investiert, wird dafür womöglich im Himmel belohnt. Sünder erhalten ihre Belohnung auf Erden.

Lesen Sie die Investor-Infos auf der nächsten Seite!

Bildquellen: iStock
Seite: 12

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Kommentare zu diesem Artikel

Angart schrieb:
09.12.2010 21:40:33

Und glauben Sie, dass bei einer zunehmend sensiblisierten Öffentlichkeit Rohstoffunternehmen es auch in Zukunft so einfach haben werden, Umweltstandards zu unterwandern. Fragen über Fragen, Herr Pilmes...

Angart schrieb:
09.12.2010 21:33:32

Völlig unausgegorener Artikel!!! Haben Sie sich mal überlegt, Herr Pilmes, was passiert, wenn die sog. Todsünden vom Gesetzgeber sanktioniert werden, z.B. in Form höherer Steuern, wie etwa beim Tabak....?

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