Vermögensverwalter: Deutschland wird favorisiert
Zum vierten Mal in Folge hat der britische Vermögensverwalter Schroders zusammen mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) das Anlageverhalten der deutschen Privatanleger untersucht. Befragt wurden 1.034 Haushalte in der Zielgruppe der Kapitalanleger. €uro am Sonntag sprach mit Schroders-Deutschland-Chef Achim Küssner über die Untersuchung.
€uro am Sonntag: Herr Küssner, was hat Sie an den Ergebnissen besonders überrascht?
Achim Küssner: Erstaunlich ist erstens die hohe Skepsis der Befragten gegenüber den USA. Knapp die Hälfte nimmt die Vereinigten Staaten als Land mit dem höchsten Risiko für Investitionen wahr. Hier wirkt sich die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA aus.
Und zweitens?
... dass die Mehrheit der Deutschen ein Auseinanderbrechen der Eurozone als größtes Risiko für internationale Kapitalanlagen sieht. Erst danach folgen die Angst vor einer globalen Rezession und hoher Inflation auf den Plätzen 2 und 3.
Wie versuchen die Anleger sich vor der Inflation zu schützen?
Knapp ein Drittel der Befragten haben Immobilien im Portfolio. Dagegen haben sich nur neun Prozent mit Gold abgesichert. Dies widerspricht der populären These, dass sich immer mehr Deutsche aus Inflationsangst mit dem Edelmetall eindecken.
Wie wirkt sich diese Angst um Europa und um die USA beim Anlageverhalten aus?
Die Risikobereitschaft ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Ein Drittel der Anleger investiert in diesem Jahr weniger als 2010. Die Europroblematik hat jedoch nicht dazu geführt, dass die
Befragten die regionale Verteilung ihrer Investitionen verändert haben. Ein Großteil investierte weder mehr noch weniger in Länder außerhalb der Eurozone. Wenn Privatanleger auf die Europroblematik reagierten, dann zogen sie sogar Gelder aus Ländern außerhalb der Eurozone ab.
Auf den ersten Blick ein irrationales Verhalten.
Ja, denn die Deutschen erkennen wohl, wo in Zukunft die Musik spielt. Knapp 54 Prozent meinen, dass China die kommende Supermacht ist. Die USA kommen bei dieser Frage auf drei, Deutschland auf fünf Prozent. Anders sieht es aber aus, wenn man nach dem bevorzugten Anlageziel fragt.
Inwiefern?
Deutschland steht als Anlageziel bei den Befragten nach wie vor ganz oben auf der Liste. 71 Prozent der Befragten haben hierzulande investiert. Allerdings mit abnehmender Tendenz. In Asien haben dagegen nur fünf Prozent einen Teil ihres Geldes angelegt.
Weshalb?
Der geringe Kenntnisstand über entfernte Regionen wird als Hauptgrund für heimatbezogene Investitionen genannt.
Was bedeuten die Ergebnisse für Schroders?
Sie bestärken uns darin, vermehrt auf Multi-Assets-Fonds zu setzen. Hier kann der Fondsmanager die notwendigen Investitionen quer über verschiedene Anlageklassen und -regionen übernehmen. Dies erhöht die Rendite und vermindert das Risiko.




