28.03.2013 11:43

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„Anlegerhaftung für zyprische Banken ist richtig“


Anleger müssen sich im Vorfeld überlegen, wo sie ihr Geld anlegen. „Keine negativen Auswirkungen durch Zypern.“

„In den deutschen Medien wird sehr aufgeregt darüber diskutiert, ob nun die kleinen Sparer und Rentner für Banken haften sollen“, sagt Daniel Zindstein, Portfoliomanager des Finanzdienstleisters GECAM AG. „Die Gegenfrage lautet: Wer denn sonst?“

Diese durchaus provokant klingende Formulierung erläutert Zindstein anhand betriebswirtschaftlicher Spielregeln: „Zunächst einmal haften bei der Unternehmensinsolvenz – und nichts anderes ist eine Bankenschieflage – die Eigentümer, in dem ihre Beteiligungen oder ihre Aktien wertlos werden.“ Wer Unternehmen Waren liefert bzw. Banken Geld leiht, müsste seine Forderungen ebenfalls abschreiben. „Das Fremdkapital einer Bank setzt sich zusammen aus Anleihen, die die Bank begeben hat und Einlagen in Form von diversen Sparprodukten“, erläutert Zindstein. Sparprodukte seien nichts anderes als ein Kredit, den der Anleger seiner Bank gibt und im Gegenzug Zinsen erhält. „Wie bei jedem Geld, das man verleiht, muss man sich vorher Gedanken machen, ob dieses auch wieder zurückgezahlt werden kann“, argumentiert der Portfoliomanager.

24 Prozent Zinsen innerhalb von fünf Jahren

Dass eine Bank, die höhere Zinsen zahlt, offenbar nicht gesund sei, da sie nicht anders an Geld komme, sollte kein Geheimnis sein. „Wer solch einer Bank sein Geld anvertraut, ist selbst schuld“, findet Zindstein. „Oder sollte man der Meinung sein, dass lieber deutsche Steuerzahler für die Verluste zyprischer Banken aufkommen sollten, anstatt derer, die dort ihr Geld anlegten und hohe Zinsen kassierten, ohne darüber hinaus auch noch Steuern auf die Zinsen zu zahlen?“ Denn Kapitalertragssteuern und Abgeltungssteuern gebe es auf Zypern nicht. In den vergangenen fünf Jahren hätten Anleger bei einer zyprischen Bank im Schnitt rund 24 Prozent Zinsen erhalten. Aus 100.000 Euro wurden folglich 124.000 Euro. Selbst bei einer einmaligen Abgabe von 9,9 Prozent, wie im ersten Entwurf der Rettungsmaßnahme vorgesehen, blieben dem Anleger noch knapp 112.000 Euro. „Es wäre mehr als gerecht gewesen, einen Teil der erhaltenen Zinsen wieder abzugeben“, sagt Zindstein. „Doch jetzt verlieren durch politische Willkür und vermeintliches Gutmenschentum viele Anleger weitaus größere Teile ihres Vermögens.“

In Zypern habe sich eine Blase gebildet, die jetzt zum Glück geplatzt sei. Denn das Geschäftsmodell das die Mittelmeerinsel nach dem Euro-Beitritt 2007 aufbaute, basiere auf niedrigen Unternehmenssteuern von zehn Prozent und keinerlei Kapitalertragssteuern. Dies geschah innerhalb einer international anerkannten und harten Währung und in Verbindung mit deutlich höheren Zinsen als in der restlichen Währungsunion. „Dadurch wurden viele internationale Geldgeber angezogen und der Bankensektor des kleinen Landes auf das Achtfache des Bruttoinlandsproduktes aufgebläht“, so Zindstein. Die Banken hätten  das Geld gewinnbringend – also zu noch höheren Zinsen als sie selbst zahlten – anlegen wollen, weshalb hohe Summen in griechische Staatsanleihen geflossen seien. Im Zuge der Griechenlandkrise gerieten sie dann in Schieflage. „Wer bei solchen Banken anlegt, weil diese hohe Zinsen zahlen, keine Steuern anfallen und möglicherweise Geld gewaschen wird, der kann auch dafür haften“, fordert Zindstein.

Garantie für Spareinlagen ist nicht möglich

Dauerhaft negative Auswirkungen der Zypern-Krise befürchtet der Experte nicht: „Im Gegenteil, jeder internationale Anleger, der marktwirtschaftlich denkt, müsste die Beteiligung der Investoren an der Rettung begrüßen.“ Dieses Prinzip müsse bei Bank-Schieflagen auch für andere Länder der Euro-Zone gelten. Dies sei noch nie anders gewesen. Eine Garantie für Spareinlagen ist für Zindstein in letzter Konsequenz gar nicht darstellbar, da eine Garantie immer nur so gut sei, wie derjenige, der sie gibt. Ein Land das pleite ist, könne die Spareinlagen nicht garantieren. „In Zukunft muss sich eben jeder Anleger überlegen, ob er bei einer türkischen, isländischen oder zyprischen Bank höhere Zinsen kassiert, oder doch lieber sein Geld bei der Sparkasse oder Volksbank anlegt, deren Solidität auf der Wirtschaftskraft des heimischen Landkreises oder der Stadt beruht.“

(PD)

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Kommentare zu diesem Artikel

enpassant schrieb:
28.03.2013 12:56:21

Einspruch! Das klingt zwar logisch, greift aber zu kurz. Da die Staaten den Handlungsrahmen für ihre Banken vorgeben, der seit Mitte der 80er zudem immer weiter gefaßt wurde, sodaß Zocken an der Tagesordnung war, hat der Staat bei Insolvenz auch die Verantwortung zu übernehmen.

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