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27.05.2005 10:25

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Asien: Der Streit zwischen China und Taiwan ist vor allem ein Schauspiel


Politisch beharken sich China und Taiwan immer wieder. Mit ein Grund, warum Aktien aus Taiwan die billigsten in ganz Asien sind. Dabei ist die Insel die Schaltzentrale der Technologiewelt und hat Unternehmen hervorgebracht, von denen viele den Titel "Weltmarktführer" tragen. Nur, wer weiß das schon?

Nordkorea ist unberechenbar, China zankt sich mit Japan und Taiwan: Was ist los in Asien?

Erst wurde mit dem Säbel gerasselt, danach sich aber doch wieder freundschaftlich die Hände geschüttelt. Die Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und Taiwan sowie ihren Politikern sind teilweise gespannter Natur. Schon immer gewesen – in diesem Jahr mit zusätzlich pikanter und aggressiver Note. Im März verabschiedete das Parlament in Peking das Anti-Abspaltungsgesetz, mit dem die "abtrünnige Provinz" Taiwan notfalls auch mit Gewalt ins Reich der Mitte "heimgeholt" werden kann.

Eine Provokation, auf die in Taipeh unterschiedlich reagiert wurde. Meist mit Gelassenheit. Ins rechte TV-Bild wurden jedoch vor allem die wütenden Proteste und Großdemonstrationen gerückt, die vom Staatspräsidenten Chen Shui-Bian angeführt wurden. Im Westen rieb man sich verwundert die Augen und machte sich Sorgen – China und Indien rüsten auf, Nordkorea ist unberechenbar wie eh und je, Japan zankt sich mit China und nun auch Taiwan. Was ist da los in Asien? Vielleicht sind auch deshalb Taiwan-Aktien superbillig.

Die USA ordern, Taiwan entwickelt und China schraubt die Technik zusammen

Die Streithähne haben sich inzwischen wieder mehr oder weniger lieb, was zum einen daran liegt, daß Scharmützel zwischen den Ländern Normalität sind, und zum anderen an der Macht des großen Geldes. China und Taiwan sowie dessen großer Beschützer USA sind wirtschaftlich so stark miteinander verflochten, daß sich keine Seite eine politische und im schlimmsten Fall militärische Eskalation leisten kann.

Bestes Beispiel ist der Technologiesektor, der bedeutendste Wirtschaftszweig des Inselstaates. Fast 50 Prozent der taiwanesischen Aktienkapitalisierung entfällt allein auf Tech-Unternehmen, die allesamt in einen globalen Mechanismus eingeklinkt sind. Ganz simpel gesagt: Die USA ordern Computer, Laptops, Konsolen und Bildschirme, Taiwan entwickelt die Geräte, organisiert die Produktion, und China schraubt die Technik zusammen.

"Taiwan wird und muß Zankapfel bleiben"

"Der politische Streit ist mehr oder weniger Show, ein Theaterstück", sagt Asien-Experte Christian Raubach von McKinsey & Co in Taipeh. "Die Wirtschaft zeigt, wie die Verbindungen tatsächlich sind. Nach außen muß China in der Taiwan-Frage jedoch Stärke demonstrieren, sonst verliert die Regierung dem Militär, aber auch dem Volk gegenüber ihr Gesicht. Taiwan wird und muß Zankapfel bleiben."

Dazu paßt hervorragend, daß nicht die Regierungspolitiker unter Chen – der Taiwan am liebsten völlig unabhängig vom Bruderland sähe – sondern die Unternehmer-freundliche Opposition für die wieder bessere Stimmung sorgte. Während Chens DPP für Provokationen zuständig ist, kommt der KMT-Partei die Rolle des Mittlers zu. Der Höhepunkt war ein Besuch von KMT-Chef Lien Chan bei Chinas Präsident Hu Jintao im April. Es wurde gescherzt und gelacht, prächtige Stimmung. "Wenn Taiwan sich isolieren will, wird das sehr, sehr negativ für uns enden. Wir machen da nicht mit", ließ Lien wissen.

Taiwans Erfolg ist Chinas Erfolg

Taiwans Erfolg ist Chinas Erfolg. Wirtschaftlich sind die Länder längst eine Einheit. Schätzungen zufolge werden bis zu 80 Prozent der taiwanesischen Tech-Exporte in Festland-China gefertigt – in Fabriken, deren Besitzer in Taipeh residieren. An den Bändern der Montagehallen stehen aber nicht nur Rotchinesen, sondern auch jede Menge Taiwanesen. Ungefähr eine Million arbeiten auf dem Festland. "Und gemanagt und logistisch überwacht wird alles in Taipeh. Hier werden die Kontakte mit den Märkten der Welt geknüpft", sagt Russell Craig vom Technologieberater Vericors.

Die Insel ist die Schaltzentrale der Technologiewelt und hat Unternehmen hervorgebracht, von denen viele den Titel "Weltmarktführer" tragen. Nur, wer weiß das schon? Meist agieren die Firmen im Verborgenen, führen Auftragsarbeiten für die großen US-Marken durch, die dann ihre Label auf das fertige Produkt kleben. Die meisten LCD-Monitore werden etwa von Taiwan-Unternehmen hergestellt, ebenso Modems und Laptops. Und vor allem die Mikrochip-Industrie ist die Domäne des Landes. TSMC und UMC sind hier die Top-Player, die Halbleiter unter anderem für Qualcomm fertigen.

"Die besten Entwickler findet man in Taiwan"

Zu finden sind all die Unternehmen entlang des SunYat-Sen Freeway an der Westküste der Insel. Firmen wie Asustek Computer, dessen Fabriken in Festland-China die iPods und MiniMacs für Apple produzieren. Einen Steinwurf weiter findet sich Quanta Computer, weltgrößter Laptop-Produzent und wichtigster Lieferant für Dell und Hewlett-Packard. Auch Sonys Playstation stammt nicht aus Japan, sondern von Taiwans Hon Hai Precision Industry. Insgesamt fertigt Taiwan 5300 US-Patente. "Die Amerikaner glauben, sie haben Produktionsschritte an Taiwan ausgelagert", kommentiert Victor Zue vom Massachusetts Institute of Technology. "Aber man kann das auch anders sehen. Taiwan macht alles selbst und hat das Marketing an die USA outgesourct."

Die Führungsrolle ist hart erarbeitet. Vor zehn Jahren war das noch anders. Taiwan baute Technologie, die in Japan, Korea oder den USA konzipiert wurde. "Die besten Entwickler findet man aber jetzt in Taiwan", sagt John Antone, Asien-Chef von Intel. Das Geheimnis: Das halbstaatliche Industrial Tech Research Institute beschäftigt 4300 Entwicklungsingenieure, die den Unternehmen neues Know-how liefern. Einen Wissensvorsprung. Dazu kommt Flexibilität, jeder Wunsch wird erfüllt. Quanta arbeitet schon mal ausschließlich nachts, um supergeheime neue Rechner für US-Kunden zu entwickeln. Lien, Hu und Chen wissen davon und bauen darauf. Sie werden die Führung zu verteidigen versuchen. Und weiter schauspielern.



Taiwan – Fakten und Investments

Land und Leute: Die abtrünnige Provinz
Taiwan wurde schon im 19. Jahrhundert zum Zankapfel der großen asiatischen Nationen China und Japan. Von 1895 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs stand das damalige Formosa unter japanischer Verwaltung. Nach dem Krieg eroberte sich China die Kontrolle zurück. Allerdings nicht lange. Nach der chinesischen Revolution flohen zwei Millionen Chinesen nach Taiwan und etablierten eine eigenständige Regierung, die das Land in den folgenden 50 Jahren langsam zu einer Demokratie entwickelte. China erkannte Taiwan allerdings nie als eigenständiges Land an, im offiziellen Sprachgebrauch Pekings ist Taiwan Chinas 23. Provinz. Heute leben 22 Millionen Menschen auf der Insel.

Wirtschaft: Wachstum dank Technologie
Wie auch andere asiatische Länder ist Taiwan mit Wirtschaftswachstum gesegnet. 2005 soll das Sozialprodukt um 4,3 Prozent zulegen, 2006 um 4,5 Prozent. Allerdings ist das doch deutlich weniger als noch voriges Jahr, als es um 5,9 Prozent nach oben ging. Aber das weltweite Phänomen Wachstumsabschwächung macht vor fast keinem Land halt. Taiwan ist stark von der Technologiebranche geprägt und damit auch dem zyklischen Auf und Ab der Branche ausgesetzt.

Börse: Billiger als die Nachbarn
An Taiwans Börse hat sich im vergangenen Jahr unterm Strich so gut wie nichts getan. Das muß allerdings nicht so bleiben. Die Aktien gelten als billig. Das KGV liegt bei 13, das ist so niedrig wie sonst nigends in Asien. Auch die Dividendenrendite ist mit durchschnittlich vier Prozent ungewöhnlich hoch. "Einsteigen" sagt die Investmentbank UBS, zumal gerade auch im Techbereich die Kurse vor einem Comeback stünden.

Investments: Fonds für "Greater China"
In Taiwan investiert man am besten über Fonds. Doch reine Taiwan-Fonds sind selten, im Fondsuniversum der FINANZEN Fonds Software FVBS finden sich gerade einmal drei der Spezies, darunter etwa der Fidelity Taiwan (ISIN LU 007 545 860 3) sowie der JF Taiwan (ISIN LU 011 784 348 1). Alternativ bieten sich sogenannte Greater-China-Fonds an, die auch in Papiere aus Singapur oder Hongkong investieren. Hier tut sich vor allem der First State Greater China Growth (ISIN GB 003 387 410 7) hervor, der 2005 am stärksten zugelegt hat. Schon länger am Markt ist der Comgest Growth Greater China (ISIN IE 003 035 173 2), der über die vergangenen drei Jahre 43 Prozent Plus machte.

Aktienfonds Taiwan
1. Fidelity Taiwan
2. JF Taiwan A $
3. UBS (Lux) E.F. Taiwan B

Aktienfonds Greater China
1. ACM NewAll. GreaterChina A
2. Activest GreaterChina
3. Comgest Growth Greater China
4. CS EF (Lux) Greater China B
5. Fidelity Greater China
6. First State GreaterChinaGrowth
7. FORTIS Greater China C
8. Invesco GT GreaterChina Opp. A
9. JF Greater China A USD
10. Magna Greater China Fund A
11. PF-Greater China-P
12. Pioneer Greater China A
13. Schroder Greater China A Acc
14. UBS (Lux) E.F. Greater China B



Anmerkung: Weitere Infos (Fondstabelle) finden Sie als PDF im Dateianhang.

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