DAX6.050-3,4%  Dow12.119-2,2%  Euro1,24320,6% 
ESt502.069-2,4%  Nas2.748-2,8%  Öl98,82-2,8% 
TDax730,9-2,7%  Nikkei8.440-1,2%  Gold1.6264,2% 

13.01.2006 16:00

Senden

Asien: Kleine Gesten zwischen China und Japan, tiefe Gräben bleiben


Wirtschaftlich sind Japan, China, Taiwan und Südkorea fest miteinander verbunden. Politisch jedoch herrscht Eiszeit. Korea tendiert zu China, Taiwan mit den USA zu Japan. Eine neue Blockbildung in Asien wird immer wahrscheinlicher. Mit viel Konfliktpotential.

Stift-Diplomatie zwischen China und Japan

Gemurmelte Worte, mehrere Verbeugungen, Lächeln, ein Fingerzeig. Japans Premier Junichiro Koizumi bekam, was er wollte: den Füller von Wen Jiabao. Und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Koizumi erntete den Applaus der anwesenden Diplomaten und Journalisten. Der chinesische Regierungs-Chef ebenso, denn nach einem Moment des Zögerns konnte Wen nicht mehr anders, als dem Rivalen seinen Schreiber zu reichen.

Auf dem ersten Gipfel ostasiatischer Staaten am 14. Dezember in Kuala Lumpur mögen keine weltbewegenden Erklärungen unterzeichnet worden sein, dafür sorgte die Stift-Diplomatie zwischen China und Japan für Aufsehen und Fehlinterpretationen.

Wen hatte es zuvor vehement abgelehnt, Koizumi auf ein Zwiegespräch zu treffen. Das hat Tradition: Zwischen den beiden gewichtigsten asiatischen Staaten hat es seit 2001 keine bilateralen Konferenzen mehr gegeben.

Stein des Anstoßes sind vor allem Koizumis inzwischen fünf Besuche des Yasukini-Schreins in Tokio, in dem auch japanische Kriegsverbrecher geehrt werden. Wer durch die Füller-Geste nun ein entspannteres Verhältnis erwartete, wurde aber enttäuscht: "Die Haltung zu den Geschichtsfragen zwischen China und Japan hat sich nicht geändert", teilte die Regierung in Peking mit.

Angst vor einem Über-China

Das Klima in Asien ist rauh, rauher als es im Westen wahrgenommen wird. Auch deswegen wurde der Gipfel einberufen, der die zehn südostasiatischen ASEAN-Staaten, wie beispielweise Indonesien und Malaysia, an einen Tisch mit China, Südkorea, Japan, Indien sowie Australien und Neuseeland brachte.

Die USA als einflußreiche Größe im pazifischen Raum blieb außen vor. Beraten wurde über eine Wirtschaftsgemeinschaft ähnlich der EU, ein Gegengewicht zu den USA soll gebildet werden und vor allem eins zum neuen Giganten China – auch wenn das so offiziell niemand hören oder gar bestätigen will.

Denn Asien hat Angst vor einem Über-China, auch vor einem wieder- erstarkenden Japan. Und Asien hat vor allem Angst vor einer eskalierenden Rivalität zwischen den beiden Großmächten.

China hat die Dynamik, Japan die Substanz

85 Prozent der Wirtschaftskraft Ostasiens wird von Japan und China erbracht. Schon jetzt ist die Dominanz der beiden Länder deutlich spürbar. Auch im Rest der Welt. "2005 war das sinojapanische Handelsvolumen zum erstenmal größer als der Warenaustausch Japans und Chinas mit den USA oder mit Europa", sagt Karl Pilny, Asien-Kenner und Autor des Buches "Das asiatische Jahrhundert".

Für Pilny stehen die beiden Länder am Scheideweg: "In den kommenden Jahren wird sich entscheiden, ob Japan und China vereint zu Supermächten aufsteigen, die nicht nur Asien, sondern die Weltwirtschaft dominieren."

China hat die Dynamik, Japan die Substanz. Umgerechnet zehn Billionen Euro Sparguthaben können die Japaner vorweisen, soviel wie keine andere Nation. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner liegt bei 25000 Euro, das ist mehr als in Deutschland – in China beträgt es gerade einmal 4500 Euro.

Dafür sind dort die Wachstumsraten zwischen acht und zehn Prozent pro Jahr Spitze, gemessen an der Kaufkraft ist das Land jetzt schon nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Politische Eiszeit in Ostasien

Bei den Exporten spielt China in Asien die erste Geige. Und das erstaunlichste: In Sachen Technologie und Telekommunikation ist China laut neuesten Berechnungen des OECD sogar schon Exportweltmeister, die Hightech-Nation USA wurde auf Rang 2 verdrängt, Japan folgt nur auf 3.

Das schürt die Rivalität der beiden Nationen, von einem gemeinsamen Weg kann keine Rede sein. Auch wenn die Region wirtschaftlich verflochten ist wie nie zuvor. "Wir haben es mit einer extremen Abkoppelung der Wirtschaft von der politischen und kulturellen Ebene zu tun", sagt Pilny.

"Was die Unternehmen angeht, harmonieren die Länder. Aber die Beziehungen der Regierungen untereinander sind verhärtet, auch das Volksgefühl verschlechtert sich. Man kann sagen, die sinojapanischen Beziehungen sind auf einem Tiefpunkt."

China und Japan – das scheint eine unheilvolle Allianz aus unbewältigter Vergangenheit und dem Kampf um Ressourcen. Trotz Koizumis Stift-Diplomatie in Kuala Lumpur herrscht Eiszeit in Ostasien. Japan wird fast von allen Seiten geschnitten. "Dabei ist das Verhältnis China-Japan essentiell für das fragile Asien. Die Konfliktgefahr ist hoch", gibt Nobuyuki Nakahara, Ex-Mitglied der japanischen Notenbank, zu.

"Der politische Diskurs erinnert an das asiatische Brettspiel Go"

China verweigert Gipfeltreffen, Koreas Staatspräsident Roh Moo Hyun sagte seine Dezember-Reise nach Tokio ab, Peking blockt Japans Aufnahme in den UN-Sicherheitsrat, Nordkoreas Kim Jong Il verbreitet schillernde Märchen über den antijapanischen Widerstand im Zweiten Weltkrieg, um seine eigene Macht zu festigen.

Und in Shanhgai muß der japanische Immobilen-Tycoon Minoru Mori seine Pläne für den mit 492 Metern zweitgrößten Wolkenkratzer der Welt ändern – die chinesische Regierung fühlt sich bei einer kreisrunden Öffnung an der Spitze des Turmes zu sehr an Japans Flagge erinnert.

"Der politische Diskurs erinnert an das asiatische Brettspiel Go. Die Spieler gehen sich nicht direkt an, sondern besetzen einzelne Felder und bilden Allianzen, um den Gegner einzuengen", sagt Pilny.

So läßt sich auch die Charme-Offensive Koizumis in Kuala Lumpur erklären, wie auch die anhaltenden Provokationen – so sehr sich manche Aktionen auch widersprechen mögen. "China ist ein Nachbarstaat mit Atombomben, dessen steigende Militärausgaben zu einer beträchtlichen Bedrohung für Japan werden", ließ beispielsweise Japans Außenminister Taro Aso die Öffentlichkeit parallel zum Gipfel in Kuala Lumpur wissen.

Die größte Freihandelszone der Welt

Weitere Spielzüge sind Japans Truppen im Irak, geschichtsverfälschende Schulbücher, der Versuch Koizumis, den Artikel 9 der Verfassung zu revidieren, der Japan bisher Krieg verbietet, und vor allem die Weigerung Japans, sich für Kriegsverbrechen an Chinesen und Koreanern zu entschuldigen.

China läßt sich auf das Go-Spiel ein und fordert Japan seinerseits durch geschickte Spielzüge in der Wirtschaft heraus. So wurde vor einigen Wochen in Kasachstan eine Pipeline in Betrieb genommen, über die China mit jährlich 140 Millionen Barrel Öl versorgt werden soll. Dem rohstoffarmen Japan blieb das Nachsehen.

Auch kleinere, aber aufstrebende Staaten wie Laos, Kambodscha oder Vietnam will China an sich binden. Mittelfristig soll mit allen ASEAN-Staaten die mit rund zwei Milliarden Menschen größte Freihandelszone der Welt geschaffen werden.

Indien, der nächste kommende Wirtschaftsriese in Asien, ist da nicht mitgerechnet – aber hier hat Peking ebenfalls schon Kooperationen abgezeichnet. "Das Interessante ist, daß Japan, ebenfalls immer dort auftauchte, wo China war. Aber eben meist erst hinterher", sagt Pilny.

Neue Blockbildung

Japan "rächt" sich dafür mit "Kokunai Kaiki", der Rückkehr ins Inland. Große Konzerne wie beispielsweise Canon verlagern ihre erst in den 90er Jahren gebauten chinesischen Fabriken wieder zurück nach Japan. Der höheren Löhne zum Trotz.

Begründet wird die neue Strategie mit dem Schutz geistigen Eigentums, der in China nicht gewährleistet sei, sowie der höheren Flexibilität und des größeren Wissens der japanischen Arbeiter.

Eine neue Blockbildung scheint in Fernost immer wahrscheinlicher zu werden. Die Go-Spieler stecken ihre Territorien ab. Und weil sich Japan partout nicht mit Chinesen und Koreanern aussöhnen will, bleibt nur die USA als Bündnispartner, die wiederum mit Taiwan den stetig wachsenden Giganten China wirtschaftlich wie politisch in Schach halten wollen.

Der gemeinsame Nenner heißt Mißtrauen

Der gemeinsame Nenner der ehemaligen Kriegsgegner heißt Mißtrauen. Gegen Südkorea beispielsweise, das mit Hilfe der Volksrepublik China die Annäherung an Nordkorea wagt. Die Wiedervereinigung wird hier mittelfristig immer wahrscheinlicher, eine darauf folgende Hinwendung zu China ebenso.

Das Kriegsjubiläumsjahr in Japan ist seit der Silvesternacht beendet, die Provokationen werden bleiben. Auch nach dem Abtritt Koizumis Ende 2006. Die potentiellen Nachfolger Aso und Kabinettssekretär Shinzo Abe gelten als veritable Hardliner. An Heilig Abend bekräftigte Abe, Japan wolle weiter mit den USA eine gemeinsame Raketenabwehr entwickeln. Ostasiens Eiszeit wird andauern.



Die Börsen: Korea vor Japan
Asiens Börsen gehören zu den besten des Jahres 2005. Sie sind aber nicht immun gegen Schwächen der Weltwirtschaft. Sollte etwa der Konsum in den USA nachlassen, wäre gerade der Export-Gigant Korea stark betroffen. Dasselbe gilt für die technologielastige Börse in Taiwan. Einzig Japan mag man einen gewissen Sonderstatus zugestehen, da der Konjunkturaufschwung vor allem von der Binnenwirtschaft getragen wird. Trotzdem sollte man vorsichtig mit Investments sein. Konsolidierungen stehen an. Fonds-Sparpläne werden so zur guten Alternative.

Die Fonds: Der Mix macht’s
Ein Greater-China-Fonds hat Vorteile. Investiert wird in die Top-Aktien aus China, Hongkong und Taiwan. Das macht ökonomisch Sinn, sind doch die drei Volkswirtschaften stark miteinander verbunden. Und politisch ist Hongkong inzwischen Teil Chinas – wenn auch mit Sonderstatus. Und Taiwan könnte dieses Schicksal mittelfristig ebenso ereilen. Wer komplett in Ostasien investieren will, nimmt auch noch Korea- und Japan-Fonds dazu.


Korea-Fonds

Fonds: Wertentwicklung 2005 (in %)
1. dit-Korea USD: 110,4
2. Schroder Korean Equity A Acc: 94,6
3. Fidelity Korea: 92,9
4. Baring Korea Trust: 85,1
5. CAF Korea C (thes.): 78,6
6. CS EF Korea: 74,0
7. Templeton Korea A acc: 67,4
8. Invesco GT Korea A: 67,0


Taiwan-Fonds

Fonds: Wertentwicklung 2005 (in %)
1. JF Taiwan A (dist) – USD: 49,6
2. Fidelity Taiwan: 36,2
3. UBS (Lux) E.F. Taiwan B: 29,7


Japan-Fonds

Fonds: Wertentwicklung 2005 (in %)
1. VCH Expert Japan Opportunities: 73,6
2. Invesco GT Japan A: 72,0
3. Callander Japan NewGrowth C2 €: 70,7
4. Invesco GT Nippon Growth A: 69,5
5. Franklin T'ton Japan A acc ¥: 65,5
6. UBAM-Japan Equity A: 59,0


China-Fonds

Fonds: Wertentwicklung 2005 (in %)
1. Schroder Greater China A Acc: 36,6
2. First State Great.ChinaGrwth A: 35,9
3. Invesco PRC Equity A: 31,0
4. Fidelity Greater China: 30,1
5. UBS (Lux) E.F. Greater China B: 29,8
6. Schroder Hong Kong Equity A: 29,5
7. Fidelity China Focus: 29,3


Quelle: FINANZEN Fundanalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 31.12.2005.

Kommentare zu diesem Artikel

Geben Sie jetzt einen Kommentar zu diesem Artikel ab.
 Kommentar hinzufügen 

ANZEIGE

Fondsfinder

Fondsname:
KAG:
Fondsart:
 
Ausgabeaufschlag:
Mindestalter:
Jahresperformance:
Volumen:
S&P Rating:
Fondsnote:
Sortieren nach:
 Suchen 

ANZEIGE

Was halten Sie von nutzergenerierten Chartanalysen auf finanzen.net?
Ich würde liebend gerne mein Wissen über Chartanalyse dem Publikum von finanzen.net zur Verfügung stellen.
Ich kenne mich bei Chartanalyse nicht so gut aus, halte nutzergenerierte Chartanalysen aber für einen echten Mehrwert.
Ich halte nichts von den Methoden der Chartanalyse und habe deshalb auch kein Interesse an nutzergenerierten Analysen.
 Abstimmen