von Jörn Kränicke, €uro am Sonntag
"Tu Felix Austria“ mag man in diesen Zeiten kaum in den Mund nehmen. Eine Insel der Glückseligen ist Österreich schon lange nicht mehr. Die Börse in Wien wird meist noch stärker abgestraft als das Frankfurter Parkett, wenn es irgendwo auf der Welt kriselt. Unser Nachbar wird von vielen Anlegern dann meist als verlängerter Arm Osteuropas gesehen, Risikokapital schnell abgezogen.
Doch bei nüchterner Betrachtung spricht vieles für Austro-Aktien, meint Alois Wögerbauer, Manager des 3-Banken-Österreich-Fonds. Und Wögerbauer sollte es wissen: Er managt den besten Fonds mit Fokus Österreich, der seit Auflage 2002 ein Plus von 180 Prozent eingefahren hat und sich zudem als einziger Austria-Fonds mit der €uro-FondsNote 1 schmücken darf.
„Österreichische Aktien sind zu billig — nicht mehr und nicht weniger“, sagt Wögerbauer. Dies bedeutet: Die Aktien des ATX notieren rund 15 Prozent unter ihrem Buchwert, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist einstellig. Zugleich liegt die Dividendenrendite bei knapp vier Prozent. Den Grund für die Schnäppchenpreise sieht der Manager unter anderem darin, dass die Anleger in der Regel übersähen, was in den österreichischen Unternehmen passiert. „In vielen Fällen ist die Lage der Unternehmen klar besser als die öffentlich wahrgenommene Stimmung“, sagt Wögerbauer.
Allerdings gibt er sich nicht der Illusion hin, dass sich dies über Nacht ändern wird. „Schritt für Schritt wird man aber erkennen, dass es in vielen Fällen gerade auch in diesem Umfeld erfolgreiche Geschäftsmodelle gibt“, spricht Wögerbauer sich selbst Mut zu.
Die hohe Volatilität der Wiener Börse führt Wögerbauer vor allem auf die Indexschwergewichte wie Erste Bank, OMV, Andritz und Voest zurück. „Alles Unternehmen, bei denen das wirtschaftliche Umfeld oder internationale Finanzmarktunsicherheiten direkter durchschlagen als in Märkten wie der Schweiz, die von Pharma- und Lebensmitteltiteln beherrscht sind.“
Grundsätzlich hält Wögerbauer immer lang- und kurzfristige Investments. Längerfristige Positionen sind etwa Austriamicrosystems, ein Zulieferer für Smartphones, Tablet- PCs und zahlreiche andere Anwendungen im Industrie-, Medizintechnik- oder Konsumbereich. Oder Kapsch Traffic, einer der Hauptprofiteure des Ausbaus von Mautsystemen.
Bei den taktischen Investments scheut Wögerbauer sich auch nicht, einen Blick auf die Banken zu werfen — etwa auf Raiffeisen International. „Angesichts des Geschäftsmodells ist der Abschlag zum Buchwert aus unserer Sicht zu hoch.“ Zudem setzt er auch auf zyklische Werte wie RHI, einen Hersteller von feuerfesten Produkten. Die Aktie ist seiner Ansicht nach mit einem KGV zwischen sechs und sieben schlicht und einfach unterbewertet.