07.12.2012 07:45
Bewerten
(0)

Berater müssen neue Angebote entwickeln

DRUCKEN

Umfeld der Anlageberatung verändert sich. Niedrigzinsen, Regulierung und Kundenwünsche fordern Berater heraus.

„Sicherheit ist in den vergangenen Jahren treibendes Anlagemotiv gewesen, und eine Verlagerung von Vermögen in einfache Sparprodukte ist für viele Anleger die offensichtliche Antwort“, resümiert Patricia Wruuk von DB Research das Anlageverhalten der Vergangenheit. Angesichts derzeitiger historisch niedriger Zinsen nähmen die Sorgen um einen langfristigen Vermögensaufbau allerdings zu. „Die Lösung für dieses Anlageproblem ist weniger naheliegend, und so zeigt der Anstieg von Bargeld und Sichteinlagen in den Vermögen privater Haushalte im ersten Halbjahr diesen Jahres nicht nur anhaltende Unsicherheit angesichts der Eurokrise, sondern auch eine gewisse Ratlosigkeit auf der Suche nach Alternativen bei der Geldanlage.“ Um geringe Renditen wettzumachen, reagierten viele Anleger daher mit verstärkten Sparanstrengungen. Ob Sparen oder Geldanlage, viele hätten das Gefühl, dass es wenig bringe, dafür aber in Form von Konsumverzicht oder Transaktionsgebühren Kosten anfallen.

„Finanzberatung steht vor der Aufgabe, ein anhaltendes Sicherheitsbedürfnis mit der behutsamen Revision historisch gebildeter Renditeerwartungen in Einklang zu bringen“,  sagt Wruuk. In der gegenwärtigen Situation könnten Berater so einen nachhaltigen Mehrwert liefern. Allerdings sei es nicht leicht, dieses unmittelbar und überzeugend zu verdeutlichen. „Die Renditen bleiben oft geringer als in der Vergangenheit und der eigentliche Nutzen von Anpassung des eigenen Portfolios an die neuen Bedingungen dürfte sich mitunter erst längerfristig zeigen“, so die Expertin. Zwar schaffe diese Situation im Grunde Beratungsbedarf. Das aus Erwartungen und dem derzeitigen Anlageumfeld entstehende Spannungsumfeld löse sie jedoch nicht.

An diesem Punkt kommt für Wruuk die Regulierung ins Spiel. Diese ändere nichts am Zinsumfeld, sei aber mitentscheidend dafür, welche Beratungsangebote sich vor dem aktuellen Hintergrund entwickeln könnten. Auf europäischer Ebene ist die MiFID-Neufassung das derzeit überragende Thema, aber auch in einigen Ländern stehen Neuerungen an. In Deutschland ist es beispielsweise der Referentenentwurf zur Honorarberatung. „Märkte für Anlageberatung unterscheiden sich stark, geprägt durch Faktoren wie Sparverhalten, Steueranreize sowie soziale Sicherungssysteme“, erläutert Wruuk. Ausgangsbedingungen und die Wirkung von Regulierung seien daher nicht ohne weiteres länderübergreifend übertragbar. „So ist etwa in den Niederlanden oder dem Vereinigten Königreich der Vertrieb vieler Finanzprodukte per Telefon oder Internet, häufig auch ohne Beratung, im Vergleich zu Deutschland bereits stärker ausgeprägt.“ Dort anstehende Neuerrungen dürften diesen Trend weiter beschleunigen. „Gleichzeitig kommt für Deutschland hinzu, dass eigene Vorsorge zur Alterssicherung wichtig ist, auch weil etwa Betriebsrenten in einem geringeren Maße als beispielsweise in den Niederlanden die staatlichen Leistungen ergänzen“, so Wruuk. Und im Gegensatz zu Großbritannien, wo traditionell ein stärker kapitalmarktbasiertes System vorherrsche, sei diese Situation in Deutschland immer noch relativ neu. Daher sei es sowohl für die individuelle Vorsorge als auch für die Volkswirtschaft wichtig, dass der Zugang zu Beratung gut und das Angebot entsprechend breit ist.

Unzufriedenheit mit der Beratung sei vor diesem Hintergrund zu vermeiden. Auch Nichtberatung als Folge von Unzufriedenheit habe Nachteile: „Angesichts niedriger Zinsen könnten Anleger, die höhere Renditen wollen, leicht in den grauen Kapitalmarkt abwandern“, befürchtet Wruuk. „Wer dagegen Sicherheit sucht, flüchtet schnell in bestimmte Assetklassen, die einen (vermeintlich) sicheren Hafen versprechen.“ Damit gingen schnell typische Anlagefehler wie mangelnde Portfoliodiversifizierung einher. Zudem bestehe die Tendenz, bereits Bekanntes zu kaufen. Dadurch könnten sich Anlagemuster verstetigen, die möglicherweise aufgrund der neu gearteten Anlagesituation überdacht werden müssten. „Schließlich hat auch die derzeitig gängigste Reaktion, nämlich das Aufschieben von Anlageentscheidungen, Kosten“, warnt Wruuk. Diese zeigten sich längerfristig in Form mangelnder Absicherung und Vermögensbildung, weshalb das Aufschieben keine Alternative sei.

„Anlageberatung betritt derzeit Neuland in mehrfacher Hinsicht, implementiert neue Anforderungen, entwickelt Lösungen für ein neues Anlageumfeld und muss beides mit den Erwartungen der Kunden in Einklang bringen“, fasst die Expertin die Problematik zusammen. In diesem Anpassungsprozess, dem sich Berater unterziehen müssten, könnte die Honorarberatung einen Bestandteil darstellen. Ein Allheilmittel sei sie jedoch nicht. Vielmehr liege es in der Hand der Berater, das neue Umfeld zu nutzen: „Eben weil es für neue Situationen kein Patentrezept gibt, sollten es die gesetzlichen Rahmenbedingungen erleichtern, Angebote zu entwickeln sowie dabei Vielfalt und Wettbewerb zu ermöglichen.“

(PD)

powered by
€uro FundResearch

Fondsfinder

Suchen

Heute im Fokus

DAX geht kaum bewegt ins Wochenende -- US-Börsen kaum verändert -- Bundestagswahl und DAX: Darauf hoffen Börsianer -- Lufthansa mit guten Chancen bei Air Berlin -- Apple, Siltronic, Airbus im Fokus

Siemens und Alstom ringen um Bahntechnik-Bündnis. L'Oreal-Aktie profitiert von Spekulationen über Nestlé-Anteil. Liliane Bettencourt: Reichste Frau der Welt ist tot. China kritisiert Herabstufung durch Ratingagentur S&P. Personalvermittler Adecco setzt Erlöswachstum im dritten Quartal fort.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

The rise of Tiger and Dragon: Die besten Aktien aus China!

China ist das Bevölkerungsreichste Land der Erde. Mit einem zuletzt gemeldeten Wirtschaftswachstum von fast 7 % im 1. Halbjahr 2017 ist das Land auf bestem Wege, das eigene Wachstumsziel zu übertreffen. Erfahren Sie im neuen Anlegermagazin, bei welchen chinesischen Aktien vielversprechende Zukunftsaussichten bestehen und warum.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Top-Rankings

KW 38: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 38: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
KW 37: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten

Umfrage

Der Dieselskandal hat die Reputation der deutschen Wirtschaft beschädigt. Unterstützen Sie deshalb die Forderung der Anti-Korruptions-Organisation nach einem Unternehmensstrafrecht?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Scout24 AGA12DM8
Daimler AG710000
Apple Inc.865985
Allianz840400
BASFBASF11
E.ON SEENAG99
BMW AG519000
BYD Co. Ltd.A0M4W9
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Siemens AG723610
adidas AGA1EWWW
CommerzbankCBK100
TeslaA1CX3T
Deutsche Telekom AG555750