25.03.2013 13:35
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Bonus-Schranken für Fondsmanager sind billiger Populismus

Wien (www.fondscheck.de) - Jetzt soll es also auch den Fondsmanagern an den Kragen gehen, so die Experten von "FONDS professionell".

Nachdem sich die EU-Staaten darauf geeignet hätten, die Boni der Banker zu regulieren, wolle das Europaparlament die Regeln nun auf Manager von Publikumsfonds übertragen. Das Ansinnen möge in weiten Teilen der Bevölkerung auf Zustimmung stoßen, schieße aber völlig über das Ziel hinaus - und sei nebenbei auch gar nicht dazu geeignet, das Finanzsystem zu stabilisieren oder das Geld der Steuerzahler zu schützen.

Doch von vorne: Ende vergangener Woche habe der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments über die Novelle der EU-Fondsrichtline Ucits abgestimmt. Insgesamt gebe es fast 35.000 solcher Fonds, die zusammen mehr als sechs Billionen Euro verwalten würden. Eingewebt in die Novelle hätten die Parlamentarier die neuen Boni-Regeln für Fondsmanager. Demnach dürfe die variable Vergütung höchstens so hoch sein wie das Fixgehalt. Die Hälfte des Bonus müsse zudem in Fondsanteilen ausgezahlt werden. Betroffen seien nicht nur die direkt verantwortlichen Portfoliomanager, sondern auch deren Chefs und alle, die bei Investmententscheidungen mitreden dürften.

Ob die Bonusregeln tatsächlich in der aktuellen Form in Kraft treten würden, sei noch völlig offen. Zunächst müsse das Plenum des EU-Parlaments die Paragrafen absegnen, erst dann könnten Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission beginnen. Scheitere das Regelwerk, wäre das ein Gewinn - nicht nur für die Branche, sondern auch für den Rechtsstaat. Denn die Bonusgrenze wäre ein krasser Eingriff in die Vertragsfreiheit. Warum in alles in der Welt solle der Staat einem Arbeitgeber vorschreiben, wie viel er seinen Angestellten zahlen dürfe? Gerechtfertigt sei das nur, wenn ein höheres Interesse dafür spreche. Bei großen Banken möge das gegeben sein, bei Fondsanbietern sei es das nicht.

Die Banken hätten in den vergangenen Jahren leider oft genug bewiesen, dass sie Gewinne gerne selbst einstreichen würden, Verluste aber genauso selbstverständlich auf den Steuerzahler abwälzen würden. Dass der Staat dieses Modell mittrage, habe einen einfachen Grund: Ohne Banken funktioniere die Wirtschaft nicht, sie seien systemrelevant. Bei Fondsgesellschaften sei das nicht der Fall.

Springe der Staat ein, um die Commerzbank zu retten? Klar. Denn sonst würde am nächsten Tag ein Run auf die Banken einsetzen, und die Wirtschaft würde binnen Tagen kollabieren. Würde Frau Merkel auch helfen, wenn DWS, Allianz Global Investors oder Deka vor der Insolvenz stünden? Hoffentlich nicht. Denn die Auswirkungen wären relativ gering: Das Geld der Fondsanleger sei als Sondervermögen geschützt, die Verwaltung der Portfolios könnte ein anderer Vermögensverwalter übernehmen. Und genau diese fehlende Systemrelevanz spreche dagegen, den Fondsanbietern ein Gehaltsregime zu diktieren.

Der Grünen-Politiker Sven Giegold, der das Regelwerk als Berichterstatter im EU-Parlament federführend betreue, sehe die Abstimmung "als wichtigen Schritt für Finanzmarktstabilität und verbesserten Anlegerschutz bei Investmentfonds". Tatsächlich enthalte die Novelle einige Punkte, die den Anlegerschutz verbessern könnten. Dazu würden zum Beispiel neue Regeln für Performancegebühren zählen, bei denen es einige Anbieter wirklich zu weit getrieben hätten. Die Bonus-Schranken würden Anlegern dagegen nichts helfen. Wahrscheinlich sei sogar das Gegenteil der Fall.

Vielen Politikern dürfte nicht klar sein, wie zyklisch das Geschäft der Fondsanbieter sei. Weil die Einnahmen der Gesellschaften fast ausschließlich vom verwalteten Vermögen abhängen würden, seien sie radikal der Marktentwicklung ausgeliefert. Stehe der Dax bei 8.000 Punkten, verdiene ein Aktienhaus prächtig. Falle der Index im nächsten Jahr auf 4.000 Punkte, kämpfe es ums Überleben. Die nötige Flexibilität würden die Fondsanbieter nur erhalten, wenn sie einen hohen Teil ihrer Gehälter vom Geschäftserfolg abhängig machen dürften - die meisten anderen Ausgaben seien schließlich fix.

Das Beispiel Großbritannien verdeutliche die Verhältnisse: Ashmore-Chef Mark Coombs habe im vergangenen Jahr gerade mal ein Fixgehalt von 100.000 GBP bezogen - für Londoner Verhältnisse ein mageres Salär. Erst der Bonus von 1,8 Mio. GBP lasse sein Gehalt üppig erscheinen. Müsste Ashmore seinem Chef und anderen Topmanagern 900.000 GBP Fixgehalt bieten, würden die Fonds wohl deutlich teurer werden - anders könnte die Gesellschaft schlechte Jahre kaum überstehen. Sehe so Anlegerschutz aus? (25.03.2013/fc/a/f)

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