China: Greenspan warnt vor irrationalem Überschwang
Selbst Mönche eröffnen Wertpapierdepots
Ihr Ruf eilt ihnen voraus. Chinesen gelten als Zocker, als hemmungslose Spieler. Ein Klischee, dem man gerne Glauben schenkt angesichts des Wahnsinns, der jetzt schon seit Monaten die Börsen in Shanghai und Shenzhen beherrscht. Oder was sollen 85 Prozent Plus im laufenden Jahr und 130 Prozent Plus im vergangenen Jahr anderes sein als blanker Irrsinn?
Aktiengewinne scheinen an den chinesischen Börsen eine ausgemachte Sache zu sein. Ein Minicrash im März wurde längst verdaut. Darum will jeder dabei sein: Büroangestellte stecken ihre mühsam verdienten Yuan in vermeintliche Gewinnerpapiere.
Ebenso Rentner, die eigens eine Hypothek auf ihr Haus aufgenommen haben. Oder einfache Putzfrauen. Oder gar ein buddhistischer Mönch. Letzterer zierte unlängst das Titelbild der Tageszeitung "Beijing Youth Daily", weil er Anfang Mai ein Depot bei einem Broker eröffnete.
Egal ob Mönch oder Putzfrau, allein in diesem Jahr wurden 16 Millionen neue Wertpapierdepots angelegt. Das ist fast ein Sechstel (!) der insgesamt 95 Millionen Depots. Da schrillen die Alarmglocken.
Greenspan warnt vor "irrationalem Überschwang"
Der reichste Mann Asiens, Li Ka-Shing, warnt vor einer Blase. "Als Chinese bin ich über die Börse in China besorgt", sagt der 78-jährige Milliardär aus Hongkong. Andere rufen nach Interventionen seitens der Politik: "Wenn Peking zu lange wartet, könnte es eine ganz harte Landung geben", warnt Hong Liang von der weltweit größten Investmentbank Goldman Sachs.
Und in Deutschland spricht Anlage-Guru Gottfried Heller in Anlehnung an Ex-US-Notenbankchef Alan Greenspan vom "irrationalen Überschwang". Greenspan selbst meldete sich vergangene Woche zu Wort und bremste kurzfristig den Anstieg der Kurse weltweit:
"Die jüngsten Gewinne sind nicht nachhaltig, eines Tages wird es einen kräftigen Einbruch geben." Das globale Wachstum sei jedoch stark genug, um einen Verfall der Aktienpreise in China auszuhalten.
Geld anlegen heißt in China "mit Aktien spielen"
Zu teuer sind Chinas Aktien geworden. An der Börse Shanghai werden die Unternehmen im Schnitt mit dem 50-Fachen ihres Gewinns bewertet. Gleichzeitig gibt es Aktien derselben Unternehmen an der Börse Hongkong zu einem Drittel des Preises. Die Börsennovizen in Shanghai und Shenzhen ignorieren diesen Umstand und investieren weiter.
Geld anlegen heißt in China schließlich "Wan gupiao", zu Deutsch "mit Aktien spielen". Die Anleger sind optimistisch, dass es mit den Kursen weiter bergauf geht. "Wir können immer noch Geld verdienen", so eine aktienbegeisterte Chinesin, die an einem Online-Terminal beim Pekinger Broker Tiantong Securities Orders eintippen will. Was sie kauft, weiß sie nicht. "Ich lerne noch", so ihr Kommentar.
Was bleibt ihnen auch anderes übrig: Die Chinesen sind geradezu tragische Opfer ihres eigenen Systems. 40 Prozent ihres Einkommens legen sie auf die hohe Kante – das ist löblich und sucht seinesgleichen in der Welt. Das Dilemma: Bei den Banken gibt es kaum mehr als drei Prozent Zinsen. Das ist weniger als das, was die Inflation wegfrisst.
In China heißt ein Bullenmarkt "Hirschmarkt"
Anleihen werfen ebenfalls kaum etwas ab, und beim Handel mit Immobilien hat die chinesische Regierung scharfe Gesetze eingeführt, die spekulative Käufe erschweren. Also Geld im Ausland anlegen? Das funktioniert wegen rigider Kapitalverkehrskontrollen nur bedingt: Pro chinesischem Bürger dürfen umgerechnet nur 30.000 Euro in ausländische Aktien angelegt werden. Weil das vielen zu kompliziert, zu teuer und vor allem zu wenig aussichtsreich erscheint, lassen sie es lieber ganz sein.
Nur wenige, meist wohlhabende Chinesen legen ihr Geld vorzugsweise an Hongkongs Börse an. Derweil eilt der Marktplatz Shanghai von Rekord zu Rekord. Die Tagesumsätze sind bisweilen höher als an der Börse Tokio. Bei 4180 Punkten notierte der Composite Index am Freitag – so hoch wie nie zuvor.
Für die Super-Hausse haben die Chinesen einen eigenen Begriff geprägt. Statt von "Börsen-Bullen" sprechen sie in Anlehnung an die teils erratisch springenden Kurse von einem "Hirschmarkt". Risikoreiche Aktien sind "Geisterpapiere", und Aktien, die positiv überraschen, werden "schwarze Pferde" genannt.
Chinas Regierung ist die Euphorie nicht recht
Den Offiziellen in Peking ist diese Form der Euphorie nicht recht. Die Zentralbank versucht gegenzusteuern: Freitag der Vorwoche wurden gar die Leitzinsen und – bereits zum siebten Mal in diesem Jahr – die Mindestreservesätze für Bankeinlagen erhöht. Die Darlehensvergabe soll gebremst werden.
Denn immer mehr Chinesen nehmen Kredite auf, um mit dem geborgten Geld an der Börse zu spekulieren. Alle staatlichen chinesischen Zeitungen berichteten in der Vorwoche über die Kursexzesse – was Experten als deutliche Warnung an die Aktionäre deuten. Genutzt hat es aber nichts, die Kurse stiegen weiter.
Im März war das noch anders. Damals hatten Gerüchte über die Einführung einer Kapitalertragsteuer die Kurse in Shanghai massiv ins Rutschen gebracht. Und die Weltbörsen fielen darauf ebenfalls.
Was nicht ganz logisch erscheint, da die Schuld am chinesischen Börsen-Irrsinn eindeutig die Privatanleger haben – und nicht chinesische oder internationale Finanzinvestoren, wie immer wieder kolportiert wird. Tatsächlich wird der Handel mit A-Aktien nach Schätzungen von Goldman Sachs zu 75 Prozent von Privatanlegern dominiert.
Nationale institutionelle Investoren machen 24 Prozent aus, Ausländer nur ein Prozent. "Und die Großanleger ziehen sich noch mehr zurück", sagt Aktienkenner Heller. Beispielsweise die großen Pensionsfonds des Landes.
Gegenüber der Wall Street sind Chinas Börsen immer noch klein
Chinas Börsen sind so gut wie nicht mit den Weltbörsen verzahnt. Die Kapitalisierung hat sich zwar binnen eineinhalb Jahren verdreifacht, in absoluten Zahlen entspricht sie aber gerade einmal einem Zehntel des Werts der Aktien an der New York Stock Exchange. Ein möglicher Crash in China wäre daher allenfalls ein psychologischer Schock für die Weltbörsen. Sagt auch Greenspan.
China wird den Wahnsinn an seinen Börsen nur stoppen können, wenn die Regierung ihre Märkte weiter öffnet: Eine noch breitere Handelsspanne bei der Landeswährung Yuan, Zusammenlegung der verschiedenen Aktiengattungen, internationale Buchhaltungsstandards.
Dass Peking durchaus gewillt ist, die Märkte weiter zu öffnen, zeigt der überraschende Einstieg beim Private-Equity-Haus Blackstone. Währenddessen werden die Chinesen weiter an die Shanghaier Börse gelockt.
Die Zeitungen sind voll mit Geschichten, die schnellen Reichtum versprechen. Neuester Star ist eine 60-jährige Putzfrau, die innerhalb von zwei Monaten ihre eingesetzten 2 600 Euro verdoppelte. "Wer kann hier schon verlieren", sagt sie in der "Chongqing Morning Post".
Anhang:
Shanghai vs. Hongkong I: Zocker hüben, Investoren drüben
1344 Aktien werden im A-Markt an der Börse Shanghai gehandelt – meist von Privatanlegern. 70 Prozent der Aktien jedoch "entsprechen nach ihrer Ertragslage und anderen Maßstäben nicht internationalen Standards", so Cheng Siwei, Vizevorsitzender des Volkskongresses. Internationale Anleger dagegen, etwa die China-Fonds, die in Deutschland zu haben sind, investieren überwiegend in Aktien, die in Hongkong notiert sind. Der dortige China-Enterprise-Index bildet die Entwicklung der wichtigsten 38 chinesischen Unternehmen ab.
Shanghai vs. Hongkong II: Marktkapitalisierung steigt
Die Weltvereinigung der Börsen hat ausgerechnet, dass der Wert aller in Shanghai gehandelten Aktien im Jahresvergleich um 376 Prozent gestiegen ist (Dollar-Basis). Neben den Kursgewinnen sind die zahlreichen Börsengänge bisher staatlicher chinesischer Unternehmen verantwortlich – etwa der Mega-IPO der Industrial and Commercial Bank of China im Oktober. Der Effekt: Seit Anfang Mai ist die Marktkapitalisierung Shanghais größer als die Hongkongs. Allerdings ist die Bewertung der Aktien auch bis zu dreimal so hoch wie in Hongkong.
China-Investments: Zertifikate und Fonds
Das beste ungehebelte, breite China-Investment der vergangenen zwölf Monate ist ein Zertifikat von ABN Amro auf den Shenzhen-B-Aktien-Index (ISIN: NL 000 044 890 0): 130 Prozent Plus. B-Aktien dürfen im Gegensatz zu den A-Aktien auch von Ausländern gehandelt werden. Weil es erneut Pläne zur Zusammenlegung der beiden Kategorien gibt und B-Aktien günstiger notieren, ist das Zertifikat eine gute Möglichkeit für Spekulanten. Wer es nicht ganz so heiß will, ist mit breiter anlegenden Fonds besser bedient. Der Atlantis China etwa investiert wie der FIVV-Aktien China UI sowohl in B-Aktien als auch in H-Aktien und Red Chips, die an der Börse Hongkong notieren. Stärker auf Hongkong-Papiere ist der Baring Hongkong China ausgerichtet – ein absoluter Top-Fonds. Dagegen fallen der UBS- und der Schroders-Fonds etwas ab. Der UBS, weil er noch breiter aufgestellt ist und etwa auch Taiwan-Aktien im Depot hat. Und der Schroders-Fonds setzt vor allem auf Aktien, die stärker auf die ehemalige Kronkolonie ausgerichtet sind.
China-Fonds*
Fonds: Performance seit 1.1.2007 (in%)
1. Atlantis China Fortune Fund: 28,2
2. FIVV-Aktien-China-Select-UI: 20,5
3. UBS (Lux) E.F. Greater China B: 20,0
4. Baring Hong Kong China (EUR): 18,9
5. Schroder Hong Kong Equity A: 13,2
Fonds: Performance seit 1.1.2007 (in%)
1. Atlantis China Fortune Fund: A0JC80
2. FIVV-Aktien-China-Select-UI: A0JELL
3. UBS (Lux) E.F. Greater China B: 986408
4. Baring Hong Kong China (EUR): 933583
5. Schroder Hong Kong Equity A: 661612
Quelle: *FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 25.05.2007.
Weitere Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China
Ihr Ruf eilt ihnen voraus. Chinesen gelten als Zocker, als hemmungslose Spieler. Ein Klischee, dem man gerne Glauben schenkt angesichts des Wahnsinns, der jetzt schon seit Monaten die Börsen in Shanghai und Shenzhen beherrscht. Oder was sollen 85 Prozent Plus im laufenden Jahr und 130 Prozent Plus im vergangenen Jahr anderes sein als blanker Irrsinn?
Aktiengewinne scheinen an den chinesischen Börsen eine ausgemachte Sache zu sein. Ein Minicrash im März wurde längst verdaut. Darum will jeder dabei sein: Büroangestellte stecken ihre mühsam verdienten Yuan in vermeintliche Gewinnerpapiere.
Ebenso Rentner, die eigens eine Hypothek auf ihr Haus aufgenommen haben. Oder einfache Putzfrauen. Oder gar ein buddhistischer Mönch. Letzterer zierte unlängst das Titelbild der Tageszeitung "Beijing Youth Daily", weil er Anfang Mai ein Depot bei einem Broker eröffnete.
Egal ob Mönch oder Putzfrau, allein in diesem Jahr wurden 16 Millionen neue Wertpapierdepots angelegt. Das ist fast ein Sechstel (!) der insgesamt 95 Millionen Depots. Da schrillen die Alarmglocken.
Greenspan warnt vor "irrationalem Überschwang"
Der reichste Mann Asiens, Li Ka-Shing, warnt vor einer Blase. "Als Chinese bin ich über die Börse in China besorgt", sagt der 78-jährige Milliardär aus Hongkong. Andere rufen nach Interventionen seitens der Politik: "Wenn Peking zu lange wartet, könnte es eine ganz harte Landung geben", warnt Hong Liang von der weltweit größten Investmentbank Goldman Sachs.
Und in Deutschland spricht Anlage-Guru Gottfried Heller in Anlehnung an Ex-US-Notenbankchef Alan Greenspan vom "irrationalen Überschwang". Greenspan selbst meldete sich vergangene Woche zu Wort und bremste kurzfristig den Anstieg der Kurse weltweit:
"Die jüngsten Gewinne sind nicht nachhaltig, eines Tages wird es einen kräftigen Einbruch geben." Das globale Wachstum sei jedoch stark genug, um einen Verfall der Aktienpreise in China auszuhalten.
Geld anlegen heißt in China "mit Aktien spielen"
Zu teuer sind Chinas Aktien geworden. An der Börse Shanghai werden die Unternehmen im Schnitt mit dem 50-Fachen ihres Gewinns bewertet. Gleichzeitig gibt es Aktien derselben Unternehmen an der Börse Hongkong zu einem Drittel des Preises. Die Börsennovizen in Shanghai und Shenzhen ignorieren diesen Umstand und investieren weiter.
Geld anlegen heißt in China schließlich "Wan gupiao", zu Deutsch "mit Aktien spielen". Die Anleger sind optimistisch, dass es mit den Kursen weiter bergauf geht. "Wir können immer noch Geld verdienen", so eine aktienbegeisterte Chinesin, die an einem Online-Terminal beim Pekinger Broker Tiantong Securities Orders eintippen will. Was sie kauft, weiß sie nicht. "Ich lerne noch", so ihr Kommentar.
Was bleibt ihnen auch anderes übrig: Die Chinesen sind geradezu tragische Opfer ihres eigenen Systems. 40 Prozent ihres Einkommens legen sie auf die hohe Kante – das ist löblich und sucht seinesgleichen in der Welt. Das Dilemma: Bei den Banken gibt es kaum mehr als drei Prozent Zinsen. Das ist weniger als das, was die Inflation wegfrisst.
In China heißt ein Bullenmarkt "Hirschmarkt"
Anleihen werfen ebenfalls kaum etwas ab, und beim Handel mit Immobilien hat die chinesische Regierung scharfe Gesetze eingeführt, die spekulative Käufe erschweren. Also Geld im Ausland anlegen? Das funktioniert wegen rigider Kapitalverkehrskontrollen nur bedingt: Pro chinesischem Bürger dürfen umgerechnet nur 30.000 Euro in ausländische Aktien angelegt werden. Weil das vielen zu kompliziert, zu teuer und vor allem zu wenig aussichtsreich erscheint, lassen sie es lieber ganz sein.
Nur wenige, meist wohlhabende Chinesen legen ihr Geld vorzugsweise an Hongkongs Börse an. Derweil eilt der Marktplatz Shanghai von Rekord zu Rekord. Die Tagesumsätze sind bisweilen höher als an der Börse Tokio. Bei 4180 Punkten notierte der Composite Index am Freitag – so hoch wie nie zuvor.
Für die Super-Hausse haben die Chinesen einen eigenen Begriff geprägt. Statt von "Börsen-Bullen" sprechen sie in Anlehnung an die teils erratisch springenden Kurse von einem "Hirschmarkt". Risikoreiche Aktien sind "Geisterpapiere", und Aktien, die positiv überraschen, werden "schwarze Pferde" genannt.
Chinas Regierung ist die Euphorie nicht recht
Den Offiziellen in Peking ist diese Form der Euphorie nicht recht. Die Zentralbank versucht gegenzusteuern: Freitag der Vorwoche wurden gar die Leitzinsen und – bereits zum siebten Mal in diesem Jahr – die Mindestreservesätze für Bankeinlagen erhöht. Die Darlehensvergabe soll gebremst werden.
Denn immer mehr Chinesen nehmen Kredite auf, um mit dem geborgten Geld an der Börse zu spekulieren. Alle staatlichen chinesischen Zeitungen berichteten in der Vorwoche über die Kursexzesse – was Experten als deutliche Warnung an die Aktionäre deuten. Genutzt hat es aber nichts, die Kurse stiegen weiter.
Im März war das noch anders. Damals hatten Gerüchte über die Einführung einer Kapitalertragsteuer die Kurse in Shanghai massiv ins Rutschen gebracht. Und die Weltbörsen fielen darauf ebenfalls.
Was nicht ganz logisch erscheint, da die Schuld am chinesischen Börsen-Irrsinn eindeutig die Privatanleger haben – und nicht chinesische oder internationale Finanzinvestoren, wie immer wieder kolportiert wird. Tatsächlich wird der Handel mit A-Aktien nach Schätzungen von Goldman Sachs zu 75 Prozent von Privatanlegern dominiert.
Nationale institutionelle Investoren machen 24 Prozent aus, Ausländer nur ein Prozent. "Und die Großanleger ziehen sich noch mehr zurück", sagt Aktienkenner Heller. Beispielsweise die großen Pensionsfonds des Landes.
Gegenüber der Wall Street sind Chinas Börsen immer noch klein
Chinas Börsen sind so gut wie nicht mit den Weltbörsen verzahnt. Die Kapitalisierung hat sich zwar binnen eineinhalb Jahren verdreifacht, in absoluten Zahlen entspricht sie aber gerade einmal einem Zehntel des Werts der Aktien an der New York Stock Exchange. Ein möglicher Crash in China wäre daher allenfalls ein psychologischer Schock für die Weltbörsen. Sagt auch Greenspan.
China wird den Wahnsinn an seinen Börsen nur stoppen können, wenn die Regierung ihre Märkte weiter öffnet: Eine noch breitere Handelsspanne bei der Landeswährung Yuan, Zusammenlegung der verschiedenen Aktiengattungen, internationale Buchhaltungsstandards.
Dass Peking durchaus gewillt ist, die Märkte weiter zu öffnen, zeigt der überraschende Einstieg beim Private-Equity-Haus Blackstone. Währenddessen werden die Chinesen weiter an die Shanghaier Börse gelockt.
Die Zeitungen sind voll mit Geschichten, die schnellen Reichtum versprechen. Neuester Star ist eine 60-jährige Putzfrau, die innerhalb von zwei Monaten ihre eingesetzten 2 600 Euro verdoppelte. "Wer kann hier schon verlieren", sagt sie in der "Chongqing Morning Post".
Anhang:
Shanghai vs. Hongkong I: Zocker hüben, Investoren drüben
1344 Aktien werden im A-Markt an der Börse Shanghai gehandelt – meist von Privatanlegern. 70 Prozent der Aktien jedoch "entsprechen nach ihrer Ertragslage und anderen Maßstäben nicht internationalen Standards", so Cheng Siwei, Vizevorsitzender des Volkskongresses. Internationale Anleger dagegen, etwa die China-Fonds, die in Deutschland zu haben sind, investieren überwiegend in Aktien, die in Hongkong notiert sind. Der dortige China-Enterprise-Index bildet die Entwicklung der wichtigsten 38 chinesischen Unternehmen ab.
Shanghai vs. Hongkong II: Marktkapitalisierung steigt
Die Weltvereinigung der Börsen hat ausgerechnet, dass der Wert aller in Shanghai gehandelten Aktien im Jahresvergleich um 376 Prozent gestiegen ist (Dollar-Basis). Neben den Kursgewinnen sind die zahlreichen Börsengänge bisher staatlicher chinesischer Unternehmen verantwortlich – etwa der Mega-IPO der Industrial and Commercial Bank of China im Oktober. Der Effekt: Seit Anfang Mai ist die Marktkapitalisierung Shanghais größer als die Hongkongs. Allerdings ist die Bewertung der Aktien auch bis zu dreimal so hoch wie in Hongkong.
China-Investments: Zertifikate und Fonds
Das beste ungehebelte, breite China-Investment der vergangenen zwölf Monate ist ein Zertifikat von ABN Amro auf den Shenzhen-B-Aktien-Index (ISIN: NL 000 044 890 0): 130 Prozent Plus. B-Aktien dürfen im Gegensatz zu den A-Aktien auch von Ausländern gehandelt werden. Weil es erneut Pläne zur Zusammenlegung der beiden Kategorien gibt und B-Aktien günstiger notieren, ist das Zertifikat eine gute Möglichkeit für Spekulanten. Wer es nicht ganz so heiß will, ist mit breiter anlegenden Fonds besser bedient. Der Atlantis China etwa investiert wie der FIVV-Aktien China UI sowohl in B-Aktien als auch in H-Aktien und Red Chips, die an der Börse Hongkong notieren. Stärker auf Hongkong-Papiere ist der Baring Hongkong China ausgerichtet – ein absoluter Top-Fonds. Dagegen fallen der UBS- und der Schroders-Fonds etwas ab. Der UBS, weil er noch breiter aufgestellt ist und etwa auch Taiwan-Aktien im Depot hat. Und der Schroders-Fonds setzt vor allem auf Aktien, die stärker auf die ehemalige Kronkolonie ausgerichtet sind.
China-Fonds*
Fonds: Performance seit 1.1.2007 (in%)
1. Atlantis China Fortune Fund: 28,2
2. FIVV-Aktien-China-Select-UI: 20,5
3. UBS (Lux) E.F. Greater China B: 20,0
4. Baring Hong Kong China (EUR): 18,9
5. Schroder Hong Kong Equity A: 13,2
Fonds: Performance seit 1.1.2007 (in%)
1. Atlantis China Fortune Fund: A0JC80
2. FIVV-Aktien-China-Select-UI: A0JELL
3. UBS (Lux) E.F. Greater China B: 986408
4. Baring Hong Kong China (EUR): 933583
5. Schroder Hong Kong Equity A: 661612
Quelle: *FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 25.05.2007.
Weitere Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China


