19.12.2012 07:45
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„Der DAX bricht 2013 um 33 Prozent ein“

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank, mit zehn provokanten, aber nicht unrealistischen, Vorhersagen für 2013.

Die Saxo Bank hat ihre jährlichen „10 Outrageous Predictions“ veröffentlicht. Die durchaus provokanten Vorhersagen sind mögliche Ereignisse, die sich mit scheinbar geringer Wahrscheinlichkeit erfüllen werden. Gleichzeitig seien sie aber weit weniger abwegig, als es auf den ersten Blick erscheint. „Auch mit den diesjährigen Outrageous Predictions spielen wir mögliche, meist sehr negative Ereignisse durch, die im kommenden Jahr eintreten könnten und dadurch die Finanzmärkte sowie den politischen Status quo grundlegend verändern würden“, sagt Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der dänischen Saxo Bank. Die Vorhersagen stellen keine offiziellen Prognosen der Bank für 2013 dar, sondern seien eher Gedankenspiele. „Paradoxerweise könnten sie sich für Investoren aber als weitaus relevant erweisen“, so Jakobsen. „Denn sollte auch nur eine dieser Vorhersagen eintreten, wären die Konsequenzen enorm.“ Anleger sollten sich sämtlicher Risiken bewusste sein und auch ein Worst-Case-Szenario durchdenken, bevor sie Investitionsentscheidungen treffen. „Wichtig ist, Anleger auch für bislang undenkbare Szenarien zu sensibilisieren.“

Jakobsens Thesen:

1. DAX stürzt um 33 Prozent auf 5.000 Punkte

Die chinesische Konjunktur verliert weiter an Tempo und versetzt der deutschen industriellen Expansion damit einen Dämpfer. Dies führt zu Kurseinbrüchen bei Industriewerten und einem sinkenden Verbrauchervertrauen. Die Popularitätswerte von Kanzlerin Merkel im Vorfeld der Bundestagswahlen brechen ein. Die Wirtschaftslage ist schlecht und die politische Unsicherheit groß, da sich Deutschland einer weiteren Vergemeinschaftung der Euro-Schulden nähert. In der Folge fällt der DAX auf 5.000 Punkte und damit im Jahresverlauf um insgesamt 33 Prozent. 

2. Verstaatlichung der japanischen Elektronikriesen

Die japanische Elektronikindustrie befindet sich im Niedergang und muss sich der südkoreanischen Konkurrenz geschlagen geben. Durch Verluste in Höhe von insgesamt 30 Milliarden US-Dollar in den vergangenen zwölf Monaten haben die einstigen Vorzeigekonzerne Sharp, Panasonic und Sony erheblich an Kreditwürdigkeit eingebüßt. Die japanische Regierung verstaatlicht die Elektronikriesen und folgt dabei dem Beispiel der US-Regierung bei der Rettung der Automobilindustrie. 

3. Preis für Sojabohnen steigt um 50 Prozent

2012 sorgten schlechte Witterungsbedingungen weltweit für massive Ernteausfälle. Die amerikanischen Lagerendbestände für Sojabohnen sind auf ihrem tiefsten Stand seit neun Jahren. Weitere wetterbedingte Störungen in den USA, Südamerika oder China könnten den Preis neuer Sojaernten in die Höhe schnellen lassen. Die steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen (hier Sojabohnen für Biodiesel) wird ebenfalls zu vorübergehenden Preisspitzen führen. Spekulative Investoren stehen bereits in den Startlöchern. Diese Kombination aus markttechnischer und fundamentaler Nachfrage könnte den Preis bis zu 50 Prozent nach oben heben. Ernährungssicherheit wird ein Schlagwort.

4. Gold korrigiert und fällt auf 1.200 US-Dollar pro Feinunze

Die Stärke des US-Aufschwungs in 2013 überrascht den Markt und insbesondere Goldinvestoren.

Diese Tatsache, sowie eine schwächere Nachfrage nach physischem Gold aus China und Indien – beide haben mit Wachstumsschwäche und steigender Arbeitslosigkeit zu kämpfen – führen zur Auflösung von Goldbeständen. Der Goldpreis rutscht auf 1.200 US-Dollar, bevor Zentralbanken in die Bresche springen, um die niedrigen Preise zur Auffüllung ihrer Goldbestände zu nutzen.

5. Rohöl der Sorte WTI fällt auf 50 US-Dollar

Die Energieproduktion in den USA steigt weiter an. Möglich wird dies durch modernste Produktionstechniken wie beispielsweise bei der Förderung von Schieferöl. Auch die Förderung von Rohöl steigt stark an. Da die heimischen Lagerbestände bereits auf dem höchsten Stand seit 30 Jahren sind und es nur begrenzte Möglichkeiten zur Ausfuhr gibt, kommt der Preis für WTI erneut unter Druck. Der Preis pro Barrel purzelt auf 50 US-Dollar.

6. Wechselkurs USD/JPY fällt Richtung 60,00

In Japan ist die Liberaldemokratische Partei wieder an der Macht und damit ein politisches Programm, das den Yen angeblich schwächen soll. Doch es werden nur halbherzige Maßnahmen ergriffen und der Markt hat sich unterdessen für eine Yen-Schwäche überpositioniert. Da der Risikoappetit nachlässt, kommt es zu einer Rückführung von Kapital aus dem Ausland. Der Yen wird zur stärksten Währung der Welt und der USD-JPY-Wechselkurs sinkt auf 60,00. Das ebnet damit den Weg für Regierung und BoJ, zu radikaleren Maßnahmen zu greifen, um den Yen zu zügeln – so wie sie es zuerst versprochen hatten.

7. Ende der Wechselkursanbindung EUR/CHF – Euro fällt auf 0,9500

Die Risiken in der Europäischen Währungsunion verschärfen sich – möglicherweise durch den Wahlausgang in Italien oder den Austritt Griechenlands aus der EWU. Daher kommt es erneut zu einem Kapitalansturm auf die Schweiz. Die Schweizer Nationalbank und die Regierung in Bern beschließen, die Wechselkursanbindung des Franken an den Euro einstweilen zu beenden, anstatt eine Anhäufung der Devisenreserven auf mehr als 100 Prozent des BIP zu dulden. Der EUR-CHF-Wechselkurs fällt unter Parität und damit auf den niedrigsten Stand aller Zeiten. Die Schweiz ist gezwungen durch Kapitalkontrollen den Höhenflug des Franken zu stoppen.

8. Hongkong koppelt HKD vom USD ab und bindet ihn an RMB

Hongkong koppelt seinen Dollar vom US-Dollar ab und bindet ihn an den chinesischen Renminbi. Auch andere Länder Asiens machen Anstalten, diesem Beispiel zu folgen. Die Volatilität der chinesischen Währung nimmt zu, je mehr China seine Kontrolle über deren Kursentwicklung lockert. Hongkong entwickelt sich rapide zu einem der wichtigsten Devisenhandelszentren der Welt und zum wichtigsten Handelsplatz für den Renminbi.

9. Mit Zinsen von 10 Prozent nähert sich Spanien der Pleite

Die sozialen Spannungen in Spanien sind enorm, weshalb die öffentliche Hand ihre Ausgaben nicht mehr weiter kürzen kann. 2013 werden spanische Staatsanleihen auf Ramschstatus heruntergestuft. Die sozialen Lasten treiben Spanien an den Rand seiner Belastungsfähigkeit. Das Land wendet sich von der offiziellen politischen Linie der EU ab, weiter eine Strategie des „Extend and Pretend“ zu verfolgen. Nach der Herabstufung gehen die Renditen steil nach oben, denn es wird bereits ein Staatsbankrott eingepreist.

10. Die Rendite 30-jähriger US Treasuries verdoppelt sich

Die Nullzinspolitik der US-Notenbank treibt Investoren weg von festverzinslichen Produkten hin zu anderen Anlageformen. Erzielen Anleger nach Kosten keine oder sogar eine negative Rendite, ist es sinnvoller, Anleihen durch Aktien zu ersetzen. Der Anleihenmarkt ist um ein vielfaches größer als der Aktienmarkt. Für jede zehn Prozent, um die Publikumsfonds ihre Anleihegewichtungen reduzieren, steigen die Nettozuflüsse in den Aktienmarkt um etwa 30 Prozent. Das könnte nicht nur zu höheren Zinsen in den USA führen, sondern auch den Beginn einer jahrzehntelangen Outperformance von Aktien gegenüber Anleihen markieren.

Drei Thesen aus dem vergangenen Jahr wurden 2012 für Anleger relevant

Schon im vergangenen Jahr hatte Jakobsen zehn provokante Thesen für 2012 aufgestellt. Wirklich eingetreten sind sie glücklicherweise nicht. Allerdings ist bei drei der Thesen eine leichte Tendenz erkennbar. So prognostizierte der Ökonom, Australien werde in die Rezession rutschen. Dies ist zwar nicht eingetreten. Doch nahm das Wirtschaftswachstum des fünften Kontinents im laufenden Jahr ab. Das zeigen die Daten von Goldman Sachs Global Economics. Im ersten Quartal wuchs das australische Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 4,5 Prozent. Im zweiten Quartal waren es 3,8 Prozent, im dritten noch 3,1 Prozent. Für das vierte Quartal wird nur noch ein BIP-Wachstum von 2,5 Prozent erwartet. Dramatisch entwickelten sich die australischen Unternehmensgewinne. Im ersten Quartal lagen sie noch bei 4,9 Prozent. Doch schon ab dem zweiten Quartal nahmen die Gewinne um 4,3 Prozent ab. In der zweiten Jahreshälfte fielen sie noch stärker. Im dritten Quartal sanken die Gewinne um 9,5 Prozent. Denselben Wert erwartet Goldman Sachs auch für das vierte Quartal.

Eine weitere These Jakobsens war, dass Schweden und Norwegen geldpolitisch ein sicherer Hafen werden, ähnlich wie die Schweiz. Tatsächlich zeigten sowohl die Schwedische als auch die Norwegische Krone in 2012 Mittelzuflüsse. Kostet zu Jahresbeginn ein Euro noch neun Schwedische Kronen, kostete er im Dezember nur noch ca. 8,7 Schwedische Kronen. Ähnlich war die Entwicklung bei der Norwegischen Krone: Im Januar lag der Preis für einen Euro bei etwas mehr als 7,7 Norwegischen Kronen, im Dezember bei knapp 7,4.

Schließlich orakelte Jakobsen, dass sich der Weizenpreis im Laufe des Jahres 2012 verdoppeln werde. In diesem Maße ist der Preis nicht gestiegen. Dennoch ist er deutlich teurer geworden. Im Januar 2012 kostete Weizen noch 600 US-Cents, im Dezember etwas mehr als 800 US-Cents, gibt die Royal Bank of Scotland an. Im Juli hatte der Weizenpreis mit über 950 US-Cents sein Jahreshoch. In der Spitze bedeutet das eine Preissteigerung von fast 60 Prozent.

(PD)

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