29.01.2013 13:59
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Die Zeit heilt alle Wunden

Nach einem wahren annus horribilis in 2011 – Anleger am Schweizer Aktienmarkt sahen sich mit einem Realverlust in Höhe von sieben Prozent konfrontiert – befanden sich viele Investoren Anfang 2012 noch in einer Art Schockstarre.

Zu tief saß die Verunsicherung, wohin die Reise in Europa gehen würde, und auch die Aussichten für Nordamerika vermochten nicht zu überzeugen. Gleich zu Beginn des Jahres fluteten die Zentralbanken dann die Banken mit zusätzlicher Liquidität. Es war eine Art Schmerzmittel, welches seine Wirkung nicht verfehlte: Der Risikoappetit der Anleger kehrte zurück, und die Investoren liessen sich weniger von der blanken Angst leiten sondern vielmehr von den operativen Ergebnissen der Unternehmen und den gesamtwirtschaftlichen Aussichten. Die Aussichten für Amerika waren angesichts positiver Arbeitsmarktdaten und einer Erholung am Immobilienmarkt gar nicht so schlecht; in Europa zeichnete sich jedoch eine leichte Rezession ab. Dennoch überwog sehr schnell die positive Stimmung, und an den Aktienmärkten begann eine Rally. Bereits zum Ende des ersten Quartals traten die Sorgen der Anleger wieder in den Vordergrund, nachdem ein enttäuschender EU-Gipfel abermals aufgezeigt hatte, in welch weiter Ferne sich eine umfassende Lösung für Europa noch befand. Ende Mai waren die meisten Aktienmärkte dann zu den Niveaus des Jahresbeginns zurückgekehrt; lediglich die USA konnten sich diesem Trend etwas entziehen. Es folgten weitere Stimulierungsmassnahmen der Zentralbanken, die teilweise mit erneut ermunternden Unternehmensaussichten zu einer zweiten und stärkeren Rally führten, die am Schweizer Aktienmarkt bis in den Oktober hinein andauerte.

Vor dem Hintergrund diese Entwicklung konnte der Schweizer Aktienmarkt im abgelaufenen Jahr um deutlich über 17 Prozentpunkte zulegen, während die Performance der Anleihen bei bescheidenen 2,5 Prozentpunkten lag. Dank einer erneut negativen Teuerungsrate lagen die realen Renditen der Investoren sogar noch um ca. 0,4 Prozentpunkte höher.

Diese Ergebnisse reihen sich ein in unsere Beobachtung, dass selbst sehr starke Kursverluste bei den Aktien in einem Jahr schon sehr bald durch entsprechende Gegenbewegungen mehr als kompensiert wurden: Die durchschnittliche jährliche Nominalrendite von Aktien in Höhe von 7,6 Prozentpunkten spricht dabei für sich (real konnten Anleger immerhin noch 5,4 Prozent durchschnittliche Wertsteigerung pro Jahr verbuchen). Anleger müssen aber mental willens und finanziell in der Lage sein, Phasen größerer Verluste auszuhalten: Angesichts von Verlusten an den Aktienmärkten, die in der Vergangenheit bis zu 34% betragen hatten, musste ein Anleger, der zu 100% in Aktien investiert war, einen Anlagehorizont von 14 Jahren haben, um gegenüber Verlusten über diesen langen Zeitraum immun zu sein. Bei einem ausgewogenen Portfolio, welches zur Hälfte aus Anleihen und zur Hälfte aus Aktien bestanden hätte, und bei dem der Anleger nach schlechten Aktienjahren wieder Aktien nachgekauft hätte, um seine ursprüngliche Struktur wieder herzustellen, hätte der Anlagehorizont in diesem Sinne 8 Jahre betragen; bei einem sehr viel konservativeren Portfolio mit 25% Aktien und 75% Anleihen aber immer noch 6 Jahre. In diesen Zahlen sind die massiven Verlust zu Beginn des letzten Jahrhunderts berücksichtigt.

Als Anleger muss man sich also neben der gewünschten oder notwendigen Zielrendite nicht nur bloß Gedanken um das kurzfristige Verlustpotenzial machen, sondern insbesondere auch die Frage des relevanten Anlagehorizonts beantworten. Angesichts eines ausreichend langen Anlagehorizontes stellen sich die „Risiken“ einer Investition in Aktien in einem ganz anderen Licht dar: In der Vergangenheit hat die Zeit alle Wunden geheilt.

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