ETF-Handel Investoren in den Startlöchern
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Noch herrscht eher Ferienstimmung im ETF-Handel an der Börse Frankfurt, aber Frank Mohr von der Commerzbank erwartet, dass die Umsätze schon bald anziehen werden, so die Deutsche Börse AG.
"Sollten die charttechnisch wichtigen Widerstandsmarken überschritten werden, und dafür spricht derzeit einiges, wird das der Nachfrage einen kräftigen Schub verleihen", glaube der Händler. Gregor Hamme von der UniCredit Group zufolge seien die Volumina insgesamt zwar weiter eher niedrig, einige Sektoren-ETFs, insbesondere die Banken-Produkte, hätten aber auffällig hohe Umsätze gezeigt. Eric Wiegand von der Deutschen Bank spreche bereits von einem etwas regeren Handel: "Besonders in Anleihen-ETFs haben wir deutlich mehr Aktivität gesehen", melde der Market Maker.
Bei den Blue-Chip-ETFs würden sich Käufe und Verkäufe nach Einschätzung der meisten Händler nach wie vor die Waage halten. Die UniCredit Group spreche zwar von einem klaren Käuferüberhang, allerdings sei der Markt stark von institutionellen Investoren geprägt: "Die kleinen Aufträge fehlen", meine Hammes Kollege Bastian Ohta. Die Deutsche Bank berichte allerdings auch von einem verstärkten Interesse an Short-ETFs auf den Euro Stoxx 50.
Im Gegensatz zu den Vorwochen habe es bei den Sektoren-ETFs zuletzt wieder klare Favoriten gegeben: "Die Renner waren Indexfonds mit Banken- und Telekommunikationsaktien", erkläre Wiegand und nenne als Beispiele den db x-trackers STOXX 600 Banks (db x-trackers DJ STOXX (R) 600 BANKS ETF 1C) und den db x-trackers STOXX 600 Telecommunications (db x-trackers DJ STOXX (R) 600 TELECOMMUNICATIONS ETF 1C). Den Trend hin zu Banken sehe auch Hamme: "Bei den Banken-ETFs gab es am vergangenen Montag Käufe wie noch nie. Das war ja die erste Woche nach der Veröffentlichung der Bankenstresstests." Papiere verschiedenster Emittenten seien gekauft worden, auch an den darauf folgenden Tagen.
Mohr habe allerdings durchaus auch Abgaben bei Banken-ETFs wie dem hauseigenen Produkt ComStage STOXX 600 Banks (ComStage ETF Dow Jones STOXX (R) 600 Banks TR I) und dem iShares Euro STOXX Banks (iShares EURO STOXX Banks (DE)) ausgemacht: "Das waren Gewinnmitnahmen." Ebenfalls umsatzstark hätten sich die Tracker (ComStage ETF Dow Jones STOXX (R) 600 Financial Services TR I) mit Aktien der Finanzdienstleister gezeigt, hier habe es aber Zu- und Abflüsse gegeben. Daneben habe Mohr auch Verkäufe bei ETFs zu Industrieunternehmen sowie Käufe bei Health Care-ETFs beobachtet.
Vor dem Hintergrund der jüngst guten Konjunkturdaten hätten sich Anleger der UniCredit Group zufolge außerdem wieder von defensiven Werten getrennt: Etwa seien an die Lebensmittel- und Getränkeindustrie gekoppelte ETFs wie der iShares STOXX 600 Food & Beverage (iShares STOXX Europe 600 FoodBeverage Swap (DE)) abgestoßen worden.
Sehr beliebt seien jetzt wieder Immobilien-Indexfonds, wie Hamme erläutere, etwa der iShares FTSE/EPRA European Property (iShares FTSE/EPRA European Property Index Fund (DE)). Nachdem die jüngsten Konjunkturdaten für Deutschland ohnehin überzeugt hätten und vielfach schon von "Partylaune" die Rede sei, habe der nicht so stark wie befürchtet gefallene ISM-Einkaufsmanagerindex für die USA die zuletzt heftigen Sorgen um die amerikanische Wirtschaft etwas gemildert.
ETFs, die an Rentenindices gekoppelt seien, würden unterdessen wieder mehr Anhänger finden. Wiegand zufolge würden sich Anleger gerne Kurzläufer wie den db x-trackers II iBoxx € Sovereigns Eurozone 1-3 (db x-trackers II iBoxx EUR Sovere Eurozone 1-3 Total Return) ins Portfolio legen. Auch Kreditderivate-ETFs wie der db x-trackers II iTraxx Crossover 5-year (db x-trackers II iTraxx Crossover 5-year TOTAL RETURN INDEX) seien wieder gesucht. Mit dem ETF würden Investoren darauf setzen, dass sich die Kredit-Spreads, also der Renditeabstand von Unternehmensanleihen zu sicheren Staatsanleihen, verringern würden. Sogar die lange verschmähten Geldmarkt-ETFs würden laut Wiegand derzeit wieder besser weggehen - trotz niedriger Zinsen: "Die Kunden parken hier offenbar ihr Geld", meine er. Die Commerzbank wisse außerdem von Käufen bei ETFs (iShares Markit iBoxx Euro) mit Unternehmensanleihen.
Auch Schwellenländerfonds kämen gut an. Der UniCredit Group zufolge würden sich Anleger hier vor allem auf die marktbreiten Produkte konzentrieren. Daneben hätten aber auch Südafrika- und China-ETFs ihre Fans gefunden, vor allem der Lyxor Hong Kong (LYXOR ETF HONG KONG (HSI) A), wie Paolo Giulianini berichte. (03.08.2010/fc/a/f)


