ETF-Handel "Optimismus pur"
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Aussicht auf zusätzliche geldpolitische Maßnahmen der US-Notenbank sowie überzeugende Unternehmenszahlen haben den Dax zuletzt auf ein Zweijahreshoch klettern lassen - und die ETF-Anleger aus der Reserve gelockt, so die Deutsche Börse AG.
"Es wird alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest ist", schildere Bastian Ohta von der UniCredit Group die Lage, er spreche von "Optimismus pur" und sehe den charttechnisch wichtigen Ausbruch nach vielen Monaten in einer engen Handelsspanne als Auslöser. Der DAX liege am Nachmittag bei 6.507 Punkten leicht im Plus.
"Wir hatten zuletzt deutlich höhere Umsätze", melde Bernardus Roelofs von Flow Traders. Das bestätige auch Frank Mohr von der Commerzbank. "Allerdings ist das Niveau vom Frühsommer noch nicht wieder erreicht." Es würden ganz klar die Engagements überwiegen, wie die Market Maker einhellig berichten würden. Investoren hätten sich vor allem auf die großen Märkte konzentriert, also auf EURO STOXX, DAX und Dow Jones (iShares DAX (R) (DE)). Einige würden auch von einzelnen Gewinnmitnahmen berichten. Eine "enorme Nachfrage" habe es der UniCredit Group zufolge im Übrigen beim MDAX-ETF (iShares MDAX (R) (DE)) gegeben.
Wie bereits in der Vorwoche stünden Renten-ETFs dagegen ganz klar auf den Verkaufslisten. "Es gab vor allem Abgaben", erkläre Mohr, und zwar "quer Beet". Als Beispiele nenne der Händler den ComStage iBoxx Liquid Sovereigns Diversified 3-5 (ComStage ETF iBOXX EUR Liquid Sovereigns Diversifi 3-5 TR I), den ComStage iBoxx Liquid Sovereigns Diversified 5-7 (ComStage ETF iBOXX EUR Liquid Sovereigns Diversifi 5-7 TR I) und den iShares iBoxx Liquid Sovereigns Capped 1,5-2,5 (iShares Markit iBoxx (R) EUR Liquid Sov Capped 15-25 (DE)).
Im Gegensatz zu den Vorwochen hätten auch Schwellenländer-Rentenfonds zuletzt nicht mehr überzeugen können: Flow Traders melde Abgaben beim iShares JPMorgan Emerging Markets Bond (iShares JPMorgan USD Emerging Markets Bond Fund (DE)). Allerdings habe es auch Zuflüsse bei Fixed Income-Produkten gegeben, etwa hätten langfristig orientierte Investoren laut Commerzbank an deutschen Langläufern (ComStage ETF iBOXX EUR Sovereigns Germany Capped 5-10 TR I) Gefallen gefunden.
Eine höchst attraktive Alternative seien für viele Anleger nach wie vor die Schwellenländer. Hier werde breit investiert (db x-trackers MSCI EMERGING MARKETS TRN INDEX ETF 1C), es komme aber auch zum Teil zu Gewinnmitnahmen. Flow Traders zufolge sei z.B. bei ETFs mit brasilianischen Aktien (iShares MSCI Brazil DE) Kasse gemacht worden. Ein möglicher Grund: Der Indexfonds habe in den vergangenen drei Monaten um knapp 14 Prozent zugelegt. Sonst werde allerdings überwiegend eingekauft, laut Commerzbank sei etwa der ComStage MSCI Pacifix ex Japan (ComStage ETF MSCI Pacific ex Japan TRN I) gut angekommen, Flow Traders habe großes Interesse am Lyxor China Enterprise (LYXOR ETF CHINA ENTERPRISE (HSCEI) ) registriert.
Von den Sektoren-ETFs seien zuletzt die Bankenfonds (db x-trackers DJ STOXX (R) 600 BANKS ETF 1C) gesucht gewesen, wie Gregor Hamme von der UniCredit Group erkläre: "Die guten Quartalsberichte der US-Banken färben ab." Außerdem seien wieder Zykliker gefragt, dem entsprechend seien die antizyklischen Telekommunikations-ETFs (Dow Jones STOXX 600 Optimised Telecommunications Source ETF) auch eher verkauft worden. Extrem gut angenommen werde darüber hinaus weiter der iShares FTSE/EPRA European Property (iShares FTSE/EPRA European Property Index Fund (DE)). Laut Hamme hätten sich die verwalteten Gelder im Immobilienfonds in den vergangenen drei Monaten fast verdoppelt. Der Kurs habe im gleichen Zeitraum um 21 Prozent zugelegt.
Bezüglich der Rohstoffe gebe es hingegen immer mehr Skeptiker. Auf den Abgabelisten stünden Roelofs zufolge etwa der Lyxor Commodities (LYXOR ETF COMMODITIES CRB (REUTERS/JEFFERIES CRB INDEX) A) und der ETC All Commodities DJ-UBSCI (ISIN DE000A0KRKC6/ WKN A0KRKC), während sich beim ETC auf physisches Gold (ISIN DE000A0N62G0/ WKN A0N62G) Zu- und Abflüsse noch die Waage gehalten hätten.
Ansonsten sei bei den Sektoren-ETFs ein klares Muster nicht auszumachen, normale Sektorrotationen würden überwiegen. "Aufgrund der hohen Liquidität der Sektoren-ETFs werden diese zunehmend von Trendfolgern genutzt. Die Entscheidungen fallen auf Basis quantitativer Modelle", erläutere Mohr. Zuletzt seien dabei Indexfonds mit Aktien aus den Bereichen Finanzdienstleistungen und Technologie (ComStage ETF Dow Jones STOXX (R) 600 Financial Services TR I) gesucht gewesen, während ETFs, die die Industriegüter- oder Chemiebranche (ComStage ETF DJ STOXX R 600 Industrial GoodsServices TR I) abbilden würden, abgestoßen worden seien. (19.10.2010/fc/a/f)


