ETF-Markt brummt wieder
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der ETF-Markt brummt wieder, so die Deutsche Börse AG.
"Die Stimmung ist gut", meine etwa Marco Salaorno von der Société Générale. Der extreme Pessimismus der vergangenen Wochen sei mittlerweile out, Anleger hätten ihre Aktienquoten wieder nach oben adjustiert. Stefano Valenti, Market Maker bei der HypoVereinsbank in London, sehe sogar den Optimismus des vergangenen Jahres wiederkehren.
Im Mittelpunkt des Interesses der Anleger stünden derzeit Emerging Markets-ETFs. Valenti zufolge seien rund 60 Prozent der Marktzuflüsse seit Ende Februar in Schwellenländer-Produkte gegangen. Hintergrund sei die zuletzt deutlich bessere Entwicklung der Aktienmärkte in Asien und Lateinamerika. Trotz der beeindruckenden Erholung könnten DAX®, DJ Euro Stoxx & Co. da nicht mithalten.
Auch nach Einschätzung von Salaorno würden die Emerging Markets voll im Trend liegen. "Die Kunden erhoffen sich hier offenbar eine schnellere Erholung als in den Industrieländern", urteile er. Besonders Asien-ETFs seien stark nachgefragt worden, etwa der breit angelegte Lyxor ETF MSCI AC Asia-Pacific ex Japan (LYXOR ETF MSCI AC ASIA - PACIFIC EX JAPAN), aber auch auf einzelne Länder zugeschnittene Instrumente wie der Lyxor ETF MSCI Korea (LYXOR ETF MSCI KOREA A) und der Lyxor ETF MSCI India (LYXOR ETF MSCI INDIA A). Daneben laufe China gut, aktuell auch wieder Taiwan.
Außerdem hätten sich die Kunden sehr für ETFs auf russische, brasilianische und türkische Dividendentitel interessiert. Mark Schoenbrodt von der DekaBank bestätige das Bild: Auch er sehe großes Interesse an Emerging Markets-Produkten, vor allem auf Brasilien und Taiwan.
Bei den ETFs auf europäische Blue-Chips sei der Handel abermals rege gewesen, was die Tendenz angehe, ergebe sich aber ein gemischtes Bild: Market Maker Schoenbrodt finde sich im Wesentlichen auf der Verkäuferseite, d. h. die Anleger würden die Papiere in ihre Depots wie die Indexfonds (ETFlab Dax (R)) auf den DAX und den DJ EURO STOXX 50 sowie den MSCI Europe nehmen.
Die Société Générale sehe das etwas differenzierter: Salaorno beobachte derzeit sogar teilweise Gewinnmitnahmen auf Industrieländer-ETFs - allerdings in begrenztem Umfang. Viele Käufer finde auch ein sehr junges Produkt, der ETF (ETFlab DAXplus (R) Maximum Dividend) auf den neuen Index DAXplus Maximum Dividend. Der DAXplus Maximum Dividend Index enthalte die 20 Unternehmen im DAX, MDAX und TecDax mit der höchsten erwarteten Dividendenrendite.
Viele Anleger hätten sich im schweizerischen Aktienmarkt engagiert und den dazugehörigen iShares-ETF (iShares SMI (DE)) auf den Leitindex SMI gekauft. Der SMI habe in den zurückliegenden zwei Monaten knapp 18 Prozent zugelegt, der DAX dagegen gut 28 Prozent.
Von den Branchen-ETFs sei laut Schoenbrodt die Nachfrage nach Instrumenten auf Roh- und Grundstoffe (Basic Ressources) gut, als Beispiel nenne er das iShares-Produkt (iShares DJ STOXX 600 Basic Resources (DE)) auf den DJ STOXX 600 Basic Ressources, das zuletzt klar an Wert gewonnen habe und dessen Kurs in den vergangenen drei Monaten um über 30 Prozent gestiegen sei.
Banken-ETFs, in den vergangenen Wochen Lieblinge der Anleger, würden tendenziell wieder abgestoßen, etwa der iShares-ETF (iShares DJ STOXX 600 Banks (DE)) auf den DJ STOXX 600 Banken. Laut Valenti seien bei den Banken-ETFs aber durchaus auch noch Käufe zu beobachten.
Die Deutsche Bank empfehle aktuell übrigens den Kauf eines Short-Produktes auf die Branche, den db x-trackers DJ STOXX 600 Banks Short (db x-trackers DJ STOXX (R) 600 BANKS SHORT Daily ETF 1C). Die Analysten seien davon überzeugt, dass die Rally der Finanzwerte schon bald zu Ende gehen werde: Fundamental habe sich die Lage der Banken in den vergangenen zwei Monaten nämlich nicht verbessert.
Inzwischen seien Short-Produkte auf marktbreite Indices, die bis vor kurzem groß in Mode gewesen seien, bei den Anlegern allenfalls für kurzfristigen Taktiken attraktiv. "Das Interesse daran hat merklich nachgelassen", meine etwa Valenti. Als Beispiel nenne er den db x-trackers-ETF (db x-trackers DJ EURO STOXX 50 (R) SHORT Daily ETF 1C) auf den DJ EURO STOXX 50, der im Moment eher verkauft werde.
Kaum überraschend vor dem Hintergrund des wachsenden Aktien-Optimismus sei das nachlassende Interesse an ETFs auf Staatsanleihen. Marco Salaorno berichte hier von Gewinnmitnahmen. Die HypoVereinsbank beurteile das nicht anders: "Raus aus Festverzinslichen, rein in die Aktien", beschreibe Valenti kurz und knapp den Trend. Die DekaBank sehe ebenfalls Abflüsse, auch aus Geldmarktfonds wie etwa dem db x-trackers-ETF (db x-trackers II Eonia TOTAL RETURN INDEX ETF 1C) auf Eonia. (05.05.2009/fc/a/f)


