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27.10.2006 13:24

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ETFs: Der Index ist der Star


Der Markt der Exchange Traded Funds boomt. Zu Recht. Denn börsengehandelte Indexfonds sind eine attraktive Alternative zu Zertifikaten und aktiv gemanagten Investmentfonds. "ETFs sind das ideale Produkt, um kostengünstig und flexibel einen Anlagemarkt im Portfolio abzubilden", sagt Meyer zu Drewer, Deutschland-Chef bei Lyxor Asset Management.

1:1 mit dem Index

Der Fondsmanager könnte die Sektkorken knallen lassen, sich in Interviews zu seiner erfolgreichen Anlagestrategie befragen lassen und Auszeichnungen einheimsen. Immerhin hat sein europäischer Dividendenfonds Dow Jones Euro Stoxx Select Dividend 30 EX in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von 28 Prozent eingefahren und damit die Konkurrenz hinter sich gelassen.

Einziges Problem: Der Dow Jones Euro Stoxx Select Dividend 30 EX als Exchange Traded Fund (ETF) hat gar keinen Fondsmanager. Der börsengehandelte Indexfonds wird passiv gemanagt.

Quasi 1:1 bildet der Fonds einen bestimmten Index ab, in diesem Fall den Dow-Jones-Index der 30 dividendenstärksten europäischen Werte. Das Prinzip ist wie bei allen Indexfonds denkbar einfach: Geht der Markt nach oben, zieht der Fonds in gleichem Ausmaß mit, geht es nach unten, fallen Verluste in gleicher Höhe an.

Der Index ist der Star, nicht der Mensch

Kein Manager muss daher bei den börsennotierten Indexfonds Research-Berichte lesen, keiner muss Unternehmen besuchen, keiner muss riskante Wetten auf Einzelwerte eingehen. Dafür fallen aber auch Sektgelage flach. Schließlich ist bei ETFs der Index der Star, nicht der Mensch.

Es sind derartige Erfolgsgeschichten, die den Wachstumsmarkt ETF immer weiter anheizen. Über 40 Milliarden Euro sind inzwischen hierzulande schon in ETFs angelegt. Tendenz stark steigend.

"In den ersten neun Monaten sind drei Milliarden Euro Anlagegelder zu uns geflossen, genauso viel wie im gesamten Vorjahr", freut sich Götz Kirchhoff, Chef des ETF-Anbieters Indexchange, der über 14 Milliarden Euro verwaltet. Damit ist die HypoVereinsbank-Tochter innerhalb von sieben Jahren zur siebtgrößten Fondsgesellschaft in Deutschland aufgestiegen.

Mit der Société-Générale-Tochter Lyxor Asset Management sowie mit iShares, einem Ableger der Barclays-Gruppe, kommen die härtesten ETF-Konkurrenten aus dem Ausland. Die drei ETF-Spezialisten, die 75 Prozent des deutschen Marktes abdecken, sehen noch lange kein Ende des Booms. "Wir erwarten in den kommenden drei Jahren Wachstumsraten von 30 bis 40 Prozent jährlich", erklärt Thomas Meyer zu Drewer, Deutschland-Chef bei Lyxor Asset Management.

ETF-Vorreiter John Bogle und Burton Malkiel

Die USA sind Vorbild und Vorreiter in Sachen börsennotierter Indexfonds. Über 350 Milliarden Dollar stecken dort schon in ETFs, das sind etwa 30 Prozent des gesamten Fondsmarkts. In den Vereinigten Staaten fiel 1975 mit dem Vanguard S&P 500 der Startschuss für Indexfonds.

Anfangs wurde der von John Bogle und seinem Kompagnon Burton Malkiel auf den Markt gebrachte Vorläufer der Indexfonds belächelt. Zu langweilig sei das Produkt, wurde gemäkelt. Schnell mussten sich die Kritiker jedoch eines Besseren belehren lassen. Heute ist der Vanguard S&P 500 knapp 110 Milliarden Dollar schwer.

Es sind vor allem Versicherungen, Banken und Pensionsfonds, die börsennotierte Indexfonds ordern. In Deutschland stammen schätzungsweise 85 Prozent der eingesammelten Gelder von institutionellen Anlegern. "ETFs sind das ideale Produkt, um kostengünstig und flexibel einen Anlagemarkt im Portfolio abzubilden", erklärt Meyer zu Drewer. "Das macht sie aber nicht nur für institutionelle, sondern auch für private Investoren interessant."

"Indexfonds sind nie schlechter als der Markt"

Im Gegensatz zu herkömmlichen Fondsprodukten lassen sich ETFs an der Börse täglich handeln. Die Preise werden fortlaufend festgestellt, nicht nur einmal am Tag. Das heißt, volle Kostenkontrolle für den Käufer, böse Überraschungen sind ausgeschlossen.

"Einen nicht börsengehandelten Fonds kann man nur bestellen, ohne zu wissen, zu welchem Preis er exakt abgerechnet wird", erklärt Kirchhoff. Gleichzeitig kann sehr schnell auf Änderungen im Markt reagiert werden und der Fonds schnell abgestoßen werden. "Daher nutzen auch Daytrader ETFs sehr gern", weiß Meyer zu Drewer.

Nächster Pluspunkt: "Indexfonds sind nie schlechter als der Markt", erklärt Meyer zu Drewer. Das können Fondsmanager von aktiven Fonds nicht immer von sich behaupten. Im Schnitt schaffen es 80 Prozent der Investmentprofis nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen.

"Viele Manager kleben aus Angst vor Verlusten viel zu eng an den Indizes und können daher keinen Mehrwert erwirtschaften", erklärt Marcus Zasada vom Fondsanalysehaus Feri Trust. "Für Privatanleger ist es sehr schwierig, gerade den Fonds herauszufinden, der Zusatzgewinne verspricht".

Niedrige Kosten

Zur Ehrenrettung der Fondsmanagergilde: In der Regel gibt es eine Reihe von Portfolios, die besser als der Markt abschneiden. So kommt der First Private Europa Aktien Ulm von Manager Tobias Klein in den vergangenen drei Jahren auf ein Plus von über 82 Prozent, der Euro Stoxx schaffte gerade 43 Prozent.

Günstiger als mit aktiv gemanagten Fonds fährt man mit ETFs aber allemal. Bei börsengehandelten Indexfonds fällt anders als bei normalen Fonds kein Ausgabe-Aufschlag an.

Zu berappen ist, wie an der Börse üblich, die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis (Spread). "Je liquider der Markt, umso geringer sind aber die Aufschläge", sagt Kirchhoff. Vor allem beim Dax und Euro Stoxx bewegen sich die Spreads auf sehr niedrigen Niveaus von rund 0,05 Prozent. Achtung: Je ausgefallener das Segment, desto teurer.

Auch bei den laufenden Kosten können Indexfonds punkten. Während bei Aktienfonds bis zu 2,5 Prozent Managementgebühren im Jahr anfallen, kommen die passiven Produkte auf nur 0,15 und 0,5 Prozent. Diese Gebühr wird nicht zusätzlich erhoben, sondern dem Fonds direkt entnommen und ist somit in der Wertentwicklung enthalten.

Banken und Vermittler lieben Indexfonds nicht

Gerade die niedrigen Provisionen sind ein wichtiger Grund, weshalb börsengehandelte Indexfonds beim deutschen Privatanleger noch auf ihren ganz großen Durchbruch warten. Denn Banken und Vermittler erwähnen Indexfonds gegenüber Kunden lieber erst gar nicht.

Mit aktiv gemanagten Produkten ist schließlich deutlich mehr Geld zu verdienen. "In Deutschland liegt unseren Schätzungen zufolge der Anteil der Privatanleger nur bei etwa 15 Prozent", erklärt Kirchhoff. "Auch wenn dieser Anteil langsam zunimmt."

Zu kämpfen haben ETFs aber auch gegen die übermächtige Konkurrenz der Zertifikate, die aufgrund fehlender Managementgebühren teils noch preiswerter sind. Allerdings haben die Indexfonds gegenüber den Zertifikaten ebenfalls einige Vorteile. So werden Dividenden und Zinsen bei Kursindizes wie dem Euro Stoxx 50 an den Anleger ausgeschüttet. Bei Zertifikaten behält der Emittent diese Zusatzeinnahmen ein.

Ebenso wichtig: "Exchange Traded Funds gelten rechtlich gesehen als Sondervermögen", erklärt Kirchhoff. Das Kapital des Anlegers ist anders als bei Zertifikaten im Konkursfall des Anbieters geschützt. Vor allem bei langfristigen Investments ist das eine nervenschonende Absicherung.

"Ein komplettes Portfolio mit ETFs zusammenstellen"

Auch das ETF-Angebot kann sich durchaus sehen lassen. Nach Einführung der ETFs in Deutschland ist innerhalb von sechs Jahren die Zahl der börsennotierten Indexfonds auf über 151 gestiegen. Allein zwischen 2005 und 2006 kamen über 70 Produkte hinzu. Wurden in den ersten Jahren nur die breiten Indizes wie DAX oder Euro Stoxx abgebildet, findet der Anleger heute beinahe alles, was das Herz begehrt.

Mehr und mehr Branchen, Regionen und Anlagestile werden den Investoren zugänglich gemacht. Selbst Rentenfonds sind auf dem Markt. "Anleger können inzwischen ein komplettes Portfolio mit börsennotierten Indexfonds zusammenstellen", sagt Meyer zu Drewer.

Dabei basteln die Produktabteilungen der Anbieter auch an immer ausgefeilteren Varianten. So hat Lyxor AM einen ETF emittiert, der den DAX mit einem Hebel von zwei nachbildet. Soll heißen: Steigt der deutsche Auswahlindex um fünf Prozent, zieht der Lyxor ETF LevDAX um rund zehn Prozent an, fällt der DAX um fünf Prozent, verliert der Anleger etwa das Doppelte.

"Exchange Traded Funds sind bestens als lebenslanges Investment geeignet"

Besondere Vorteile versprechen Indexfonds ohnehin in etablierten Märkten. "Hier fällt es den aktiven Fondsmanagern meist am schwersten, den jeweiligen Index zu schlagen", sagt Zasada.

Experten empfehlen Anlegern zudem, breit aufgestellte Indexprodukte als Basisinvestment zu verwenden. Dies dient der Diversifikation des Portfolios. Wer sich etwa den iShares S&P 500 ins Depot legt, ist auf einen Schlag in hunderte US-Titel investiert.

Derartige Indexfonds sollten Anleger dann angesichts der großen Kostenvorteile ruhig auch ein wenig länger im Depot halten. Meint zumindest John Bogle, der Mann, der die ETF-Welle vor über 30 Jahren mit seinem Vanguard S&P 500 losgetreten hat. "Exchange Traded Funds sind bestens als lebenslanges Investment geeignet."



ETFs: Eine Auswahl

Deutschland
1. DAX EX
2. DivDAX EX
3. MDAX EX

Europa
1. DJ Euro Stoxx 50 EX
2. DJ Euro Stoxx Sel.Div.30 EX
3. Lyxor ETF MSCI EUROPE

Asien
1. iShares FTSE/Xinhua China25 DE
2. iShares MSCI Japan DE

Schwellenländer
1. iShares MSCI Emerging Mkts. DE
2. iShares MSCI Brazil DE
3. iShares MSCI Eastern Europe DE

USA
1. DB Platinum IV US Growth R2C
2. DB Platinum IV US Value R2C
3. DJ Industrial Average EX
4. iShares S&P 500 (DE)

Anleihen
1. iShares € Corporate Bond
2. iShares € Inflation Linked Bd.
3. eb.rexx Gov. Germany
4. eb.rexx Gov. Germany 10.5+
5. eb.rexx Gov. Germany 2.5-5.5
6. eb.rexx Gov. Germany 5.5-10.5
7. eb.rexx Jumbo Pfandbr. EX
8. Lyxor ETF EUROMTS 10-15Y
9. Lyxor ETF EUROMTS 3-5Y

Rohstoffe
1. DB Platinum Commodity Euro R1C
2. Lyxor ETF Commodities CRB


Quelle: FINANZEN Fundanalyzer.



Weitere Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Exchange_Traded_Funds

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