11.12.2012 16:25
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EU-Finanzmarktintegration bröckelt

IW: Finanzielle Verflechtungen zwischen den Euroländern gehen durch Schuldenkrise stark zurück.

„Ein Gradmesser für die Finanzmarktintegration sind die grenzüberschreitenden Kredit- und Wertpapierforderungen der Banken aus dem Euroraum gegenüber den Euroländern“, erläutern Jürgen Matthes und Simon Rother vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Nach Einführung der Gemeinschaftswährungen seien diese Forderungen stark angestiegen. Von 1999 bis 2008 erhöhten sich fast um das 4,5-fache. Mit Beginn der Euro-Schuldenkrise habe sich dieser Trend umgekehrt. „Vom zweiten Quartal 2008 bis zum ersten Quartal 2012 sanken die Forderungen der Geschäftsbanken aus den wichtigsten Euroländern gegenüber der gesamten Eurozone um 42 Prozent, gegenüber den Krisenstaaten sogar mehr als 50 Prozent“, so Matthes und Rother. Zwar liege die Summe der Bankforderungen noch immer deutlich über dem Niveau von 1999, doch die finanzielle Desintegration zeige sich auch in anderen Bereichen: Beispielsweise beim Rückzug ausländischer Investoren aus Staatsanleihen. „Anfang 2010 hielten ausländische Anleger 54 Prozent der Staatsanleihen aus Krisenländern, zwei Jahre später waren es nur noch 39 Prozent“, so die Experten.

Diese Renationalisierung der Finanzmärkte gehe vor allem auf die Sorgen vieler Anleger zurück, die daran zweifeln, ob die Krisenländer ihre hohen Auslandsschulden zurückzahlen können. Ebenso befürchten sie weitere Bankenpleiten. Investoren unterscheiden den Ökonomen zufolge dabei nicht zwischen Krisenstaaten und Euroländern mit guter Bonität: „Deutsche Verbindlichkeiten sind zwischen dem zweiten Quartal 2008 und dem ersten Quartal 2012 um gut ein Drittel gesunken.“ Dass dies europaweit ein vergleichsweise kleiner Teil ist, zeige sich daran, dass Deutschland lediglich rund fünf Prozentpunkte zum gesamten Rückgang innerhalb der Eurozone beisteuerte.

„Die Frage, ob und in welchem Ausmaß es wieder zu einer Erholung der Finanzverflechtungen gerade mit Blick auf die Krisenstaaten kommen wird, ist wichtig für zahlreiche anstehende wirtschaftspolitische Weichenstellungen“, sagen Matthes und Rother. „Hier geht es vor allem um die Debatte über die Schaffung einer Bankenunion mit einer einheitlichen und starken Aufsicht über die (systemrelevanten) Banken des Euroraums und mit einheitlichen Regelungen für die konsequente Abwicklung von Banken.“ Unter dem Stichwort Bankenunion werde allerdings auch über die kurzfristige Einführung grenzüberschreitender Bankenrettungs- oder Einlagensicherungsfonds mit dahinterstehender Staatshaftung diskutiert. „Derartige Haftungsgemeinschaften bergen das Risiko erheblicher Fehlanreize für die Zukunft und sollten daher allein von den (systemrelevanten) Banken aufgebaut und getragen werden“, warnen die Experten. Besser könnten zur Lösung der aktuellen Bankenprobleme der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) und möglicherweise auch eine EWU-weite Bad-Bank-Lösung auf temporärer Basis beitragen.

(PD)

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