06.06.2013 14:00
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Hedgefonds: Warum sie dem breiten Trend hinterher hecheln

Hedgefonds: Der Glanz verblasst
Ende der Erfolgsstory
Der breite Markt hat die einstigen Starinvestoren abgehängt. Vor allem die Geldpolitik bereitet den Hedgefonds im Moment Probleme. Alternativen für Anleger.
€uro am Sonntag

von Andreas Höß, Euro am Sonntag

Geld und Frauen. Zu diesen beiden Themen schweigen die meisten Männer lieber. Bei Paul Tudor Jones ist das anders. Der US-Milliardär und Hedgefondsmanager erklärte jüngst den niedrigen Frauenanteil in der ­Finanzbranche mit einer steilen These: „Sobald die Lippen eines Babys die Brust einer Frau berühren, kannst du es vergessen“, sagte er bei einer Diskussionsrunde in der University of Virginia süffisant. Alles relativiere sich. „Man gibt dann einen Scheißdreck darauf, was der Dollar oder der Yen machen.“

Den Beweis, dass Männer die besseren Anleger sind, bleibt Paul Tudor Jones schuldig. Er leitet einen der bekanntesten Hedgefonds weltweit, den Tudor Global Fund. Dieser hat von Jahresbeginn bis Mitte Mai rund zwölf Prozent Plus gemacht, hechelt damit jedoch dem breiten US-Markt (S & P-500-Index) hinterher, der rund 15 Prozent im Plus liegt.

Trotzdem gehört der Tudor Global Fund immer noch zu den besseren Hedgefonds. Seine meist männlichen Manager gelten als gierige ­Alphatiere und skrupellose, aber smarte Finanzhaie. Doch sie scheinen zahnlos geworden zu sein, wie aktuelle Studien der Investmentbanken Goldman Sachs und HSBC zeigen. Demnach konnten Hedgefonds zuletzt nicht davon profitieren, dass sie anders als klassische Investmentfonds weitestgehend frei in ihrer Anlagestrategie sind und zum Beispiel im großen Stil Leerverkäufe tätigen, Anlageklassen mischen und riskante Finanzwetten eingehen können. Im Schnitt wurden sie in jedem der vergangenen fünf Jahre vom breiten Markt geschlagen.

Auch Hedgefondsindizes, die über Indexfonds für Privatanleger investierbar sind (siehe Investor-Info), blieben zum Teil weit hinter normalen Aktienindizes wie dem DAX oder dem Dow Jones zurück. Besonders enttäuschend: 2012 waren 88 Prozent der Hedgefonds schlechter als der Aktienmarkt und wurden sogar von den klassischen Investmentfonds überholt (65 Prozent), die weniger Freiheiten genießen.

Dieser Trend scheint sich 2013 fortzusetzen. Von Januar bis Mitte Mai übertrafen nicht einmal fünf Prozent der Hedgefonds die 15 Prozent Plus des S & P 500. Die große Mehrheit lieferte magere Gewinne um die fünf Prozent. Jeder zehnte Fonds machte sogar Verluste.

In den Fängen der Fed
„Die Federal Reserve hat Hedgefonds zu einem Relikt aus der Vergangenheit gemacht“, schreibt deshalb der Branchenblog Zero Hedge. Die US-Notenbank kleistert zusammen mit den Zentralbanken in Japan und Europa Bruchstellen im Finanzsystem mit billigem Geld zu. Das macht es für Hedgefonds fast unmöglich, auf das Platzen von Blasen zu spekulieren, wie man es zum Beispiel vor der Finanzkrise gemacht hat. Mit Wetten auf den Zusammenbruch des US-Häusermarkts verdienten einige Hedgefonds Milliarden.

Doch heute steuern die Zentralbanken gegen jeden Kurseinbruch. Die Europäische Zentralbank hält beispielsweise Banken am Leben und bewahrt Eurostaaten vor der Pleite; die Bank of Japan hilft dem Land, indem sie unbegrenzt Anleihen kauft und den Yen abwertet.

Geld ist billig, die Zinsen sind niedrig, und Anleger pumpen unterschiedslos Kapital in fast alles, was Rendite verspricht. Obwohl die wirtschaftlichen Probleme groß und die Folgen der Finanz- und Schuldenkrise längst nicht beseitigt sind, eilen die Aktienmärkte in vielen Teilen der Welt von Rekord zu Rekord. Die Gewinner sind nicht Hedgefonds, die auf Krisen und Abstürze setzen, sondern vielmehr jene ­Manager, die auf der Geldwelle der Notenbanken reiten.

Unter den Top Ten des laufenden Jahres haben auffallend viele ihren regionalen Schwerpunkt in Japan. Sie profitieren fast zwangsläufig von der Hausse des Nikkei, die durch die Abwertung des Yen ausgelöst wurde. Und zu den erfolgreichsten Fonds des Jahres 2012 gehört der Third Point Offshore, der auf eine Rettung Griechenlands gesetzt hat.

Spannend bleibt, was passiert, wenn die Märkte aufhören, nur nach oben zu laufen. „Wenn der echte Crash kommt, wird kein einziger Hedgefonds mehr richtig positioniert sein“, unkt man bei Zero Hedge. Weil die Notierungen im Moment durch das billige Notenbankgeld überall steigen, werden die Hedgefonds ihre zurzeit verlustbringenden Wetten auf fallende Kurse bis dahin aufgelöst haben. Wer ständig hinterherhinkt, verliert schließlich irgendwann seine Investoren.

So machen die Manager der Mil­liardenfonds momentan eher durch laute Töne als durch riesige Gewinne auf sich aufmerksam. Paul Tudor Jones’ verbaler Ausrutscher, Mütter seien schlechtere Anleger, schlug in den vergangenen Tagen hohe Wellen. Die Wall Street war wütend, die Frauenbewegung sowieso. Jones ruderte zerknirscht zurück. Alles gar nicht so gemeint, schrieb er an die US-Medien — obwohl das ohnehin den meisten klar war. Der Familienvater gilt nicht als Macho. Doch auch in ihrer Öffentlichkeitsarbeit werden die Hedgefonds offenbar zunehmend zahmer.

Investor-Info

Hedgefonds im Paket
db X-trackers Hedge Fund ETF

Der db X-trackers Hedge Funds UCITS ETF (EUR) ist ähnlich kompliziert wie sein Name: Er bildet einen Hedgefondsindex ab, in dem verschiedene Unter­indizes mit Hedgefondsstrategien gebündelt sind. Dabei handelt es sich unter anderem um Hedgefonds, die auf Sonderereignisse wie Übernahmen setzen, ein Unterindex bildet eine Kreditstrategie ab, einer setzt long oder short auf Aktien. Seit Jahresanfang ist der ETF rund fünf Prozent im Plus und hinkt damit DAX (zehn Prozent) und S & P 500 (17) hinterher. Auch ab 2003 gerechnet, ist er schlechter als der DAX. Aber: In der Finanzkrise konnten die Hedgefonds wenigstens zum Teil ihre Stärke ausspielen, der ETF stürzte deutlich weniger ab als der breite Markt. Vergleichsweise stabiles Produkt über einen gesamten Börsenzyklus. 

Alternativen
Mischfonds oder Leitindizes

Hedgefonds waren fünf Jahre in Folge schlechter als der breite Aktienmarkt. Mit Indexfonds (ETFs) auf den DAX (ISIN: DE 000 593 393 1) oder den S & P 500 (DE 000 264 388 9) können Anleger auf eine Fortdauer der besseren Performance setzen. Echte Alternativen für Hedgefonds finden Anleger dagegen bei Mischfonds. Einige Fonds dieser Art können die Aktienquote sehr stark verändern und sind somit fast so flexibel wie Hedgefonds. Besonders Überzeugend: der Multiple Opportunities von Manager Bert Flossbach, der langfristig den DAX deutlich ­geschlagen hat.

Bildquellen: Pakhnyushcha / Shutterstock.com
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