von Euro-Redakteur Lucas Vogel
Sie sind am Zug! Aber welcher ist jetzt der richtige? Ist die Bärenmarktrally vorüber oder fiel im März tatsächlich der Startschuss für einen neuen Bullenmarkt? Sollten Sie offensiv agieren oder bei einer defensiven Aufstellung bleiben? Luca Pesarini, 48, Fondsmanager des Ethna Aktiv, beschreibt die Zwickmühle so: „Wir hängen momentan zwischen Angst und Gier.“ In einer solchen Situation hilft es, sich an seine Strategie zu erinnern und an ihr festzuhalten. Denn wie beim Schach bestimmt sie den Erfolg. Nicht der einzelne, geniale Zug.
Wir hätten da eine: die €uro-Musterdepots, die von den Fondsredakteuren von €uro, €uro am Sonntag und €uro fondsxpress zusammengestellt und betreut werden. Es gibt drei unterschiedliche Ausrichtungen: offensiv, ausgewogen und defensiv. Alle drei Depots konnten seit Auflage am 1.3.2004 ihre jeweiligen Vergleichsindizes deutlich schlagen. Bis auf 2008 schnitten sie auch in jedem Kalenderjahr besser ab als ihre jeweilige Benchmark. Das Erfolgsrezept? Eine konsequente Langfriststrategie mit klaren Regeln, eine mittelfristig taktische Ausrichtung nach fundamentalen Rahmenbedingungen und viel Sorgfalt bei der Suche nach den besten Fondsmanagern.
Wie bei der Aufstellung der Figuren auf einem Schachbrett vor der Partie stellen die Redakteure Fonds zusammen, deren unterschiedliche Eigenschaften sich ergänzen und zum langfristigen Erfolg der Musterdepots beitragen. Jeder Fonds hat darin seine spezifische Aufgabe.
Türme, die leuchten
Da gibt es zum Beispiel „Türme“, also solide, berechenbare Basisinvestments in Aktien, die aufgrund ihrer Eigenschaften hervorragend in das ausgewogene Depot passen. Etwa der von Robert Beer, 48, gemanagte Lux Topic Aktien Europa. „Die Grundüberlegung ist, in europäische Großunternehmen zu investieren, die regelmäßig hohe Gewinne einfahren“, erklärt Beer. „Deren Wert muss sich langfristig zwangsläufig erhöhen.“ Die Stabilität regelmäßiger Gewinne kombiniert Beer mit einer Strategie, die langfristig eine deutlich bessere Performance liefern soll als der Aktienindex Euro Stoxx 50.
Ziel ist es, in Aufwärtsphasen dieser Benchmark zu folgen und in Abwärtsphasen deutlich weniger zu verlieren. Das ist bisher hervorragend gelungen. In den Hausse-Jahren 2003 bis 2007 folgte der Fonds fast dem Euro Stoxx 50. Im vergangenen Jahr kam die Outperformance: Während der Index um 44 Prozent einbrach, verlor der Lux Topix Europa dank des systematischen Einsatzes von Optionen zur Absicherung nur 25 Prozent. Das Ergebnis über den Börsenzyklus: Während sich der Euro Stoxx noch 40 Prozent unter seiner alten Höchstmarke befindet, sind es beim Lux Topic nur noch 13 Prozent bis zum alten Höchststand.
Dass dieser bald erreicht werden könnte, dafür hat Robert Beer ein schlagendes Argument: Wenn er derzeit sein Fondskonzept institutionellen Anlegern präsentiert, merke er in Gesprächen, wie verzweifelt diese nach Anlagemöglichkeiten außer Staatsanleihen suchen. Denn deren Renditen sind auf ein Niveau gefallen, das Versicherungen und Pensionskassen in Bedrängnis bringt.
In einer historisch einmaligen Aktion hatten die wichtigsten Notenbanken der Welt gleichzeitig die Leitzinsen gesenkt und den Geldmarkt mit frischer Liquidität geflutet. Die Renditen für Staatsanleihen sind auf einem historischen Tiefpunkt. Auch wer dem Staat für lange Zeit Geld leiht, wird nur spärlich entlohnt. So bringt die fünfjährige Bundesanleihe derzeit gerade mal 2,4 Prozent. Ähnlich mau sieht es für Tagesgeld und Festgeld bei Filial- und Direktbanken aus. Die Zinsen für einjähriges Festgeld sind bei den meisten Instituten von über vier Prozent noch im Herbst 2008 nun weit unter zwei Prozent gefallen.
Was bei privaten Anlegern für Frust sorgt, ist für institutionelle Investoren ein Riesenproblem. Denn sie müssen eine gewisse Rendite erwirtschaften, um zumindest die zugesicherte Mindestverzinsung zu erreichen. Die meisten Pensionskassen und Versicherungen haben jedoch im Zuge der Finanzkrise ihre Aktienquoten auf unter zehn Prozent gesenkt – und dann den Börsenaufschwung seit März komplett verpasst.
Mit jedem Tag, an dem die Zinsen niedrig bleiben, wächst der Druck, in Aktien zu investieren. Es fehlt schlichtweg an Alternativen. Ein Umschichten der Gelder institutioneller Anleger in Aktien aber würde zweifellos für genügend Kaufdruck sorgen, die Aktienmärkte weiter steigen zu lassen. Auch Investmentveteran Anthony Bolton von der amerikanischen Fondsgesellschaft Fidelity sieht noch kein Ende der aktuellen Rally: “Trotz der starken Aufwärtsbewegung seit März sind Unternehmen in einigen Sektoren noch attraktiv bewertet.“
Lesen Sie, welche Fonds sich als Dauerläufer eignen
Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum