aktualisiert: 30.08.2012 10:33
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Mehr als 7 Prozent: Welche Top-Fonds Ihr Geld schützen

Euro am Sonntag-Titel
Stabil in der Krise und trotzdem über sieben Prozent Rendite — €uro am Sonntag stellt bewährte Fonds vor, die für sich schon spitze sind und als Mischfonds zusammen perfekt funktionieren.
€uro am Sonntag

von J. Billina und R. Ferken, Euro am Sonntag

Sie wissen, wie die Märkte ticken. Edouard Carmignac und Bert Flossbach haben bislang das Kapital ihrer Anleger durch eine geschickte Kombination von Aktien und Anleihen auch in schwierigen Börsenphasen vermehrt. Dafür wurden Carmignac im Jahr 2010 und Flossbach 2011 vom Finanzen Verlag, in dem auch €uro am Sonntag erscheint, zum Fondsmanager des Jahres gekürt.

Trotz der vielen Statistiken, die besagen, dass nur wenige Fonds­manager langfristig den Index schlagen — es gibt sie, die verlässlichen Geldvermehrer. Sechs der besten Manager der Kategorie Mischfonds, bei denen die Profis in verschiedene Anlageklassen investieren dürfen, haben sich in den vergangenen Krisenjahren besonders hervorgetan. Deren sechs Fonds sind teils bekannte Milliardenflaggschiffe wie der Carmignac Patrimoine und der Flossbach von Storch Multiple Opportunities.

Doch auch weniger bekannte Fonds wie der BL Global 50, der Ethna Defensiv Global, der M & G Global Optimal Income sowie der M & W Privat überzeugten mit guter Rendite bei geringem Risiko. Zusammen bringen es die Fonds seit Anfang 2008 auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,7 Prozent.

Die Mischfonds eignen sich für Privatanleger, denen es schwerfällt, sich auf die neuen Bedingungen am Kapitalmarkt einzustellen. Was den Investmenterfolg derzeit so erschwert: Die Märkte reagieren vor ­allem auf das, was EU-Regierun- gen, Brüssel und die Europäische Zentral­bank zur Stabilisierung des Euro unternehmen. Wie die Maßnahmen sich auf langfristig investiertes Kapital auswirken werden, lässt sich jedoch nur schwer pro­gnostizieren.

Das verunsichert die Anleger, zumal weitere, lange Zeit feststehende Parameter am Kapitalmarkt hinfällig sind. „Vor 2000 bestand das Risiko bei Qualitätsaktien im Wesentlichen in temporären Schwankungen“, erklärt Herwig Weise, Manager des M & W Privat. „Aber die zeitweiligen Verluste konnte ein langfristig denkender Anleger immer wieder ausgleichen, sodass im Schnitt pro Jahr sechs bis acht Prozent zu erzielen waren.“ Nun aber fielen nicht nur die Schwankungen an den Aktienmärkten deutlich intensiver aus — auch weil die Aktienmärkte zum Spielball von „sozialistischen politischen Interventionen“ geworden seien, meint Weise. Nun drohten auch langfristig Verluste.

Ebenso gelten bei Staatsanleihen neue Spielregeln. Papiere aus den Schuldenstaaten werfen hohe Zinsen ab, sind aber gefährlich. Deutsche Staatsanleihen werden dagegen als sicher eingestuft. Doch die Zinsen sind unter die Inflationsrate gesunken, Investoren machen also Verluste. Die Folge: Es gibt keine risikofreien Investments mehr. Wer dennoch Gewinne erzielen will, muss sein Vermögen breit über verschiedene Anlageklassen streuen. Und er muss das Depot ständig überprüfen und bereit sein, Gewichtungen neu zu justieren. Nicht alle Anleger können das. Börsenabstinent müssen sie dennoch nicht bleiben.

Unterschiedliche Wege — ein Ziel
Sie können die Kunst des Wechsels der Anlageklassen Profis wie Joël Reuland überlassen. Der Fondsmanager des BL Global 50 verfolgt das Prinzip der Ausgewogenheit. Er investiert in der Regel 50 Prozent in Aktien und 50 Prozent in geldmarktnahe und festverzinsliche Papiere. Von dieser Aufteilung kann er bis zu 15 Prozent abweichen.

Konsequent sucht Reuland nach Aktien, die unter ihrem fairen Wert notieren. Er steigt jedoch nur dann ein, wenn das Unternehmen auch noch über eine starke Marke oder besondere technologische Innova­tionen verfügt. „Dann kann er sich auch in schwachen Märkten behaupten.“

Diese Fähigkeit dürfte in den kommenden Monaten an den Aktienmärkten entscheidend sein. „Die globale Konjunktur verliert durch die in der Eurozone notwendig gewordenen Sparmaßnahmen deutlich an Fahrt. Auch in China lässt die Wirtschaftsdynamik nach“, bemerkt Reuland.

Als derzeit klar überbewertet stuft Reuland den S & P 500 ein. Aktien aus Nordamerika sind daher nur mit 20 Prozent im Portfolio gewichtet, wovon 15 Prozent über Futures abgesichert sind. Europäische Werte hält er dagegen für fair bewertet.

Gute Chancen identifiziert Reuland bei den wachstumsstarken und finanziell solider als die Industriestaaten aufgestellten Emerging Markets. Der Anteil im Portfolio von derzeit 14 Prozent könnte künftig noch steigen. Einzelwerte aus den Schwellenländern findet man im Portfolio aber nicht. Reuland kauft Schwellenländeraktien über Fonds. Den Anleiheteil bestückt Reuland mit kurz laufenden deutschen und niederländischen Staatspapieren. Die Bonds sollen die Volatilität im Portfolio senken. Zur Rendite tragen sie nicht viel bei. Auch künftig nicht. Reuland geht davon aus, dass in der Eurozone die Zinsen der solidesten Länder weiterhin niedrig bleiben.

Noch stärker als Reuland nutzt der Carmignac Patrimoine das Potenzial der Schwellenländer. Der Fonds investiert dabei sowohl in Aktien als auch in Staats- und Unternehmensanleihen. Bislang hat der Manager sein Engagement nicht reduziert, obwohl mittlerweile auch die Schwellenländer die Eurokrise spüren. Aktuell liegt der Emerging-Markets-Aktienanteil bei zwölf Prozent, Bonds aus den aufstrebenden Ländern bringen es auf 20 Prozent. Für die Defensive im Portfolio sorgen dagegen unter anderem lang laufende US-Staatsanleihen.

Aktien muss man haben
Mehr Risiko wagt Bert Flossbach. Der Manager des Flossbach von Storch — Multiple Opportunities hat aktuell 67 Prozent des Fondsvermögens in Aktien gesteckt. „Eine lockere Geldpolitik bleibt auf Jahre die einzige Möglichkeit, einen Kollaps des Finanzsystems zu vermeiden. Inflation ist daher die logische Konsequenz“, sagt Flossbach, der bei diesem Fonds fast von jeglicher Begrenzung frei agieren kann.

Das spreche klar für Dividendentitel. „Mit Aktien beteiligt man sich am Sachvermögen von Unternehmen. Das bleibt über alle Krisen hinweg erhalten.“ Unter den Top-Ten-Werten finden sich vor allem Qualitätsaktien wie Nestlé und der Konsumtitel Reckitt Benckiser. Für substanzstarke Werte spreche auch die Tatsache, dass Anleger trotz der großen Crashs in den Jahren 2001 bis 2003 und 2008/2009 ordentliche Renditen eingefahren haben, meint Flossbach. Sein Portfolio, davon ist Flossbach überzeugt, dürfte daher von einer möglichen Kurskorrektur im Herbst deutlich geringer betroffen sein als die all­gemeinen Indizes.

Auch in Gold und Silber sieht Flossbach einen guten Schutz gegen Geldentwertung. Seine Gewichtung der Edelmetalle: 14,5 Prozent. Wenn er will, kann er die Quote auch bis auf 20 Prozent hochfahren. Zudem schätzt Flossbach Wandelanleihen. Die Papiere, die die Eigenschaften von Aktien und festverzinslichen Anlagen verbinden, sind mit 5,6 Prozent gewichtet. Reine Rentenanlagen bringen es im Portfolio dagegen derzeit nur auf 0,6 Prozent.

Krisenfestes Gesamtportfolio
Hohe Aktienquote hier, hohe Absicherung da, Gold einerseits, kein Gold andererseits — die von uns ­ausgesuchten Fonds haben unterschiedliche Strategien und daher unterschiedliche Portfolios. Gerade das macht eine Mischung interessant. So können eventuelle Schwächephasen eines einzelnen Fonds durch Stärkeperioden anderer ausgeglichen werden. Der langfristig erfolg­reiche Mul­tiple Opportunities von Flossbach etwa verlor wegen einer grundsätzlich offensiven Ausrichtung im Crashjahr 2008 13,5 Prozent. Ein gleichgewichtetes Portfolio aller sechs Fonds begrenzte das Minus im Jahr der Lehman-Pleite auf gerade einmal 3,4 Prozent. Zum Vergleich: Der DAX verlor über 40 Prozent.

2008 haben die Hamburger Vermögensverwalter Mack und Weise mit ihrem Fonds M & W Privat sogar um über neun Prozent zugelegt. Heute haben sie rund 30 Prozent in physisches Gold und Silber investiert und sich zudem bei Aktien von Minenunternehmen wie Barrick Gold oder Goldcorp Incorporation engagiert. „Viele Titel von Goldproduzenten sind deutlich unterbewertet. Zudem sind die Unternehmen trotz der massiven Investitionen in der Vergangenheit in neue Minen und Ausrüstung nahezu schuldenfrei“, sagt Weise. Ihre Gewinne steigerten sie aufgrund einer steigenden Nachfrage nach Gold seitens der Notenbanken, aber auch aus China und Indien deutlich. Es sei daher nur eine Frage der Zeit, bis sich die Unterbewertung auflöse.

Italien-Bonds sind ein Kauf
Guido Barthels, Fondsmanager des Ethna Global Defensiv, könnte maximal bis zu zehn Prozent der Mittel in Aktien investieren. Doch er ist skeptisch. Barthels will die Quote von derzeit 0,8 Prozent auf gerade mal zwei Prozent hochfahren. Er will eine Korrektur an den Aktienmärkten angesichts der schwachen globalen Konjunkturaussichten nicht ausschließen. „Aktien steigen derzeit nicht, weil die Gewinnentwicklung der Unternehmen rosig ausfällt, sondern vor allem deshalb, weil die Zinsen so niedrig sind.“ Bei Unternehmensanleihen fühlt sich der Rentenexperte deutlich wohler.

Barthels investiert auch in Anleihen, die viele derzeit meiden, wie zum Beispiel italienische Staats­papiere. „Italien ist ein reiches Land. Ich glaube nicht, dass es zu einer ­Umschuldung wie bei Griechenland kommen wird.“

Zudem finden sich in Barthels’ Portfolio Bonds, die von supranationalen Organisationen ausgegeben werden. Ein solcher Emittent ist zum Beispiel die Internationale Finanzfazilität für Impfprogramme ­(IFFIM). „Die Organisation stellt umfangreiche Mittel für Impfprogramme in armen Ländern zur Verfügung“, sagt Barthels. Die Finanzierung erfolgt über den Kapitalmarkt. Staaten wie die USA, Großbritannien und Schweden haben sich zu Finanzierungszusagen verpflichtet. Die Papiere werfen um ein bis zwei Prozentpunkte höhere Zinsen ab als sichere Staatsanleihen. Und auch bei Anleihen des europäischen Rettungsschirms EFSF hat Barthels zugegriffen.

Noch breiter als der Ethna Global Defensiv ist der M & G Optimal Income aufgestellt. Manager Richard Woolnough hat die rund zehn Milliarden Euro, die ihm die Anleger anvertraut haben, auf etwa 750 Positionen verteilt. Neben sicheren Staatsanleihen investiert Woolnough in Unternehmensanleihen — auch aus dem riskanten Hochzinsbereich. Bei der Festlegung der Bonitäten und der Laufzeiten hat er freie Hand.

Der Brite sieht die Unternehmen oft in einem deutlich besseren finanziellen Zustand als die Staaten, in denen sie ihren Sitz haben. Im Gegensatz zum Land Portugal ist er sich ziemlich sicher, dass Portugal Telecom seinen Schuldenverpflichtungen nachkommen kann. Woolnough kann bis zu 20 Prozent Aktien bei­mischen. Aktuell liegt die Quote bei etwas über fünf Prozent.

Einen Zerfall des Euro sieht der Manager übrigens gelassen. Zwar gäbe es dann Kurskorrekturen, doch die böten wie immer auch neue Kaufgelegenheiten.

Investor-Info

Das Mischfonds-Portfolio

Ethna Global Defensiv: LU0279509144
FvS Multiple Opport.: LU0323578657
M & W privat: LU0275832706
M & G Optimal Income: GB00B1VMCY93
BL Global 50: LU0048292634
Carmignac Patrimoine: FR0010135103
Das Mischfonds-Portfolio - Gemeinsam sind sie stark (pdf)

Die beste jährlich Durchschnittsrendite der Topmischfonds weist der FvS Multiple Opportunities mit 11,5 Prozent auf. Packt man alle Fonds in ein Portfolio, ergibt sich seit Anfang 2008 eine jährliche Durchschnittsrendite von 7,7 Prozent. Die Stärke des Mischfonds-Portfolios zeigt sich auch im Krisenjahr 2008. Drei Fonds rutschten seinerzeit ins ­Minus, doch die solide Wertentwicklung der anderen Produkte begrenzte den Verlust auf lediglich 3,4 Prozent. Die vergangenen fast fünf Jahre waren ein echter Härtetest. Das gemischte Mischfonds-Portfolio hat ihn mit ­Bravour bestanden und somit gute Chancen, auch in Zukunft so gute Ergebnisse für Anleger zu erzielen.

Bildquellen: LiliGraphie / Shutterstock.com
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