05.04.2013 15:43
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Lug und Trug

Euro fondsxpress
Die Gier ist zurück. Wie bei den Schweizer Steuer-CDs sind die deutschen Politiker, allen voran ­Finanzminister Schäuble, heiß auf die „Offshore Leaks“-Dokumente. Genau jener Wolfgang Schäuble, der in den 90er-Jahren tief in die CDU-Spenden­affäre verwickelt war — Schnee von gestern.
Natürlich soll jeder Bürger brav seine Steuern zahlen. Ob es sich aber nun bei den Besitzern von Offshore-Konten, Trusts und Stiftungen tatsächlich um gemeine ­Steuerhinterzieher handelt oder nur um Steueroptimierer, die rechtliche Grauzonen mithilfe cleverer Anwälte nutzen, ist unklar. Man kann kaum davon ausgehen, dass internationale Großkanzleien sich wie kleine Ganoven verhalten, sondern sie haben gezielt Schlupflöcher für ihre Mandanten genutzt. Was nicht illegal ist. Eine Briefkastenfirma auf den Cook-Inseln ist noch keine Straftat.

Die Staatsanwälte bleiben gelassen

Die deutschen Staatsanwaltschaften sehen daher auch noch keinen Grund für Ermittlungen. Die Politik muss sich an die ­eigene Nase fassen. Solange Großkanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer in Berlin ihr Fachwissen bei vielen Gesetzen mit einbringen, muss man sich nicht wundern, dass sie die Lücken kennen. Das erinnert an das Rennen von Hase und Igel. Auch wenn man immer höhere Steuern wie in Frankreich einführt, drängt es immer mehr außer Landes. François Hollande wird sich noch wundern, wen er alles vertreibt. Carmignac verlegt schon mal seine Fondsmanager nach Luxemburg, weil er sonst keine guten Leute mehr bekommt. In Ländern mit niedrigen Steuersätzen wie in Hongkong (16 Prozent) gibt es solche Abwanderungsprobleme kaum.

Ein schönes Wochenende wünscht Jörn Kränicke, Chefredakteur

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