aktualisiert: 09.10.2012 21:10
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Das neue Afrika - Wie Anleger investieren können

Exotische Investments
Afrika beginnt sein Potenzial auszuschöpfen. Die Börsen des Kontinents stehen vor einem anhaltenden Boom. Die aussichtsreichsten Afrika-Fonds für Anleger.
€uro am Sonntag

von Jörg Billina, Euro am Sonntag

Está na hora de ir embora — es ist Zeit zu verschwinden, sagen sich derzeit viele Portugiesen. Ihr rezessionsgeplagtes Land bietet keine Perspektive mehr, die Arbeitslosenquote liegt bei 16 Prozent. Im Zuge der harten Sparmaßnahmen wird es immer schwieriger, einen Job zu finden.

So suchen sie neue Chancen im Ausland, auch in den früheren Kolonien auf dem Schwarzen Kontinent. Hunderte pro Monat kommen nach Maputo, der Hauptstadt Mosambiks. Und allein in Angolas Kapitale Luanda leben schon mehr Portugiesen als Angolaner in Portugal.

Die Wirtschaft in den beiden Ländern, die Mitte der 70er-Jahre von Lissabon in die Unabhängigkeit entlassen wurden, boomt. Mosambiks Wirtschaft wird 2013 dank steigender Kohle- und Gas­exporte vermutlich um knapp acht Prozent wachsen. Dem ölreichen Angola wird ein Plus von zehn Prozent prognostiziert. Die Einnahmen aus dem Ressourcenverkauf stecken die Regierungen unter anderem in die Modernisierung der Infrastruktur. Oft ergehen die Aufträge zum Bau von Straßen, Bürotürmen und Hafenanlagen an portugiesische Unternehmen.

Mosambik und Angola sind nur zwei Beispiele für die enorme wirtschaftliche Dynamik des Schwarzen Kontinents. Erfolgreiche Unternehmen wie Orascom Construction, weitblickende Manager wie Aliko Dangote, Chef der Dangote Group, hart arbeitende Menschen mit außergewöhnlichen Improvisationsfähigkeiten, steigende Einkommen — all diese positiven Entwicklungen finden sich auch in Nigeria, Ghana, Kenia, Sambia, Botswana, Liberia, Sierra Leone, Ruanda und in den nordafrikanischen Ländern Ägypten, Marokko und Tunesien.

Vor wenigen Jahren war das Bild Afrikas ein anderes. Der Kontinent galt als verloren. Kriege und Hunger dominierten die Nachrichtenlage. Heute dagegen besteht berechtigte Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Noch wenige sind investiert
Aufbruchstimmung in Afrika — das lockt risikobereite Investoren aus den Industriestaaten an. Sie setzen darauf, dass Afrikas Aktienmärkte sich ähnlich gut entwickeln werden wie die Börsen der BRIC-Staaten.

Doch nur wenige Anleger engagierten sich seinerzeit in Brasilien, Russland, Indien und China. Nun ergebe sich in Afrika eine neue Chance auf hohe Erträge, meint Mark ­Mobius, Emerging-Markets-Chef der Anlagegesellschaft Templeton. Wer jetzt nicht einsteige, der werde in ein paar Jahren feststellen, dass er eine Riesenchance verpasst hat, ist sich Tommaso Bonanata, Manager des Julius Bär Northern Africa Fund bei Swiss & Global Asset Management, sicher.

In diesem Jahr wurden die Renditeerwartungen schon mal erfüllt. Die Börse in Lagos bringt es seit Januar auf ein Plus von rund 31 Prozent, Kenias Aktienmarkt legte um über 26 Prozent zu. Auch Südafrika legte zu — obwohl zahlreiche Minen derzeit bestreikt werden.

Spitzenreiter nicht nur in Afrika, sondern weltweit ist jedoch Ägypten. Die Kurse in Kairo kletterten 2012 um 55 Prozent. Bonanata will noch kein Ende der Afrika-Rally erkennen: „Der Aufschwung wird bislang vor allem von lokalen Inves­toren getrieben. Positionieren sich auch noch verstärkt ausländische Anleger, sind weitere Zuwächse möglich.“

An Kaufmotivation fehlt es nicht. Bonanata erwartet, dass eine ganze Reihe von Unternehmen ihre Gewinnerwartungen nach oben korrigieren werden. Und mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun für 2013 sei der Markt immer noch günstig bewertet.

Der Aufschwung in Afrika, die neue Sicht der Investoren auf die Länder nördlich und südlich der ­Sahelzone, hat mehrere Ursachen. Zum einen setzte die Entschuldungsinitiative der Industrieländer den Wandel in Gang. Sie ermöglichte es den afrikanischen Staaten, Exporterlöse im eigenen Land zu investieren. Davor floss der Großteil der Einnahmen an die Gläubiger aus dem Westen. Vor allem aber sind viele Staaten Afrikas heute politisch stabiler. Reibungslose Regierungswechsel werden zum Normalfall. Ghana etwa gilt als Musterland der Demokratie.

Auch das Handy hat den Alltag und das Leben der Menschen in ­Afrika verändert. Über 60 Prozent der Bevölkerung besitzen mittlerweile ein Mobiltelefon. Es wird für Geldüberweisungen, Lohnzahlungen und zum Austausch von Marktinformationen genutzt. Zudem sorgt der wachsende Zugang zum Internet für Bildung und mehr Transparenz in Politik und Wirtschaft.

Enormer Reformbedarf
Noch aber ist der Fortschritt in ­Afrika kein Selbstläufer. Viele Dinge verhindern, dass der Kontinent, seine Menschen und die Unternehmen ihr ganzes Potenzial entfalten können. Korruption ist weit verbreitet, die Einkommen sind ungleich verteilt. In vielen Ländern ist die Wirtschaft noch zu wenig diversifiziert. Und oft erweist sich der Rohstoffreichtum mehr als Fluch denn als Segen. Immer wieder eskalieren ethnische Konflikte.

Geballt treten die Probleme in dem mit 170 Millionen Menschen ­bevölkerungsreichsten Staat Afrikas auf. Seit über 50 Jahren wird in Nigeria Öl gefördert. Doch bis heute gibt es keine Raffinerien. Benzin wird teuer aus dem Ausland eingeführt.

Weil ein Großteil der Nigerianer immer noch mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen muss, wird der Treibstoff subventioniert. 2011 wurden dafür rund 15 Milliarden Euro aufgewendet.

Der unsichere Rechtsrahmen — in dem 183 Länder bewertenden Doing Business Report der Weltbank rangiert Nigeria auf Platz 133 — sorgt dafür, dass sich Unternehmen mit Investitionen zurückhalten. Statt der erhofften Förderung von täglich vier Millionen Barrel (159 Liter) Rohöl sind es gerade mal zwei Millionen. Das ist nur unwesentlich mehr vor zehn Jahren.

Langer Atem erforderlich
Die Gefahr von Rückschlägen ist also groß. Auch an den Börsen. „Wer einsteigt, sollte langfristig dabeibleiben und gute Nerven mitbringen,“ rät Bonanata. Die Schwankungen sind enorm. Der arabische Frühling und die damit einhergehende Unsicherheit über die politische Zukunft führten 2011 in Kairo zu Verlusten von über 50 Prozent. Zwischenzeitlich wurde der Handel ausgesetzt.

Nach den Präsidentschaftswahlen aber stabilisiert sich die Lage am Nil zusehends. Die Touristen kommen wieder, die Kapitalflucht geht zurück. Türkei, Katar und weitere Staaten erhöhen ihre Direktinvestitionen. Auch verhandelt Kairo mit dem IWF über einen Kredit in Höhe von 3,7 Milliarden Euro. „Ägypten kehrt auf den Wachstumspfad zurück“, stellt Bonanata fest.

Die enormen Ausschläge an der Kairoer Börse zeigen: Selbst langfristig orientierte Anleger sollten Afrika-Investments im Gesamtportfolio nur beimischen.

Investor-Info

Afrika
Mehr als nur Rohstoffe
Laut der Beratungsgesellschaft McKinsey werden alle Staaten Afrikas zusammen im Jahr 2020 ein Bruttoinlandsprodukt von umgerechnet zwei Billionen Euro erwirtschaften. Im Vergleich zu heute wäre dies eine Steigerung um 100 Prozent. Getrieben wird das Wachstum zum einen durch die steigende Nachfrage nach Afrikas Rohstoffen. Ein immer größerer Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt des Kontinents stammt aber auch aus der Telekommunikation und dem Transport. Der private Konsum nimmt gleichfalls zu. Die Ausgaben sollen von derzeit 660 Milliarden Euro auf eine Billion bis 2020 steigen.

Aktienmärke
Geringe Marktkapitalisierung
Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Afrikas sind die Börsen von zentraler Bedeutung. Viele Ak­tienmärkte verfügen jedoch bislang noch über eine geringe Liquidität. Die Börse in Johannesburg ist mit einer Marktkapitalisierung von über 660 Milliarden Euro der mit Abstand größte Finanzplatz. Der Aktienmarkt Nigeria bringt es auf umgerechnet 37 Milliarden Euro, der aus 56 Aktien zusammengesetzte Leitindex Tunesiens auf gerade mal sieben Milliarden Euro. Der Handelsumsatz an den wenig liquiden Märkten liegt oft unter einer Million Euro. 

BB African Opportunities
Bester Afrika-Fonds
Der von der Schweizer Vermögensgesellschaft Bellevue Asset Management aufgelegte Fonds kann an jeder Börse des Kontinents anlegen. 18 Prozent der Mittel sind derzeit in Südafrika investiert. Seit Jahresanfang legte der von Malek Bou-Diab ge­managte Fonds über 33 Prozent zu. Er ist damit der beste Afrika-Fonds in diesem Jahr. Bou-Diabs Favoriten sind die nigerianische Zenith Bank, das südafrikanische Telekommunikationsunternehmen MTN und die ugandische Equity Bank.
ISIN: LU0433847240

Julius Bär Northern Africa
Schwergewicht Ägypten
Fondsmanager Tommaso Bonanata investiert ausschließlich in Unternehmen, die an afrikanischen Börsen nördlich des Äquators gelistet sind. Süd­afrika ist also nicht dabei. Mit über 26 Prozent ist Ägypten derzeit am höchsten gewichtet, zehn Prozent der Mittel entfallen auf Nigeria. Zu den Top-Ten-Positionen zählen der ägyptische Baukonzern Orascom Construction sowie das Bergbauunternehmen African Minerals aus Sierra Leone. Seit Jahresanfang erzielte der Fonds ein Plus von 14 Prozent.
ISIN: LU0303756455

Kontinent im Aufbruch
2. Investmentkonferenz Afrika weckt das Interesse der Anleger. Viele Staaten erzielen hohe Wachstums­raten. Politische Krisen werden seltener. Das erhöht die Chancen auf Rendite und reduziert die Risiken. Wer investieren will, benötigt jedoch Informationen.

Die liefert die von €uro am Sonntag und dem Ver­mögensverwalter Bellevue Asset Management ausgerichtete 2. Investmentjahres­konferenz. Sie findet am 11. Oktober von 16.30 bis 20.30 Uhr im Hotel Sofitel Munich Bayerpost statt. Dr. Auma Obama, Initiatorin und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Sauti Kuu, referiert zum Thema nachhaltige ökonomische Entwicklungen in Afrika am Beispiel Kenias. Fondsmanager Malek Bou-Diab spricht über Wachstumsperspektiven afrikanischer Unternehmen. Daniela Meyer, Chefreporterin des Finanzen Verlags, stellt mutige und kreative Entrepreneure vor, die den Kontinent voranbringen.
Anmeldungen sind unter www.finanzen.net/afrika möglich.

Bildquellen: belizar / Shutterstock.com
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