21.12.2012 12:48

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Fiskalklippe spannt Märkte auf die Folter


EU: Fortschritte bei der Bankenunion; Griechenland erhält nächste Tranche.

Die Unruhe über die Fiskalklippe in den USA bestimmt weiterhin die Entwicklung der Märkte. Die US-Aktienmärkte schlossen letzte Woche schwach, erholten sich aber, als es Anzeichen für Fortschritte bei der Einigung über eine Lösung für den Schuldenabbau gab.

Die „Cliff“ schwächte das Vertrauen von Verbrauchern und Kleinunternehmern in den USA. Der Empire Einkaufsmanagerindex für die Region New York ließ diese Woche eine unerwartete Eintrübung des Geschäftsklimas in der Industrie erkennen. Positiv war hingegen die Verbesserung des Ausblicks, die bedeutet, dass nach Lösung der Haushaltskrise Hoffnung auf eine Verbesserung besteht.

Inzwischen gibt es Anzeichen dafür, dass noch in diesem Jahr eine Lösung gefunden werden könnte. Die Führung der Republikaner akzeptierte ein höheres Steueraufkommen, das sowohl durch höhere Steuersätze als auch durch niedrigere Steuerfreibeträge erreicht werden soll. Die Demokraten erklärten sich mit Kürzungen der Sozialausgaben einverstanden. Eine Anhebung der Obergrenze für die Staatsverschuldung, die es der Regierung ermöglichen würde, für ein weiteres Jahr Geld aufzunehmen, wird wahrscheinlich ebenfalls in den Kompromiss aufgenommen. Die Hauptlast dieser Maßnahmen wird im kommenden Jahr zu spüren sein. In den darauffolgenden Jahren dürfte es besser aussehen.

In Anbetracht der Fiskalbremse für 2013 wird in den USA im nächsten Jahr nur mit einem bescheidenen Wirtschaftswachstum gerechnet. Ein Wachstumstreiber könnte der Häusermarkt sein. Hier hat sich das Vertrauen der Wohnungsbaugesellschaften verbessert. Wir rechnen mit einem bescheidenen aber anhaltend positiven Einfluss der Erholung des Häusermarktes auf die Gesamtwirtschaft. Dieser Sektor ist in den letzten Jahren geschrumpft und macht heute nur noch einen relativ kleinen Teil der amerikanischen Wirtschaftsleistung aus. Wir rechnen nicht damit, dass die Verbraucher ihr Immobilienvermögen so belasten, wie das vor der Immobilienkrise der Fall war.

Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion erholten sich von der durch den Orkan Sandy bedingten Schwäche. Allerdings ist das Wachstum in beiden Sektoren nicht besonders kräftig. Es sieht derzeit so aus, als würde das BIP-Wachstum in den USA deutlich niedriger ausfallen als die 2,7 % im dritten Quartal (im Vergleich zum Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet). Nächstes Jahr könnte sich das Wachstum wieder etwas verbessern, aber wie bereits gesagt, werden positive Entwicklungen aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Fiskalbremse begrenzt werden.

Die Ergebnisse des Gipfeltreffens für den Euroraum entsprechen den Erwartungen. Die Regierungschefs einigten sich auf eine zentrale Bankenaufsicht, eine Rolle, die die EZB in Zusammenarbeit mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde und den nationalen Aufsichtsbehörden übernehmen soll. Kleinere Banken sind von dieser Regelung nicht betroffen. Dies ist nur als ein erster Schritt in Richtung einer Bankenunion zu verstehen.

Eine Bankenunion ist wichtig, um eine Trennung zwischen schwachen Regierungen und schwachen Bankensystemen zu erreichen. Außerdem könnte sie dazu beitragen, die Kapitalflucht aus wirtschaftlich schwachen Ländern des Euroraums aufzuhalten. Es gibt allerdings noch weitere wichtige Schritte, die hinausgeschoben wurden, so z.B. die Einführung einer zentralen Abwicklungsbehörde (resolution mechanism) für marode Banken oder eine Einlagenversicherung auf Euroraum-Ebene. Diese Schritte sind heikel, da sie bedeuten, dass im Krisenfall Geld von starken in schwache Euroraum-Staaten fließt.

Eine Bankenunion würde es ermöglichen, Banken direkt durch den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM zu stabilisieren. In diesem Falle würde die Bankenrettung nicht mehr die Staatsfinanzen belasten. Keine Fortschritte gab es hingegen bei Diskussionen über den zukünftigen Eurozonen-Haushalt und verbindliche Vereinbarungen über Wirtschaftsreformen. Die Kreditgeber einigten sich jedoch darauf, die nächste Tranche des Hilfspakets für Griechenland freizugeben und machten damit den Weg für eine Rekapitalisierung des griechischen Bankensektors frei. Unserer Ansicht nach bestehen dort jedoch weiterhin große wirtschaftliche und politische Risiken. Wir schließen eine weitere Umschuldung daher nicht aus, wobei hiervon auch Anleihen im Besitz des öffentlichen Sektors betroffen sein könnten.

Die Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum waren weiterhin schwach. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe verbesserte sich kaum und die Industrieproduktion gab deutlich nach. Unserer Ansicht nach birgt das fehlende Wirtschaftswachstum ein hohes Risiko. Er erschwert die Umsetzung der Vorgaben für den Defizitabbau und könnte weitere Sparmaßnahmen zur Folge haben. Dadurch wiederum könnte das Vertrauen belastet und vielleicht sogar der Widerstand der Bevölkerung hervorgerufen werden.

Der vierteljährliche Tankan Survey, ein Barometer für das Klima in der japanischen Industrie, ging im vierten Quartal deutlich zurück. Er lässt für das vierte Quartal ein negatives Wachstum erwarten, nachdem das Wachstum im dritten Quartal im Jahresvergleich bei 0,5 % gelegen hatte.

Die Wahlen in Japan brachten einen unerwartet hohen Sieg für die LDP, woraus man schließen könnte, dass die politische Situation nicht mehr ganz so festgefahren ist. Shinzo Abe, der Vorsitzende der LDP, will die Bank of Japan zu einer geldpolitischen Lockerung bewegen. In Vorwegnahme dieser Maßnahme gab der Yen nach. Im Vergleich zum Stand Ende September hat die japanische Währung bereits 8 % eingebüßt. Wir sind jedoch nicht davon überzeugt, dass die BoJ dem Drängen des LDP-Vorsitzenden nachgeben wird.

Andere Vorhaben Abes halten wir ebenfalls für riskant. Seine nationalistische Ader, die vermutlich höhere Rüstungsausgaben nach sich ziehen wird, könnte die Spannungen mit China verschärfen. Seine Pläne für höhere Infrastrukturausgaben scheinen in einem Land mit einer guten Infrastruktur, einem hohen Haushaltsdefizit und einer enormen Staatsverschuldung beinahe unverantwortlich. Einstweilen bleiben wir bei japanischen Aktien untergewichtet.

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